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Stand: 07.04.2026

AfD-Abgeordneter blamiert sich mit unbelegter Grafik

Link Beschreibung

Facebook-Reel der Seite "No AfD": Dr. Bernd Baumann (AfD) präsentiert im Bundestag ein Schaubild, das die Online-Reichweite der AfD-Fraktion mit der aller anderen Oppositionsfraktionen zusammen vergleicht. Er behauptet, die AfD habe "viermal so viele Zuschauer draußen" wie alle anderen Oppositionsfraktionen zusammen. Das Reel zeigt anschließend die Entgegnung eines anderen Abgeordneten.

Der Kontext ist eine parlamentarische Debatte zur Geschäftsordnung, in der die AfD mehr Sitzungswochen und mehr Redezeit forderte. Baumann nutzt die Zuschauer-Behauptung als Argument, um den angeblich höheren öffentlichen Zuspruch der AfD zu belegen.

Faktenfackel Bewertung

Einordnung

Das Reel zeigt zwei Teile: zunächst einen Ausschnitt aus Baumanns Rede, dann die Entgegnung durch einen anderen Abgeordneten (vermutlich von der Koalition), der Baumanns Argumente zur Redezeit und zu den Sitzungswochen widerlegt.

Baumanns Schaubild-Behauptung: Baumann behauptet, die AfD-Fraktion alleine habe "viermal so viele Zuschauer draußen" wie alle alten Oppositionsfraktionen zusammen, und hält dazu ein Schaubild hoch. Er sagt: "Sie sehen hier die Regierung, es ist kaum darstellbar, hier die Opposition, das ist die AfD. So sieht das Interesse in der Republik aus."

Die AfD-Fraktion betreibt tatsächlich einen sehr erfolgreichen YouTube-Kanal und dominiert dort unter den Bundestagsfraktionen deutlich. Laut aktuellen Kanal-Statistiken hat der AfD-Fraktion-Kanal rund 586.000 Abonnenten, während der YouTube-Kanal der CDU/CSU-Bundestagsfraktion laut youtubers.me nur rund 8.100 Abonnenten aufweist. Auch die Kanäle der SPD-Fraktion und der Grünen-Fraktion liegen in ähnlich kleinen Bereichen. Dass die AfD-Fraktion online deutlich mehr Reichweite hat als andere Fraktionen, ist also grundsätzlich korrekt.

Allerdings ist die AfD-Online-Reichweite nicht unumstritten: CORRECTIV dokumentierte 2024, dass mindestens 60 Fake-Accounts auf TikTok als AfD-Profile auftraten und zusammen eine halbe Million Follower sowie sechs Millionen Likes sammelten, bevor TikTok 50 davon löschte. Auf X (Twitter) identifizierte das Rostocker Unternehmen Somtxt rund 2.500 Bots, die AfD-Inhalte verstärkten. Baumanns Schaubild blendet diese Dimension vollständig aus.

Das weitere Problem liegt in der Unbelegt- und Ungenauigkeit der Darstellung: Baumann präsentierte ein offensichtlich selbst erstelltes oder zumindest quellenfreies Schaubild ohne Nachweis der zugrunde liegenden Daten. Unklar bleibt, welche Metrik genau gemeint war (Abonnenten, Videoabrufe, Livestream-Zuschauer, alle Kanäle zusammen oder nur Fraktionskanäle) und ob der Faktor "vier" mit einem konkreten Vergleich belegt wurde. Eine Aussage über "viermal so viele Zuschauer" hätte zumindest eine Quellenangabe oder einen Verweis auf konkrete Datenpunkte erfordert, um parlamentarisch verwertbar zu sein. Der Lacher, den die Grafik im Plenum auslöste, deutet darauf hin, dass die Qualität der Darstellung erkennbar mangelhaft war.

Zu den Redezeit- und Sitzungswochenargumenten: Der Antwortsprecher im Video stellt klar, dass die Redezeit-Kürzungen proportional für alle Fraktionen gelten ("Alle Fraktionen verlieren proportional Redezeit, und zwar eine Minute möglichst") und dass bei Kernzeitdebatten keine Kürzungen vorgenommen werden. Außerdem habe man für das kommende Jahr bereits eine zusätzliche Sitzungswoche im Ältestenrat beschlossen, dem die AfD zugestimmt habe. Baumanns Behauptung einer gezielten Benachteiligung der AfD ist damit widerlegt.

Fazit

Baumanns Schaubild nutzt ein reales Phänomen (die deutlich höhere Online-Reichweite der AfD im Vergleich zu anderen Fraktionen) als Aufhänger für eine Parlamentsrede, ohne die Daten mit einer Quelle zu belegen. Die Darstellung ist also nicht schlicht erfunden, aber irreführend: Die Behauptung "viermal so viele Zuschauer" wurde ohne überprüfbare Grundlage präsentiert, und der eigentliche Debattenkontext (Redezeit, Sitzungswochen) enthält nachweislich falsche Behauptungen über eine gezielte AfD-Benachteiligung.