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Linksextreme Gewalt 2025: die +42 Prozent im Kontext

Die Junge Freiheit hebt den prozentualen Anstieg hervor und blendet aus, dass rechte Gewalt absolut höher liegt

Irreführend
Inhalt

Was ist passiert?

Am 9. Juni 2026 stellten Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) und BKA-Präsident Holger Münch die endgültigen Fallzahlen zur Politisch motivierten Kriminalität (PMK) 2025 vor. Noch am selben Tag titelte die Junge Freiheit: "Linksextreme Gewalttaten explodieren". Der Artikel stellt den prozentualen Anstieg linker Gewalt in den Mittelpunkt und hinterfragt zugleich Dobrindts Einordnung, die größte Gefahr gehe vom Rechtsextremismus aus.

TL;DR
Die Zahl stimmt: Linksmotivierte Gewalttaten stiegen 2025 um 42,6 Prozent. Irreführend ist die Rahmung. In absoluten Zahlen bleibt rechte Gewalt höher, der Prozentsprung kommt aus einer kleinen Basis, und die Statistik selbst nennt den Rechtsextremismus als größte Gefahr.

Was an der Zahl stimmt

Der prozentuale Anstieg ist real und kein erfundener Wert. Laut BKA-Factsheet (Tabelle 1) stiegen die linksmotivierten Gewalttaten von 762 Fällen im Jahr 2024 auf 1.087 Fälle 2025, das entspricht +42,65 Prozent. Auch die Gesamtzahl linker Straftaten legte deutlich zu, von 9.971 auf 13.490 (+35,29 Prozent). Linke Gewalt ist ein reales Phänomen, das in der Statistik sichtbar wird, und der Anstieg ist nicht zu bagatellisieren.

So weit gibt die Junge Freiheit die BKA-Zahlen korrekt wieder. Das Problem liegt nicht in den Ziffern, sondern in dem Bild, das daraus gebaut wird.

Was die Rahmung ausblendet

Wer aus "+42 Prozent" und der Vokabel "explodieren" schließt, von der linken Szene gehe die zentrale oder am stärksten wachsende Gewaltbedrohung aus, liest die Statistik gegen ihre eigene Aussage. Drei Punkte fehlen in der Darstellung:

Erstens: In absoluten Zahlen liegt rechte Gewalt höher. 2025 zählte das BKA 1.598 rechtsmotivierte Gewalttaten gegenüber 1.087 linksmotivierten. Rechte Gewalt ist absolut also rund die Hälfte häufiger, und auch sie stieg weiter an (+7,39 Prozent, von 1.488 auf 1.598).

Zweitens: Die Größenordnung der Gesamtkriminalität ist eine andere. Der Phänomenbereich PMK-rechts umfasst 42.544 Straftaten und macht damit rund die Hälfte aller 85.837 erfassten PMK-Delikte aus. PMK-links kommt auf 13.490 Straftaten, nicht einmal ein Sechstel. Die rechte Seite ist hier gut dreimal so groß.

Drittens: Der Prozentwert entsteht aus einer kleinen Basis. Ein Sprung von 762 auf 1.087 Fälle wirkt prozentual dramatisch. Genau deshalb ist der reine Prozentwert ohne die absolute Größe ein verzerrendes Maß: Hätte sich eine sehr kleine Zahl verdoppelt, stünde da "+100 Prozent", ohne dass die Bedrohungslage damit die rechte Gewalt überholt hätte.

Die Statistik widerspricht der Schlagzeile

Auffällig ist, dass die Junge Freiheit ausgerechnet die Einordnung des CSU-Innenministers kritisch hinterfragt. Dobrindt hielt in derselben Vorstellung fest: "Die mit Abstand meisten Delikte wurden allerdings von rechten und rechtsextremen Tätern verübt, was wiederholt zeigt, dass die größte Gefahr aktuell vom Rechtsextremismus ausgeht." Diese Bewertung stammt nicht von politischen Gegnern, sondern aus der Bundesbehörde, deren Zahlen der Artikel zitiert.

Das BKA weist im Factsheet zudem ausdrücklich darauf hin, dass eine isolierte Betrachtung einzelner Phänomenbereiche "zu kurz greift". Genau diese isolierte Betrachtung betreibt die Schlagzeile, indem sie einen einzelnen Prozentwert herausgreift.

Einen erheblichen Teil des Gesamtanstiegs der PMK 2025 erklärt im Übrigen das Bundestagswahljahr mit deutlich mehr wahlbezogenen Delikten, ein Kontext, der quer durch die Phänomenbereiche wirkt und nicht zur Erzählung einer spezifisch linken Gewaltexplosion passt.

Fazit

Die Aussage ist irreführend. Die Junge Freiheit liest den Anstieg von 42,6 Prozent korrekt aus der BKA-Statistik, baut daraus aber ein Bedrohungsbild, das die Zahlen nicht hergeben. In absoluten Zahlen bleibt rechtsmotivierte Gewalt höher, der Phänomenbereich PMK-rechts macht rund die Hälfte aller Delikte aus, der Prozentsprung entsteht aus einer kleinen Basis, und die zitierte Behörde selbst nennt den Rechtsextremismus als größte Gefahr.

Ein reales Phänomen, der Anstieg linker Gewalt, wird so zur selektiven Gegen-Erzählung umgebaut. Wer wissen will, wie dasselbe Muster bei der allgemeinen Kriminalstatistik funktioniert, findet das in unserem Faktencheck zu Dobrindts PKS-Framing 2026. Zur Gesamtlage rechtsmotivierter Straftaten siehe die vorläufige BKA-PMK-rechts-Statistik.