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Stand: 26.03.2026

Wie Uruguay in fünf Jahren auf 98 % erneuerbare Energie umstieg

Irreführend

Link Beschreibung

"James Stew" behauptet in diesem Facebook Reel, Uruguay habe seinen Energiemix von 50 % fossilen Brennstoffen auf 98 % erneuerbare Energie transformiert, und zwar in nur fünf Jahren. Ein Wissenschaftsprofessor namens "Roman Mendez Galain" habe zunächst ein Paper geschrieben und sei dann als Energiesekretär eingestellt worden.

Kernaussage

Uruguay habe dank eines Physikprofessors innerhalb von fünf Jahren den Anteil erneuerbarer Energien von rund 50 % auf 98 % gesteigert.

Einordnung

Die Geschichte enthält einen wahren Kern, wird aber in mehreren Punkten verkürzt oder irreführend dargestellt:

Die 98%-Zahl: Strom, nicht Gesamtenergie

Die oft zitierte Zahl von 98 % bezieht sich ausschließlich auf die Stromerzeugung (electricity generation), nicht auf den gesamten Energieverbrauch Uruguays. Der Gesamtenergiemix liegt bei etwa 55 % erneuerbaren Energien, da Transport, Heizung und Industrie weiterhin stark auf fossile Brennstoffe angewiesen sind. Dieser Unterschied wird im Reel nicht gemacht.

Der Zeitraum: Eher 7-10 Jahre, nicht fünf

Ramón Méndez Galain (nicht "Roman") wurde 2008 zum Energiesekretär ernannt und diente bis 2015. Die Energiepolitik 2005-2030 wurde bereits 2008 verabschiedet, aufbauend auf Reformen von 1997, 2002 und 2006. Der parteiübergreifende Energiekonsens wurde 2010 beschlossen. Die 98%-Marke bei der Stromerzeugung wurde erst nach mehreren Jahren erreicht. Die Behauptung "fünf Jahre" ist stark vereinfacht; realistischer ist ein Zeitraum von etwa einem Jahrzehnt, wobei die stärkste Transformation zwischen 2008 und 2015 stattfand.

Méndez Galains Rolle: Korrekt, aber vereinfacht

Ramón Méndez Galain war tatsächlich theoretischer Physiker an der Universidad de la República in Montevideo, der sich mit dem Urknall beschäftigte. Er verfasste einen Vorschlag, wie Uruguay seine Energiekrise mit erneuerbaren Energien lösen könnte, und wurde daraufhin 2008 vom Präsidenten als Energiesekretär berufen. Ein Schlüssel seines Erfolgs war ein von ihm entwickeltes Simulationswerkzeug zur Analyse von Netzstabilität und Intermittenz. Die Darstellung im Reel ist in diesem Punkt im Wesentlichen korrekt.

Der fossile Ausgangspunkt: Korrekt

Vor der Transformation lag der Anteil fossiler Brennstoffe am gesamten Energiemix bei etwa 56 % (Zeitraum 2001-2006). Uruguay verfügt über keine eigenen Öl-, Gas- oder Kohlevorräte und war von Importen abhängig. Dieser Punkt ist zutreffend.

Vorherige Basis: Wasserkraft

Uruguay verfügte bereits vor der Transformation über erhebliche Wasserkraftkapazitäten. Der Wandel bestand vor allem darin, massiv in Windkraft (von nahezu null auf etwa 40 % der Stromerzeugung) und Solarenergie zu investieren, um die Abhängigkeit von schwankender Wasserkraft und importierten fossilen Brennstoffen zu reduzieren. Der parteiübergreifende politische Konsens war ein entscheidender Erfolgsfaktor.

Gegenquellen

Fazit

Die Grundgeschichte ist wahr und beeindruckend: Uruguay hat tatsächlich eine bemerkenswerte Energiewende vollzogen, maßgeblich angestoßen durch Ramón Méndez Galain. Allerdings ist das Reel in drei Punkten irreführend: (1) Die 98 % beziehen sich auf Strom, nicht auf Gesamtenergie; (2) der Zeitraum betrug eher 7-10 Jahre statt fünf; (3) Uruguay hatte bereits eine starke Wasserkraftbasis, was die Transformation erleichterte.