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Stand: 08.03.2026

Laut AFD: Jugendliche greifen 70-jährigen an

Zum Vorfall vom 28. Februar 2026 am AfD-Wahlkampfstand

✗ Falsch

Was ist passiert?

Am 28. Februar 2026 passierte eine Gruppe Gegendemonstranten des "Offenen Antifaschistischen Plenums" (OAP) mit einem zusammengefalteten Banner den Bereich neben einem AfD-Wahlkampfstand in Rosenheim. Das Banner berührte dabei leicht den Boden. AfD-Landtagsabgeordneter Andreas Winhart trat vom Stand vor und ergriff das Banner. Es folgte ein minutenlanges Gerangel, bei dem mehrere AfD-Mitglieder an dem Stoff zerrten. Der 70-jährige AfD-Bürgermeisterkandidat Michael Maurer, der sich in das Gemenge einmischte, stürzte zu Boden und verletzte sich am Knie.

Die AfD erstattete daraufhin Anzeige wegen gefährlicher Körperverletzung gegen die Gegendemonstranten. Die Polizei Rosenheim übernahm diese Darstellung in einer Pressemitteilung, und die Geschichte eines „brutalen Angriffs auf einen älteren Mann" verbreitete sich bundesweit in Medien und sozialen Netzwerken.

Zitate

AfD-Darstellung

Michael Maurer beschrieb den Vorfall gegenüber Medien so:

Michael Maurer, AfD-Bürgermeisterkandidat aus Griesstätt

Ich bekam Tritte zwischen die Beine, stürzte nach vorn.

Das rechtsextreme Portal Journalistenwatch titelte am selben Tag:

Journalistenwatch, 2. März 2026

„Unsere Demokratie" im Einsatz: AfD-Bürgermeisterkandidat von Antifa-Linksfaschisten in Rosenheim zusammengetreten und schwer verletzt

Überregionale Medien sprangen auf: Die Welt berichtete unter der Schlagzeile „Drei junge Leute schlagen 70-jährigen AfD-Politiker zusammen".

Volksverpetzer zur Rolle der Medien

Volksverpetzer, 3. März 2026

Ein Video zeigt den Vorfall, wie Demonstranten an einem AfD-Stand in Rosenheim mit einem Banner vorbeilaufen. Ein AfD-Abgeordneter scheint laut Aufnahme zu versuchen, ihnen ihr Banner zu entreißen, woraufhin es zu einem Handgemenge kommt. Die AfD-Mitglieder versuchen minutenlang, das Banner zu entreißen, und zerren unnachgiebig daran. Daraufhin kommt ein anderer AfD-Politiker zu Fall.

In den Medien landet aber am Ende die Schlagzeile „AfD-Kandidat wird an Wahlkampfstand in Rosenheim angegriffen" und die Polizei ermittelt gegen die Demonstranten. Und dennoch verbreiten AfD-Accounts und die, die ihnen nahestehen, die Erzählung, die Medien würden den Vorfall „verschweigen". Ein Paradebeispiel, was massiv in unserer Medienlandschaft schief läuft und warum es die Propaganda der Rechtsextremen so leicht hat.

Faktencheck

Was zeigt das Video?

Ein

Video von Sinom Tiew auf Bluesky (Kein Link gefunden! winhart-rosenheim-konfrontation )
dokumentiert den vollständigen Vorfall über rund zwei Minuten. Es zeigt klar die zeitliche Abfolge:

  1. Die Gegendemonstrantengruppe passiert den AfD-Stand mit einem zusammengefalteten Banner, das den Boden leicht berührt — sie bewegen sich am Stand vorbei.
  2. Winhart tritt vom Stand vor und greift nach dem Banner.
  3. Mehrere AfD-Mitglieder zerren minutenlang an dem Banner.
  4. Maurer, der sich aktiv in das Gerangel einmischt, stürzt in dem Gemenge.
  5. Weder Schläge noch Tritte gegen Maurer sind auf dem Video erkennbar.

