Stand: 27.03.2026

"Ich wurde heute von ICE entführt" - DawokeFarmer2

Komplex

Link Beschreibung

Ein Facebook-Account mit dem Namen "DawokeFarmer2" (Beschreibung: "Wake up America!") veröffentlicht ein Reel über seine Festnahme durch Strafverfolgungsbehörden während eines Protests. Das Reel erreicht ca. 111.000 Likes und knapp 30.000 Shares - eines der viralen Anti-ICE-Videos des Januars 2026.

Im Video schildert der Sprecher: Er sei auf einer Straße festgenommen worden, obwohl er den Verkehr nicht behindert habe. Beamte hätten ihn über Blocks verfolgt, einer Frau die ihn in ihrem Minivan versteckte, eine Pistole ins Gesicht gehalten, ihn ohne Belüftung in eine Zelle gesperrt, in der Pfefferspray-Rückstände lagen. Niemandem seien die Rechte vorgelesen worden, ein Mann sei für "das Blasen einer Pfeife in der Öffentlichkeit" verprügelt worden. Abschluss: "Wake the fuck up America. Get off your fucking asses and resist."

Faktenfackel Bewertung

Einordnung

Das Reel erschien am 17. Januar 2026, wenige Tage nach Beginn von Trumps zweiter Amtszeit und der Ausweitung der ICE-Aktionen. Der Januar 2026 war in den USA geprägt von zahlreichen viralen Protest-Videos. Im Video selbst wird "ICE" nie explizit genannt - der Sprecher spricht nur von "they" und bezeichnet die Beamten als "Nazis" und "fascists".

Der Account-Name "DawokeFarmer2" ähnelt dem TikTok-Account "DaWokeFarmer" des Aktivisten William Kelly, der im Januar 2026 durch Anti-ICE-Aktivismus bekannt wurde. Kelly wurde am 22. Januar 2026 von Bundesbehörden festgenommen, nachdem er an einer Protestaktion in einer Kirche in St. Paul, Minnesota beteiligt war, laut NOTUS. Ob es sich um dieselbe Person handelt, ließ sich nicht abschließend verifizieren.

Die konkreten Vorwürfe im Video - Pistole ins Gesicht einer unbeteiligten Frau, Schläge bis zur Bewusstlosigkeit, kein Rechtsbeistand - sind schwerwiegend, aber ohne unabhängige Bestätigung nicht einzuordnen. Polizeiliche Übergriffe dieser Art kommen vor (dokumentiert z.B. durch das ACLU), sind aber als Einzelberichte nicht automatisch glaubwürdig. Die rechtliche Qualifikation als "kidnapping" ist falsch: Behördliche Festnahmen, auch umstrittene, sind formal keine Entführungen, selbst wenn man sie als rechtswidrig betrachtet.

Fazit

Der Bericht ist ein persönlicher Aktivisten-Erlebnisbericht mit starker politischer Sprache. Die Grundsituation - Festnahme bei einem Protest gegen ICE-Maßnahmen - ist vor dem Hintergrund der damaligen Ereignisse plausibel. Die konkreten Vorwürfe (Waffeneinsatz gegen Unbeteiligte, Prügelei) sind nicht unabhängig verifizierbar. Der Begriff "kidnapping/entführt" ist rechtlich falsch.