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Stand: 03.10.2026

Hamburg: Fast täglich Menschen erschossen?

Falsch

Link Beschreibung

Der X-Account @queru_lant schrieb am 14. September 2026 zu einer Schlagzeile über einen niedergeschossenen 14-Jährigen: "Im Kalifat Hamburg werden fast täglich Menschen erschossen. Mittlerweile selbst Kinder." Der Beitrag endet mit dem Satz "Die Messerverbotszonen wirken." Laut der archivierten Fassung hatte der Beitrag rund 273.000 Aufrufe.

Faktenfackel Bewertung

Einordnung

Der Anlass. Die Polizei Hamburg meldet über Presseportal für den späten Abend des 13. September 2026 einen Vorfall in Ottensen: Zwei maskierte Männer betraten die Räume eines Kulturvereins und gaben mehrere Schüsse auf einen 14-Jährigen ab. Der Jugendliche wurde am Oberschenkel getroffen, Lebensgefahr bestand laut der Pressemitteilung der Polizei Hamburg nicht. Ein 20-Jähriger erlitt Stichverletzungen, ebenfalls ohne Lebensgefahr. Die Täter flüchteten, eine Beschreibung lag der Polizei bei Veröffentlichung der Meldung am 14. September nicht vor. Sie ermittelte wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung und hatte Hinweise auf vorangegangene Streitigkeiten. t-online gibt dieselben Eckdaten wieder. Niemand starb. Für das Wort "erschossen" und für die Zuschreibung "Kalifat" liefert die Meldung keinen Anhaltspunkt.

Wie oft in Hamburg Menschen getötet werden. Die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) 2025 verzeichnet 66 Fälle von Mord und Totschlag, davon 49 Versuche. Das lässt 17 vollendete Fälle über alle Tatmittel zusammen, so steht es im Handout der Polizei Hamburg zur PKS 2025 und in der Pressemitteilung der Innenbehörde vom 12. Februar 2026. Das ist rechnerisch ein vollendetes Tötungsdelikt alle drei Wochen, mit Messer, Gewalt oder Schusswaffe. Die Innenbehörde nennt dort auch die Vorjahre: 13 vollendete Fälle 2024 und 26 im Jahr 2023. Am häufigsten waren die vollendeten Taten 2025 Beziehungstaten in der Familie, in 7 der 17 Fälle tötete ein Sohn einen Elternteil oder ein Mann seine Ehefrau.

Wie oft geschossen wird. Die PKS 2025 zählt 150 Fälle, in denen mit einer Schusswaffe geschossen wurde. Dazu gehören auch Schreckschuss-, Gas-, Luftdruck- und Softair-Waffen. In 69,3 % dieser Fälle lag laut Handout ein rein waffenrechtlicher Verstoß ohne Einwirkung auf Personen vor, 42,7 % ereigneten sich an Silvester. Eine Schussabgabe gegen Sachen oder Personen gab es in 46 Fällen (25 weniger als im Vorjahr), in 16 davon mit einer scharfen Schusswaffe. Selbst wenn man annähme, jeder dieser 46 Schüsse hätte einen Menschen getroffen, wäre das etwa ein Fall alle acht Tage, und nicht jeder Schuss traf einen Menschen oder tötete ihn. Eine eigene Statistik nur für Menschen, die durch Schüsse sterben, gibt es nach Angaben des dpa-Faktenchecks in Deutschland nicht. Die Behauptung lässt sich trotzdem prüfen, denn die 17 vollendeten Tötungsdelikte umfassen jedes Tatmittel. Tödliche Schüsse können also nur ein Teil davon sein.

Was die Zahlen nicht sagen. Die PKS erfasst nur Taten, die der Polizei bekannt wurden, und zählt Fälle, nicht Menschen. Die Zahl der versuchten Tötungsdelikte stieg 2025 um 22 Fälle gegenüber 2024. Dieser Anstieg gehört zum Bild dazu. Auch mit ihm kommt Hamburg auf 66 Fälle im Jahr, vollendete und versuchte zusammen, und damit auf gut einen pro Woche statt auf einen pro Tag.

"Selbst Kinder". Der Post nennt keinen Beleg außer dem einen Fall in Ottensen. Dort wurde ein 14-Jähriger verletzt, nicht getötet, und die Polizei spricht von einem Jugendlichen. Gesonderte Zahlen zu durch Schüsse getöteten Kindern in Hamburg gibt es nicht. Nach dem dpa-Faktencheck waren 2024 insgesamt drei Kinder und ein Jugendlicher Opfer eines vollendeten Tötungsdelikts, ob durch Schüsse, geht aus den Zahlen nicht hervor.

Die Behauptung wurde auch von anderen Faktencheckern geprüft: Die DPA-Faktenchecker kommen in ihrem Beitrag "Nicht immer Schüsse" zu demselben Ergebnis, ebenso Mimikama in Hamburg: Nein, dort werden nicht "fast täglich Menschen erschossen".

Fazit

Die Behauptung ist falsch. In Hamburg gab es 2025 insgesamt 17 vollendete Tötungsdelikte über alle Tatmittel, und Schussabgaben gegen Sachen oder Personen zählte die Polizei in 46 Fällen. Das liegt weit unter "fast täglich". Der Fall, auf den sich der Post stützt, endete ohne Todesopfer. Ein Anstieg der versuchten Tötungsdelikte 2025 ist belegt, er macht aus der Aussage aber keine zutreffende.