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Teil 4· Stand: 12.04.2026

Cloud und Dateien

Deine Dokumente liegen auf fremden Servern. Das lässt sich ändern.

Achtung! Dieser Artikel ist aktuell in Bearbeitung und kann fehlende, falsche und unbelegte Informationen enthalten

Irgendwann in den letzten zehn Jahren ist es normal geworden, dass unsere Dateien nicht mehr bei uns liegen. Fotos, Dokumente, Tabellen, Notizen: alles in der Cloud. Bei Google, Apple oder Microsoft. Das ist praktisch. Es bedeutet aber auch, dass ein Unternehmen in Kalifornien jederzeit Zugriff auf deine Steuererklärung hat, auf deine Urlaubsfotos, auf den Brief an deinen Anwalt.

Die großen Cloud-Anbieter verschlüsseln deine Daten auf dem Transportweg und auf ihren Servern. Das schützt vor Hackern. Es schützt nicht automatisch vor dem Anbieter selbst. Im Regelfall behalten die großen Plattformen technisch die Möglichkeit, auf Inhalte zuzugreifen oder sie serverseitig zu verarbeiten. Apple schränkt das mit der erweiterten Datenschutzoption stärker ein, wenn man sie aktiv einschaltet. Und alle drei unterliegen dem US-amerikanischen CLOUD Act, der US-Behörden Zugriff auf Daten ermöglichen kann, auch wenn die Server physisch in Europa stehen.

Die Alternativen

Proton Drive ist der einfachste Einstieg, besonders wenn man ohnehin zu Proton Mail gewechselt hat. Alle Dateien werden Ende-zu-Ende verschlüsselt, Proton selbst kann sie nicht einsehen. Der kostenlose Einstieg ist klein, die größeren Pakete kosten spürbar mehr als bei den großen Massenanbietern. Die Oberfläche ist schlicht, die Funktionen beschränken sich auf das Wesentliche: Dateien hochladen, teilen, synchronisieren. Keine Online-Office-Suite, keine Echtzeit-Kollaboration. Wer einfach einen sicheren Ort für Dateien braucht, ist gut bedient.

Nextcloud ist das Schweizer Taschenmesser der Cloud-Alternativen. Es ist Open-Source-Software, die man selbst betreiben oder bei einem Hoster mieten kann. Nextcloud bietet Dateisynchronisation, Kalender, Kontakte, Aufgaben, Notizen, sogar eine Online-Office-Suite über Collabora oder OnlyOffice. Klingt perfekt? Der Haken: Nextcloud braucht einen Server. Wer technisch versiert ist, kann eine Instanz selbst aufsetzen. Wer das nicht möchte, kann einen Managed-Nextcloud-Dienst nutzen. Die Kosten bleiben meist im Bereich eines kleinen Abos, hängen aber stark von Speicherplatz und Komfort ab.

Tresorit kommt aus der Schweiz und richtet sich an Nutzer, die hohe Sicherheit wollen, ohne selbst etwas aufzusetzen. Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, DSGVO-konform, gute Apps. Der Preis ist spürbar höher als bei vielen Alternativen. Tresorit ist professionell und zuverlässig, aber kein Schnäppchen.

Für Fotos gibt es noch Ente.io: eine Ende-zu-Ende-verschlüsselte Alternative zu Google Fotos, die aus Indien stammt, aber auch Infrastruktur in Europa nutzt. Die App erinnert bewusst an Google Fotos, mit automatischem Upload, Gesichtserkennung auf dem Gerät und geteilten Alben. Wer vor allem die Foto-Bibliothek von Google lösen will, findet hier einen überraschend guten Ersatz.

Der Umstieg

Bei Cloud-Speicher geht es weniger um einzelne Konten als um Gewohnheiten. Der erste Schritt: Entscheiden, wo die neuen Dateien hin sollen. Proton Drive für den einfachen Fall, Nextcloud für alle, die mehr Kontrolle wollen.

Dann die bestehenden Dateien umziehen. Bei Google Drive kann man über Google Takeout alles auf einmal herunterladen. Bei iCloud geht das über icloud.com oder die Dateien-App. Herunterladen, in den neuen Dienst hochladen, fertig. Das dauert je nach Datenmenge ein paar Stunden bis ein paar Tage, ist aber kein Hexenwerk.

Den Synchronisationsclient des neuen Anbieters installieren und den Ordner auf dem Rechner so einrichten, dass er an derselben Stelle liegt wie vorher der Google-Drive-Ordner. So müssen sich die Arbeitsabläufe kaum ändern. Dateien speichern funktioniert wie vorher, nur der Sync-Dienst im Hintergrund ist ein anderer.

Was man aufgibt

Die ehrliche Bilanz: Die Integration der großen Anbieter ist schwer zu schlagen. Google Docs ermöglicht Echtzeit-Zusammenarbeit, die flüssiger funktioniert als alles, was Nextcloud oder Proton bieten. Wer regelmäßig mit anderen an Dokumenten arbeitet, wird diesen Unterschied spüren.

Die automatische Foto-Sicherung bei Google und Apple ist ausgereift und unauffällig. Ente.io kommt nahe heran, erreicht aber nicht dieselbe Nahtlosigkeit. Und der kostenlose Speicher bei Google (15 GB) und Apple (5 GB) macht den Einstieg bewusst einfach, während die Alternativen fast immer etwas kosten.

Nextcloud im Selbstbetrieb braucht gelegentliche Pflege: Updates einspielen, Speicherplatz überwachen, Backups einrichten. Das ist kein Vollzeitjob, aber es ist auch nicht Null Aufwand. Managed-Angebote nehmen einem das ab, kosten dafür mehr.

Zum Schluss

Cloud-Speicher zu wechseln ist kein Sprint, sondern ein Umzug. Man packt nach und nach zusammen, richtet sich am neuen Ort ein und irgendwann fühlt sich das Neue normal an. Der Unterschied: Am neuen Ort kann der Vermieter nicht in die Schubladen schauen.

Proton Drive für den schnellen Einstieg, Nextcloud für die volle Kontrolle, Ente.io für die Fotos. Ganz kostenlos ist das selten. Aber die Kosten bleiben oft überschaubar, gerade gemessen daran, wie zentral diese Daten im eigenen Leben sind. Dafür gehören die Dateien tatsächlich dir.