Link Beschreibung
Ein Video auf TikTok und Instagram zeigt angeblich eine Schule, an der Kinder ihre Identität frei wählen können, etwa als "rosa Stift", "mündliche 1" oder "schulbefreit". Der verlinkte Beitrag ist das Original: ein Clip des TikTok-Accounts "AI SATIRE" vom 21. Mai 2026, den der Ersteller selbst als KI-generiert gekennzeichnet hat. Weiterverbreitet wurde er teils ohne diesen Hinweis.
Faktenfackel Bewertung
Einordnung
Das Video imitiert einen Nachrichtenbeitrag: Eine vermeintliche Lehrerin erklärt, an ihrer Schule spreche man nicht mehr von Jungen und Mädchen, sondern von "Lernenden mit wechselnder Selbstwahrnehmung". Ein Mädchen sagt laut CORRECTIV: Video von "genderfreier Schule" ist KI-generiert (30. September 2026) sinngemäß, sie könne auch ein rosa Stift sein. Das Original auf TikTok wurde am 21. Mai 2026 hochgeladen, trägt die Beschreibung "Eine ganz besondere Schule" samt Hashtags wie #satire und #comedy. Zudem vermerkt TikTok, dass der Urheber es als KI-generiert gekennzeichnet hat. Es kommt auf rund 236.000 Aufrufe, der Account hat etwa 46.600 Follower.
Dass es sich um Satire handelt, ging bei der Weiterverbreitung verloren. CORRECTIV fand eine Facebook-Version ohne KI-Hinweis, mit der Einblendung "Offene Irrenanstalt Deutschland" und auf 34 Sekunden gekürzt (das Original läuft 62 Sekunden). Dort wirkt der Clip wie ein echter Bericht. CORRECTIV zeigt den Beitrag nur als Bildschirmfoto.
Inhaltlich gibt es keinen Beleg für eine solche Schule. CORRECTIV hat nach eigenen Angaben alle 16 Landesbildungsministerien gefragt. 13 antworteten, keines bestätigte ein derartiges Konzept. Das niedersächsische Kultusministerium erklärte demnach, Schulen könnten nicht selbstständig festlegen, wie sie mit Fragen der Geschlechtsidentität oder der Ansprache von Schülerinnen und Schülern umgehen. Es gelten das Landesschulgesetz und verfassungsrechtliche Grundsätze.
Die Rechtslage sieht Rücksicht auf geschlechtliche Vielfalt vor, aber keine freie Wahl beliebiger Identitäten. § 9 Nr. 3 SGB VIII verlangt, in der Erziehung die unterschiedlichen Lebenslagen von Mädchen, Jungen sowie transidenten, nichtbinären und intergeschlechtlichen jungen Menschen zu berücksichtigen. Das Bildungsportal Niedersachsen nennt als Rahmen das Schulgesetz, das Diskriminierungsverbot, das allgemeine Persönlichkeitsrecht und das Selbstbestimmungsgesetz für Namens- und Geschlechtseintrag. Regeln, wonach Kinder sich als Gegenstände identifizieren oder per Selbstwahrnehmung von der Schulpflicht befreien könnten, enthält das nicht. Auch die Handreichung des rheinland-pfälzischen Bildungsministeriums zur Akzeptanz und Inklusion geschlechtlicher Vielfalt in der Schule sieht nichts dergleichen vor. Sie behandelt unter anderem die Änderung von Vornamen und Geschlechtseintrag, enthält aber nichts zu Schulpflicht, Selbstwahrnehmung oder einer Identität als Gegenstand.
Dazu passen die Auffälligkeiten im Video selbst: Laut CORRECTIV wirken Mundbewegungen unnatürlich, Stimmen mechanisch und Kopfbewegungen willkürlich.
Fazit
Das verlinkte Video ist offen gekennzeichnete KI-Satire und kein Falschbericht des Accounts. Falsch ist die Darstellung als echter Bericht über eine Schule, an der Kinder ihre Identität frei wählen können: Wer den Clip ohne Kennzeichnung teilt, verbreitet eine Erfindung. Eine entsprechende Schule hat keines der 13 antwortenden Länder bestätigt.
