Zur Quelle "Facebook Beiträge" springen
Stand: 27.03.2026

Lisa Carrier Baker: Zehn Lügen im historischen Vergleich

Link Beschreibung

Lisa Carrier Baker veröffentlichte am 12. Januar 2026 ein Reel, das zehn Propaganda-Techniken des Nationalsozialismus mit aktuellen US-amerikanischen politischen Entwicklungen vergleicht. Das Reel erzielte ca. 5.000 Likes und 3.382 Shares.

Faktenfackel Bewertung

Einordnung

Baker, die nach eigenen Angaben mehrere Jahre in Deutschland gelebt und akademische Arbeiten zu dem Thema verfasst hat, listet zehn Propagandamuster aus dem Dritten Reich auf und stellt ihnen jeweils eine aktuelle Entsprechung gegenüber.

Die zehn Punkte im Überblick:

  1. "Die Wahl wurde gestohlen", Parallele: Falschbehauptungen über Wahlmanipulation trotz lückenloser Audits
  2. "Wahrheitssager sind Verräter", Journalisten wurden im Nazi-Deutschland als Volksfeinde bezeichnet, heute würden Whistleblower und Reporter Schmähkampagnen ausgesetzt
  3. "Gewalt ist patriotisch", Straßenmobs wurden als Retter der Nation gefeiert; Parallele: Darstellung der Teilnehmer des 6. Januar 2021 als Geiseln oder friedliche Touristen
  4. "Nur der Führer kann es richten", Führerprinzip; Parallele: "I alone can fix it"
  5. "Feinde lauern unter euch", Juden, Roma, Dissidenten; heute: Migranten, Muslime, Journalisten
  6. "Information ist gefährlich", Goebbels' Propagandaministerium; heute: Verifizierte Daten werden als "Fake News" bezeichnet
  7. "Sündenböcke erklären alles", Damals "Entartete" und Verräter; heute: Berichte über somalischen Betrug und Migrantenkriminalität, oft falsch oder übertrieben
  8. "Expansion macht uns groß", Lebensraum; Parallele: Grönland-Annexionspläne, Venezuela-Einmischung
  9. "Gesetze gelten nicht für uns", Erosion von Normen, Missachtung von Vorladungen
  10. "Das kann hier nicht passieren", Deutsche glaubten, ihre Kultur und Institutionen seien immun

Baker schließt mit dem Hinweis, dass Propaganda nicht davon abhängt, dass man der Lüge glaubt, sondern dass man aufhört, überhaupt noch irgendetwas zu glauben.

Die historischen Parallelen sind ein etabliertes Analyseinstrument in der Faschismusforschung. Wissenschaftler wie Jason Stanley ("How Fascism Works") und Timothy Snyder ("On Tyranny") arbeiten mit ähnlichen Vergleichsrastern. Die einzelnen Punkte sind in der Tendenz korrekt, aber stark vereinfacht: Nicht jede Behauptung über Wahlbetrug entspricht NS-Propaganda, und die Gleichsetzung von ICE-Aktionen mit SA-Gewalt ist analytisch nicht ohne Weiteres haltbar. Bakers Darstellung ist zugespitzt, trifft aber bekannte Muster autoritärer Politik.

Fazit

Das Reel zieht historisch fundierte, aber stark vereinfachte Parallelen zwischen NS-Propagandatechniken und aktueller US-Politik. Die Grundmuster entsprechen etablierten fachwissenschaftlichen Analysen; die direkten Gleichsetzungen sind rhetorisch wirksam, gehen aber analytisch über das hinaus, was sich belastbar behaupten lässt.