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Auflistung historischer Fälle, in denen Rechtsextreme in Deutschland Autos als Waffe eingesetzt haben, u.a. der Mord an Ramazan Avcı (1985) und weitere Vorfälle.
Kopie des Textes aus dem Beitrag:
Das Auto als Tatwaffe Rechtsextremer
Hier eine kleine Auswahl aus Deutschland. Weltweit gibt es dabei erheblich mehr Fälle, in denen Rechtsextreme Autos als Waffe nutzen.
21.12.1985: Neonazis greifen türkischstämmige an, werfen mit Flaschen. Sie verfolgen das Opfer, überfahren es, verprügeln es weiter. 3 Tage später stirbt Ramazan Avcı, 26 Jahre alt.
27.12. 1992: türkischstämmige Männer werden von dem rechtsextremen Hooligan Klaus E. und „Freunden” auf der A57 bei Meerbusch verfolgt. Die Rechtsextremen rammen das Auto ihrer Opfer. Der 20-jährige Çalışır und seine Freunde retten sich aus ihrem Fahrzeug, doch die Neonazis lassen nicht ab. Çalışır wird von einem vorbeifahrenden Fahrzeug erfasst und stirbt an seinen Verletzungen.
26.5.1993: Der deutsch-ägyptische Schauspieler Jeff Dominiak stirbt. Er wurde auf einem Motorrad fahrend von einem 17-jährigen Neonazi mehrfach gerammt.
19.9.1998: Rostock. 15.000 demonstrieren gegen einen 3.000 Mann starken Neonazi-Aufmarsch. Am Rand der Demonstration prügelten ca. 60 Neonazis auf Demonstranten ein. Mehrere Neonazis nutzten dann ein Auto und fuhren einen jungen Mann um.
30.6.2000: Rosche (Niedersachsen Lkr. Uelzen). Wochenlange rassistische rechtsextreme Angriffe auf Flüchtlingsunterkunft, Antifaschisten verteidigten. Zwei mit einem Auto attackierte Personen konnten sich mit einem Sprung zur Seite noch retten
4.10.2009: Bewaffnete Neonazis schlagen erst mit Knüppeln und Eisenstangen auf Fußballfans ein, einer der rechtsextremen fährt einen der Fans an, der notoperiert werden musste.
31.7.2010: ehemaliger Polizist und NPD-Funktionär attackierte mit dem Auto einen Journalisten (200 Neonazis attackierten die Journalisten und wollten die Berichterstattung verhindern). Der rassistische Rechtsextreme nutzte das Auto mehrfach als Waffe, in den Folgejahren fuhr er auf eine Polizisten zu (und wurde verurteilt, auch im Dez. 2015 versuchte er ein Ehepaar zu überfahren.
1.10.2011: “So ‘ne Zecke greift an und du ziehst’n Messer. Die Flachzange klappt zusammen und rührt sich nicht mehr”, schreibt der ehemalige NPD-Politiker Florian S. Wenige Tage später macht er seine Gewaltfantasie wahr und benutzt sein Auto als Waffe und verletzt 3 Personen schwer.
7.1.2012: Haigerloch-Trillfingen (BW) provozieren 7 Rechtsextreme Besucher einer Fastnachtsfeier. Ein Neonazi und seine Freundin steigen in ein Auto und fahren 3 Personen an.
April 2017: Cottbus. Rechtsextreme beschimpfen ägyptische Personen rassistisch, später überfährt der Fahrer eine 22-jährige, die verstirbt.
2019: ein Autofahrer in Bottrop und Essen fuhr seinen Wagen mehrfach auf ausländisch aussehende Passanten, verletzte viele schwer und äußerte sich nach seiner Festnahme mehrfach rassistisch.
Oktober 2020: AfDler nutzt sein Fahrzeug als Waffe gegen Demonstranten und verletzt eine schwarze Frau und 3 weitere Personen schwer.
März 2025: Amokfahrt eines rechtsextremen in Mannheim fordert 2 Tote und 11 teils scher verletzte.
Eine Anfrage von Martina Renner im Bundestag offenbart die hohe Zahl von Fahrzeug-Attacken. Von 2020 bis 2023 listet die Bundesregierung unter „Delikte Tatmittel ‚Verkehrsmittel/Fahrzeuge’ + Zusammenhang mit Demonstrationen” alleine 212 Vorfälle auf. In demselben Zeitraum erfasste sie unter „Delikte Tatmittel ‚Verkehrsmittel/Fahrzeug’” 446 Fälle – Stand der Antwort Juli 2023.
In der Statistik im Kontext von Demonstrationen fällt im „Phänomenbereich” eine Anmerkung immer wieder auf: „Nicht zuzuordnen”. Die „erneut hohe Zahl nicht zuordenbarer Taten mit Verkehrsmitteln auf Versammlungen”, findet Renner nicht bloß „auffällig”, sie befürchtet vielmehr, dass „politisch rechts einzuordnende Gewalt dadurch zunehmend entpolitisiert” werde, „da hinter diesen Taten oftmals klassisch rechtsextreme Delikte und Motivationen stehen.”
Dieser Beitrag soll nicht „relativieren”. Es gab viele Fahrzeug-Attentate, die nicht von rechtsextremen gemacht wurden. Er soll zeigen, dass Attentate mit Fahrzeugen als Waffe nicht ausschließlich von religiösen Extremisten oder Ausländern ausgeführt werden.
Fakt ist: Extremismus ist zerstörerisch, immer und egal, aus welcher Ecke er hervorkriecht. Und jeder Fall, jeder Verletzte, jeder Tote ist immer einer zuviel.
Edit, aufgrund hoher „Nachfrage” bzw. auch vielen sinnlosen Relativierungsversuchen hier noch ein paar weitere Infos, übergreifend.
Wie die Bundesregierung mitteilte, wiesen im Jahreszeitraum 2019 bis 2021 insgesamt 301 politisch motivierte Straftaten das Untertatmittel „Verkehrsmittel/Fahrzeug” auf (Stand 15. Juli 2021). Davon werden 80 Straftaten der politisch links motivierten, 79 Straftaten der politisch rechts motivierten Kriminalität zugerechnet.
Insgesamt wurden von 2019 bis Juli 2021 im Zusammenhang mit Gewalttaten, bei denen das Untertatmittel „Verkehrsmittel/Fahrzeug” zum Einsatz kam, 38 Menschen leicht und drei Menschen schwer verletzt. Nach Regierungsangaben ist ab 2019 niemand im Zusammenhang mit den genannten 301 Straftaten zu Tode gekommen. Lediglich drei der beschriebenen 301 politisch motivierten Straftaten mit dem Untertatmittel „Verkehrsmittel/Fahrzeug” werden von den Behörden mit der Deliktsqualität „Terrorismus” gekennzeichnet.
36 Straftaten konnten dem Phänomenbereich der „Politisch motivierten Kriminalität – ausländische Ideologie” zugerechnet werden, drei Straftaten der „Politisch motivierten Kriminalität – religiöse Ideologie”. 103 Straftaten wurden unter „Politisch motivierten Kriminalität – nicht zuzuordnen” verbucht.
