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Begriffserklärung: Beweislastumkehr

Was Beweislastumkehr ist: Wer eine Behauptung aufstellt, verlangt vom Gegenüber den Gegenbeweis, statt selbst Belege zu liefern.

Eine Beweislastumkehr liegt vor, wenn jemand eine Behauptung aufstellt und dann vom Gegenüber verlangt, sie zu widerlegen, statt sie selbst zu belegen. Die Regel lautet eigentlich umgekehrt: Belegen muss, wer behauptet. Wird sie umgedreht, entsteht eine Aufgabe, die praktisch nicht zu erfüllen ist.

Warum das nicht funktionieren kann

Das Nichtvorhandensein von etwas lässt sich in aller Regel nicht beweisen. Man kann zeigen, dass an einer bestimmten Stelle nichts gefunden wurde, aber nicht, dass es nirgendwo existiert. Deshalb ist die Aufforderung "beweis mir das Gegenteil" keine faire Herausforderung, sondern eine unerfüllbare.

Das klassische Bild dafür stammt vom Philosophen Bertrand Russell: Er stellte sich eine Teekanne vor, die zwischen Erde und Mars die Sonne umkreist, zu klein für jedes Teleskop. Niemand kann beweisen, dass sie nicht dort ist. Trotzdem wäre es unsinnig, an sie zu glauben, solange niemand einen Grund dafür liefert.

Merkmale

  • Die Behauptung kommt ohne Beleg und wird trotzdem als Ausgangspunkt gesetzt.
  • Die Nachfrage nach Belegen wird zurückgespielt: "Kannst du denn beweisen, dass es nicht so ist?"
  • Fehlender Gegenbeweis wird als Bestätigung gewertet. "Siehst du, keiner kann es widerlegen."
  • Häufig kombiniert mit vagen Formulierungen, die den Beweisgegenstand gar nicht festlegen: "Da läuft doch etwas im Hintergrund."

Beispiele

A: "Die Zahlen wurden vor der Veröffentlichung frisiert."

B: "Worauf stützt du das?"

A: "Beweis mir doch, dass sie es nicht getan haben."

Ein zweites Muster begegnet einem bei Nebenwirkungsbehauptungen: "Es ist nicht bewiesen, dass das Mittel sicher ist." Formal richtig, denn absolute Sicherheit ist nie beweisbar. Aus der Unmöglichkeit eines Beweises wird dann ein Verdacht gemacht.

Wozu es eingesetzt wird

  • Um eine Behauptung im Raum zu halten, für die es keine Grundlage gibt. Was nicht widerlegt wurde, wirkt für viele Mitlesende offen.
  • Um den Aufwand zu verschieben. Behaupten kostet Sekunden, ein Gegenbeweis kostet Stunden und gelingt am Ende doch nicht.
  • Um aus der eigenen Belegpflicht herauszukommen, ohne sie erkennbar zu verweigern.

Was dagegen hilft

Die Beweislast zurückgeben, ruhig und ohne Empörung: "Du hast das behauptet, also erklärst du bitte, worauf du das stützt. Ich kann nicht beweisen, dass etwas nicht existiert, und das weißt du."

Wichtig ist, den Gegenbeweis nicht doch zu versuchen. Genau darauf zielt die Technik, und jeder Versuch bestätigt stillschweigend, dass die Frage berechtigt war.

Vor einem Publikum lohnt es, das Prinzip einmal offen auszusprechen, statt es nur anzuwenden. Der Satz "belegen muss, wer behauptet" leuchtet den meisten Menschen sofort ein.

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