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Begriffserklärung: Ad hominem

Was ein Ad-hominem-Argument ist: Nicht die Aussage wird angegriffen, sondern die Person, die sie gemacht hat, und wann das doch zulässig ist.

Ein Ad-hominem-Argument (lateinisch für "zum Menschen hin") richtet sich gegen die Person statt gegen ihre Aussage. Ob eine Behauptung stimmt, hängt aber nicht davon ab, wer sie äußert. Auch ein unsympathischer, unglaubwürdiger oder inkonsequenter Mensch kann recht haben, und ein angesehener kann irren.

Erscheinungsformen

  • Die direkte Beleidigung. Die einfachste und am leichtesten erkennbare Form.
  • Der Verweis auf Eigenschaften: Beruf, Herkunft, Alter, Bildung, Aussehen.
  • Der Motivvorwurf. "Du sagst das nur, weil du davon profitierst." Kann ein Hinweis auf Befangenheit sein, ersetzt aber keine inhaltliche Prüfung.
  • Der Heuchelei-Vorwurf (tu quoque). "Du fliegst doch selbst in den Urlaub." Auch wenn das stimmt, wird dadurch keine Aussage über das Klima falsch.
  • Die Schuld durch Verbindung. "Das sagen auch die Falschen." Wer eine These an ihrem unangenehmsten Vertreter misst, prüft sie nicht.

Beispiele

A: "Diese Studie zeigt einen Rückgang."

B: "Der Autor ist Parteimitglied."

Möglicherweise stimmt das. Es sagt nichts darüber, ob die Zahlen richtig erhoben wurden. Erst wenn gezeigt wird, wie die Nähe die Methode beeinflusst hat, wird daraus ein Argument.

A: "Wir sollten weniger Fleisch essen."

B: "Du hast letzte Woche eine Bratwurst gegessen."

Das ist der Heuchelei-Vorwurf. Er trifft die Person und lässt die Frage unberührt.

Wann der Hinweis auf die Person berechtigt ist

Es gibt Fälle, in denen die Person zur Sache gehört. Bei Interessenkonflikten ist die Finanzierung einer Studie relevant. Wer sich auf die eigene Erfahrung als einzigen Beleg beruft, muss sich Fragen zu dieser Erfahrung gefallen lassen. Und wer wiederholt nachweislich falsch informiert hat, verdient weniger Vertrauensvorschuss.

Der Unterschied ist, ob die Person als Ersatz für die Prüfung dient oder als Grund, genauer zu prüfen. "Er lügt oft, deshalb schaue ich mir das genau an" ist zulässig. "Er lügt oft, deshalb ist es falsch" nicht.

Wozu es eingesetzt wird

  • Um eine Aussage zu erledigen, für die man kein Gegenargument hat.
  • Um Kosten zu erzeugen: Wer öffentlich angegriffen wird, überlegt es sich beim nächsten Mal.
  • Um vor Publikum Zweifel zu erzeugen, wo inhaltlich keine bestehen.

Was dagegen hilft

Die Sache von der Person trennen und die Frage zurückholen: "Kann sein. Ändert das etwas an der Zahl?"

Wer sich stattdessen verteidigt, führt ab da ein Gespräch über sich selbst, und genau das war das Ziel. Bei persönlichen Angriffen in Kommentarspalten ist die wirksamste Antwort oft die ruhige Wiederholung der ursprünglichen Aussage, weil der Kontrast für sich spricht.

Verwandte Begriffe

Ton-Policing Whataboutism