Die

taz (Kein Link gefunden! taz-rosenheim-afd-schwalbe )
beschreibt den Videobeweis als „klare Schwalbe": Das Video zeige lediglich „ein Tauziehen und Gerangel um ein Banner, im Zuge dessen der besagte 70-Jährige sich selbst ins Getümmel begibt und daraufhin tatsächlich hinfällt oder sich fallen lässt. Keine Spur von gefährlicher Körperverletzung."

Wer initiierte den Körperkontakt?

Das Video macht eindeutig sichtbar: Winhart und andere AfD-Mitglieder haben den Körperkontakt initiiert. Die Gegendemonstranten beabsichtigten lediglich, den Stand zu passieren. Den ersten Griff ans Banner tätigte Winhart.

Reaktion der AfD nach Bekanntwerden des Videos

Nachdem das Video öffentlich wurde, versuchte die AfD zunächst, den Vorfall als „Missverständnis" darzustellen und behauptete, Winhart habe das Banner nur aus Versehen berührt — was angesichts der Videoaufnahme nicht haltbar ist.

Reaktion von Maurer und Staatsanwaltschaft

Maurer erschien nach taz-Angaben bei der Polizei, sah sich das Video an und stellte laut Staatsanwaltschaft Traunstein fest:

Der AfD-Bürgermeisterkandidat ist noch gestern bei der Polizei erschienen, hat das Video des Vorfalls in Augenschein genommen und festgestellt, dass er nicht geschlagen wurde. Entsprechend hält er den Vorwurf der Körperverletzung nicht mehr aufrecht.

Die Staatsanwaltschaft prüft nun ihrerseits, ob gegen Maurer Ermittlungen wegen falscher Verdächtigung und Vortäuschens einer Straftat einzuleiten sind. Wie

t-online berichtet (Kein Link gefunden! t-online-rosenheim-afd-kandidat )
, könnte das mutmaßliche Opfer nach der Wahl selbst zum Verdächtigen werden.

Wie die Falschinformation entstand

Die Polizei Rosenheim veröffentlichte eine Pressemitteilung, bevor sie die Gegenseite gehört hatte. Aus einer parteiischen Darstellung wurde dadurch schnell eine scheinbar amtlich bestätigte Tatsache, die

Medien bundesweit unkritisch übernahmen (Kein Link gefunden! volksverpetzer-rosenheim-afd-angriff )
. Besonders paradox: AfD-Accounts behaupteten gleichzeitig, die Medien würden den Vorfall „verschweigen" — obwohl die meisten Berichte genau die AfD-Version wiedergaben. Ein weiterer Beleg dafür, wie egal der AfD die Realität ist, wenn sie mit erfundenen Geschichten Meinungen beeinflussen kann.

Fazit

Die Behauptung, Gegendemonstranten hätten den AfD-Bürgermeisterkandidaten in Rosenheim angegriffen, ist falsch. Das Video zeigt eindeutig: AfD-Mitglieder um Winhart initiierten den Körperkontakt, indem sie nach dem Banner der vorbeigehenden Gruppe griffen. Von Schlägen oder Tritten gegen Maurer ist nichts zu sehen.

Der Fall steht exemplarisch für eine bekannte Strategie: Eine von der AfD gesetzte Opfererzählung wurde durch eine unkritische Polizeimeldung rasch zur scheinbar gesicherten Tatsache — bis das Videomaterial sie widerlegte. Der Schaden ist nun aber entstanden und die Zielgruppe wird die widerlegenden Informationen entweder ignorieren oder aktiv als Fake ablehnen, auch wenn nur die AfD-Position erlogen war.

Vergleichbare Muster sind kein Einzelfall: Auch bei einem

AfD-nahen Treffen in Sachsen-Anhalt (Kein Link gefunden! moz-afd-gewalt-presse )
griff das Umfeld Journalisten an, während die Polizei untätig blieb.