Link Beschreibung
Daniela Sepehri analysiert detailliert einen Spiegel-Artikel ("Deshalb bewegt ein wohl falscher Zopf die Welt", 6. Februar 2026) über die Angriffe islamistischer Kräfte auf Rojava. Ihre zentralen Kritikpunkte:
Die zwei Autoren spielen ein virales Video herunter, das einen islamistischen Kämpfer zeigt, der den abgeschnittenen Zopf einer Kurdin hochhält, sie geben zwar zu, das Video sei echt, bezeichnen die entstandene Solidaritätswelle aber als "SDF-Kampagne". Den Separatismusvorwurf gegen Kurden übernimmt der Artikel ohne Kontext, derselbe Vorwurf, mit dem in Syrien, Irak, Türkei und Iran Kurden kriminalisiert, festgenommen und hingerichtet werden. Als Maßstab gilt im Artikel: "stabiler und friedlicher als erwartet", also weniger schlimm als Assad. Das Massaker an den Drusen in Suwaida wird als "Rachewünsche" nach 14 Jahren Krieg erklärt. Den IS-Fahnen-Vorfall in Raqqa hält der Artikel für irrelevant, weil sich der Vater des Jungen entschuldigt hat. Die Methode "auf beiden Seiten gab es Gewalt" setzt staatliche Massakergewalt mit Selbstverteidigung gleich. Sepehris Abschlussfrage: "Gibt es eigentlich einen Grund, warum der Spiegel, wenn es um Syrien geht, ständig die Initiative der islamistischen Übergangsregierung copy-pastet?"
Faktenfackel Bewertung
Einordnung
Daniela Sepehri ist deutsch-iranische Journalistin, Autorin und Social-Media-Aktivistin (Instagram: 109K Follower). Sie schreibt u.a. für die taz mit Schwerpunkt Iran und Feminismus und ist bekannt für ihre Arbeit zu Iran-Themen.
Der von ihr kritisierte Spiegel-Artikel "Deshalb bewegt ein wohl falscher Zopf die Welt" erschien am 6. Februar 2026. Darin soll es um die Darstellung von Konflikten in Nordsyrien (Rojava) und das Vorgehen der islamistischen Übergangsregierung unter Ahmed al-Scharaa (HTS) gegen kurdische Gruppen gehen. Die Kritik an dem Artikel war breit: Die Kurdische Gemeinde Deutschland kritisierte eine "einseitige und in wesentlichen Punkten falsche Darstellung der Ereignisse" und eine Verharmlosung der Bedrohungslage der kurdischen Zivilbevölkerung. Die NZZ analysierte, wie Syrien-Experten in deutschen Medien die islamistische Ideologie hinter Massakern systematisch ausblendeten und islamistische Täter als handelnde Akteure der Geopolitik, nicht als religiöse Extremisten, darstellten. Aktivisten des Bündnisses "RiseUp4Rojava" besetzten kurzzeitig das Spiegel-Foyer in Hamburg als Protest gegen die Berichterstattung.
Sepehris Einzelpunkte sind faktisch belegbar: Das Video mit dem Zopf ist dokumentiert und echt. Der Separatismusvorwurf wird in der Region tatsächlich zur Kriminalisierung und Hinrichtung von Kurden eingesetzt. Das Massaker an den Drusen in Suwaida (Juni 2025) ist belegt. Ob die Einordnung dieser Punkte im Spiegel-Artikel Täter-Opfer-Umkehr im engeren Sinne ist, bleibt eine journalistische Wertung, aber die Faktenlage, auf die sich Sepehri stützt, ist korrekt. Die Kritik an dem Artikel war von verschiedenen Seiten gleichlautend: die Kurdische Gemeinde Deutschland, die NZZ und die Aktivisten von "RiseUp4Rojava" (die kurzzeitig das Spiegel-Foyer besetzten) bemängelten dieselben Punkte.
Fazit
Sepehris Kritik an der Spiegel-Berichterstattung ist nicht allein ihre Meinung, sondern wird von anderen Quellen geteilt, darunter die Kurdische Gemeinde Deutschland und die NZZ. Der konkrete Vorwurf der Täter-Opfer-Umkehr bei islamistischen Tätern ist in der Kritiklage plausibel begründet, auch wenn er eine journalistische Wertung bleibt.
