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CORRECTIV dokumentiert, dass fünf AfD-Politiker sowie die ESN-Fraktion im Europaparlament das "Jungeuropa"-Verlagstreffen Anfang Mai 2026 im thüringischen Altenburg öffentlich als Geldgeber aufgetreten sind. Auf einer am Veranstaltungsort ausgehängten "Ehrenmänner"-Tafel wurden als Förderer genannt: die AfD-Bundestagsabgeordneten Robert Teske und Torben Braga, der AfD-Landtagsabgeordnete Brandenburg Fabian Jank, Jean-Pascal Hohm (Vorsitzender "Generation Deutschland") sowie der ESN-Europaabgeordnete Tomasz Froelich.
Das Treffen war öffentlich beworben worden und zog laut Linke-Landtagsfraktion Thüringen rund 200 Personen an. Anwesend waren neben den genannten AfD-Politikern auch Vertreter aus dem NSU-Unterstützerumfeld, dem Hammerskin-Netzwerk und der gewaltbereiten Kampfsportszene:
- André Kapke ist seit den 1990er-Jahren dem Thüringer Heimatschutz zuzuordnen, aus dessen Umfeld das NSU-Kerntrio Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe stammte. Laut Ermittlungen soll Kapke Pässe für die drei beschafft und gemeinsam mit Ralf Wohlleben Konzerteinnahmen gesammelt haben, um die Flucht des Trios zu finanzieren.
- Thomas Gerlach wird dem Hammerskin-Netzwerk zugerechnet und war laut CORRECTIV im Thüringer Heimatschutz aktiv.
- Alexander Deptolla gilt als Organisator des Neonazi-Kampfsportevents "Kampf der Nibelungen". Ein weiterer Teilnehmer aus dem Umfeld der kriminellen Gruppe Knockout 51 wurde demnach zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt.
Veranstalter ist der Jungeuropa Verlag von Philip Stein, der sich selbst als rechtsradikal bezeichnet, seit 2016 in Dresden rechtsextreme und neurechte Publikationen herausgibt und das Kampagnenprojekt "Ein Prozent" leitet, das der Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch einstuft.
Zur Finanzierungsfrage äußerte sich AfD-MdB Robert Teske gegenüber CORRECTIV: "Es war mir eine große Freude, diese Veranstaltung als Teil eines lebendigen Vorfelds zu unterstützen." Torben Braga verteidigte laut CORRECTIV die Arbeit des Jungeuropa-Verlags und sah keinen Anlass, seine Unterstützung zu rechtfertigen.
Die Recherche wird durch Bildmaterial und die öffentliche Ehrenmänner-Tafel belegt. Gegenüber früheren Jungeuropa-Veranstaltungen markiert das Verlagstreffen 2026 laut CORRECTIV eine Eskalation: Die finanzielle Beteiligung von Abgeordneten mehrerer Parlamentsebenen inklusive der ESN-Fraktion war diesmal ausdrücklich öffentlich ausgewiesen.
Katharina König-Preuss (Die Linke Thüringen, Sprecherin für Antifaschismus) kommentierte laut CORRECTIV, die Vernetzung zwischen AfD-Mandatsträgern und militanten Neonazis finde "mit einer solchen Selbstverständlichkeit" statt, dass staatliche Stellen bislang ohne Konsequenzen blieben.
