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Kanzlei Höcker

Kanzlei Höcker (offiziell: HÖCKER Rechtsanwälte PartGmbB) ist eine auf Medien- und Markenrecht spezialisierte Kölner Anwaltskanzlei, die vor allem durch presserechtliche Abmahnungen, Unterlassungsklagen gegen Medien und eine strategische Litigation-PR bekannt ist. Nicht zu verwechseln mit dem AfD-Politiker Björn Höcke: Zwischen dem Thüringer Landeschef und der Kanzlei besteht keinerlei Verbindung.

Bildquelle: ©Kanzlei Höcker
Bildquelle: ©Kanzlei Höcker

Kanzlei Höcker (offiziell: HÖCKER Rechtsanwälte PartGmbB) ist eine auf Medien- und Markenrecht spezialisierte Kölner Anwaltskanzlei, die vor allem durch presserechtliche Abmahnungen, Unterlassungsklagen gegen Medien und eine strategische Litigation-PR bekannt ist. Nicht zu verwechseln mit dem AfD-Politiker Björn Höcke: Zwischen dem Thüringer Landeschef und der Kanzlei besteht keinerlei Verbindung.

Über die Kanzlei

Ralf Höcker gründete die Kanzlei 2003 in Köln, nachdem er zuvor bei der Großkanzlei Linklaters und in London gearbeitet hatte. Heute beschäftigt das Büro am Friesenplatz 15 Anwälte. Höcker hält seit 2014 eine Honorarprofessur für deutsches und internationales Marken- und Medienrecht an der Cologne Business School; von 2019 bis 2020 war er zudem ehrenamtlicher Bundespressesprecher der Werte-Union, die sich als konservativer Flügel der CDU/CSU versteht. Die Fachpublikation The Legal 500 führt HÖCKER als eine der sieben führenden deutschen Kanzleien im Presserecht.

Der Schwerpunkt liegt auf vier Bereichen: Medienrecht (Presserecht, Reputationsmanagement, Äußerungsrecht), Markenrecht, Wettbewerbsrecht und Urheberrecht. Zu den bekannteren Mandaten zählen die Vertretung von Jörg Kachelmann im gleichnamigen Strafverfahren, von Recep Tayyip Erdogan im Rahmen des Böhmermann-Gedichts sowie einstweilige Verfügungen für das niederländische Königshaus. Von Oktober 2019 bis Januar 2021 war Hans-Georg Maaßen als Of Counsel an der Kanzlei tätig; er schied aus, nachdem die Kanzlei die AfD in einem Klageverfahren gegen das Bundesamt für Verfassungsschutz vertrat und Interessenkonflikte mit Maaßens früherer Rolle als BfV-Präsident entstanden.

Presserechtliche Klagen gegen Correctiv

Seit dem Erscheinen von Correctivs Recherche "Geheimplan gegen Deutschland" über das Potsdamer Treffen vom November 2023 führt Partner Dr. Carsten Brennecke eine Serie von Unterlassungsverfahren gegen das Recherchezentrum:

  • Ulrich Vosgerau (Staatsrechtler, Teilnehmer des Treffens): Mehrere Verfahren seit 2024. Das Landgericht Hamburg und später das Kammergericht Berlin wiesen die Klagen weitgehend ab; einzelne Formulierungen wurden rechtskräftig als zulässige Meinungsäußerungen eingestuft.
  • Gerrit Huy (AfD-Bundestagsabgeordnete): Das CORRECTIV berichtet, dass die Kanzlei nach vier Niederlagen in Hamburg vor das Landgericht Berlin zog, mit einem Schriftsatz, der dem Hamburger "zum Verwechseln ähnlich" war. Im März 2026 untersagte das Landgericht Berlin zwei Formulierungen aus dem Bericht, darunter die Passage über einen "Masterplan zur Ausweisung von deutschen Staatsbürgern".
  • Gernot Mörig (Mitorganisator des Treffens): Klage vor dem Landgericht Hamburg, Dezember 2025 abgewiesen.
  • Campact: Klage wegen angeblicher Falschbehauptungen im Zusammenhang mit dem Correctiv-Bericht.

Correctiv beschreibt das Vorgehen als "Wiederholte Klagen, gleiche Strategie" und als Versuch, "juristische Verfahren als politisches Instrument" gegen unabhängige Medien einzusetzen.

Forum Shopping und Litigation-PR

Charakteristisch für die Arbeit der Kanzlei Höcker ist die strategische Ausnutzung des sogenannten "fliegenden Gerichtsstands": Da Äußerungsrechtsstreitigkeiten überall dort eingereicht werden können, wo ein Beitrag abrufbar ist, kann eine Kanzlei das Gericht wählen, von dem sie die günstigste Rechtsprechung erwartet. Im Fall Correctiv zeigte sich das Muster besonders deutlich: Nachdem Hamburg viermal gegen die Kläger entschied, wurde dieselbe Argumentation in Berlin erneut vorgetragen.

Ergänzend betreibt die Kanzlei aktiv Litigation-PR: Auch Niederlagen werden in Blogbeiträgen und Pressemitteilungen auf der eigenen Website kommunikativ als Teilerfolge gerahmt, in rechten Medien wie der Jungen Freiheit oder dem Tichys Einblick werden Interviews mit Brennecke als Beleg einer angeblichen Correctiv-Unglaubwürdigkeit verbreitet.

Das Medienrechtsportal Übermedien dokumentiert, dass die Kanzlei auch außerhalb der Correctiv-Fälle Einschüchterungsschreiben an Journalisten versendet hat, etwa gegenüber der Stiftung Warentest und dem ARD-Magazin "Kontraste", mit juristisch unhaltbaren Forderungen wie der angeblichen Pflicht zur Veröffentlichung ungekürzter Zitate.

Faktenfackel-Bewertung

Die Kanzlei Höcker ist als presserechtliche Dienstleisterin relevant, die AfD-nahe und rechtsextreme Kläger gegen unliebsame Medienberichterstattung vertritt. Das strategische Muster aus Forum Shopping, Litigation-PR und Einschüchterungsschreiben dient erkennbar nicht allein der Rechtsdurchsetzung, sondern der öffentlichen Delegitimierung von Faktenchecks und Investigativjournalismus.

Fazit

Kanzlei Höcker ist das juristische Werkzeug hinter einer koordinierten Kampagne gegen Correctivs Potsdamer-Treffen-Recherche. Die systematische Verzahnung von Gerichtsverfahren und rechtspopulistischer Medienkommunikation macht die Kanzlei zu einem wichtigen Akteur im presserechtlichen Ökosystem der deutschen Rechten.