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Stand: 13.04.2026

Reaktion auf die AfD-Erzählung vom "Sitzhasenfest"

Link Beschreibung

Reel von "Rumgetrieben" ("Sorry AfD 💙🐰"). Reagiert satirisch auf die rechte Erzählung, christliche Symbole an Ostern würden durch eine "linksgrün versiffte" Umbenennung in ein "Sitzhasenfest" verdrängt. Der Clip ordnet die Behauptung korrekt als Mythos ein.

Hintergrund: Was behauptet die AfD?

Jedes Jahr rund um Ostern kursiert in rechten Kreisen und bei AfD-Politikern die Erzählung, der Osterhase werde aus Rücksicht auf Muslime oder aus linksideologischen Gründen umbenannt, zum "Sitzhase", "Traditionshase" oder in den Cliptitel aufgegriffenen "Sitzhasenfest". Lidl und Aldi standen 2025 erneut im Zentrum dieser Empörungswelle, weil sie Schokoladen-Osterhasen im Sortiment unter der Bezeichnung "Sitzhase" oder "Favorina Sitzhase mit Schleife" führten.

AfD-Bundestagsabgeordneter Johann Martel behauptete auf X, die "schleichende Islamisierung Deutschlands schreite immer weiter voran" und der islamische "Sitzhase" verdränge den christlichen Osterhasen. Die AfD-Fraktion NRW stellte den Vorgang in eine Reihe mit der Umbenennung eines Weihnachtsmarkts in Kerpen zum "Genussmarkt" und suggerierte, christliche Feste würden systematisch aus dem öffentlichen Raum verdrängt (AfD-Fraktion NRW).

Was stimmt davon?

Nichts. Die Behauptung ist in mehrfacher Hinsicht falsch:

1. Der Begriff "Sitzhase" ist uralt. Zeitungsanzeigen belegen ihn seit mindestens 1938, weit vor jeder Islamdebatte in Deutschland. Eine Anzeige der "Nordwest-Zeitung" vom 28. März 1968 verwendet ihn ebenfalls. Der Begriff hat also rund 90 Jahre auf dem Buckel und bezeichnet schlicht eine bestimmte Sitzposition der Schokoladenfigur (Übermedien).

2. Branchenübliche Produktdifferenzierung. Schokoladenhersteller unterscheiden ihre Figuren schon seit Jahrzehnten nach Pose und Form: "Goldhase" (Lindt, seit 1952), "Schmunzelhase" (Milka, seit 1973), "Lachhase", "Stehhase", "Sitzhase". Das ist Produktkennzeichnung, kein Kulturkampf (dpa-Faktencheck).

3. Das Wort "Ostern" verschwindet nirgends. Lidl bestätigte gegenüber der dpa ausdrücklich, dass es das Wort "Ostern" in seiner Produktpalette nicht meidet: Im Sortiment finden sich "Favorina Osternest mit Hohlfiguren", "Favorina Ostermischbeutel" und "Favorina XL-Osterhasen". Aldi verkauft "feine Ostereier" und "Mini-Ostereier". Der Osterhase heißt nach wie vor Osterhase, er steht nur neben einem Sitzhase im Regal (GADMO).

4. Kein religiöser Hintergrund der Bezeichnung. Weder Lidl noch Aldi haben die Bezeichnung je mit Rücksicht auf Muslime oder andere Religionen begründet. Die Unterstellung eines islamischen Hintergrundes ist frei erfunden.

Wiederkehrendes Muster

Die Empörungswelle ist kein Zufall, sondern ein Muster: Ähnliche Behauptungen über umbenannte Osterhasen kursieren nachweislich seit mindestens 2016 im deutschsprachigen Internet. Laut Übermedien amplifizierten 2018 AfD-Politikerinnen wie Erika Steinbach gleichlautende Falschmeldungen. Jedes Jahr zu Ostern wird das Narrativ neu aufgewärmt, mal mit Lidl, mal mit Aldi, mal mit einem Schulprojekt als Aufhänger. Die Übermedien-Analyse nennt es treffend "die alte, falsche Erzählung" (Übermedien).

Fazit

Das Reel reagiert korrekt auf eine Falschbehauptung. Es gibt kein "Sitzhasenfest", keine Umbenennung von Ostern und keine religiös motivierte Produktpolitik der Discounter. Der "Sitzhase" ist ein Jahrzehnte alter Begriff aus der Schokoladenindustrie, der von AfD-Politikern jährlich instrumentalisiert wird, um eine Bedrohung christlicher Kultur durch den Islam zu behaupten, eine Bedrohung, die in diesem Kontext schlicht nicht existiert.