Link Beschreibung
Hintergrund-Faktencheck von Steffen Kutzner (CORRECTIV) vom 24. April 2026. Geprüft wird die in einem Facebook-Beitrag der afd-bt-fraktion (Martin Hess) und in einem Welt-Artikel verbreitete These, der Rückgang der Straftaten in der PKS 2025 sei "im Wesentlichen" oder "vor allem" auf die Cannabis-Teillegalisierung zurückzuführen. CORRECTIV rechnet die Cannabis-Delikte aus dem Gesamtrückgang heraus: Statt 5,6 Prozent verbleiben dann 4,7 Prozent Rückgang, also fast vollständig erhalten. Zitat BKA-Auswertung: "Es ist aber selbst dann noch ein Rückgang vorhanden, wenn Straftaten im Zusammenhang mit Cannabis herausgerechnet werden." Damit fällt die Cannabis-Monokausal-Erklärung. Zugleich räumt der Faktencheck ein, dass einzelne Deliktbereiche gegen den Trend gestiegen sind (Vergewaltigungen +8,5 %, Mord/Totschlag +6,5 % / 150 Fälle). Die Welt hat auf Anfrage nicht reagiert.
Faktenfackel Bewertung
Einordnung
Der Faktencheck zerlegt eine zentrale Verschiebungs-These der rechten Medienverwertung der PKS 2025: "Der Rückgang stimmt nur, weil Cannabis-Delikte herausgenommen wurden." Diese Lesart wird sowohl in der AfD-Pressemitteilung von Martin Hess (20. April, vgl. Quellenlink-Akte) als auch in der Welt-Berichterstattung verwendet, um den BKA-Befund zu relativieren.
CORRECTIV rechnet den Effekt sauber durch: Der Cannabis-bereinigte Rückgang beträgt 4,7 Prozent gegenüber dem berichteten Gesamtrückgang von 5,6 Prozent, die Differenz von 0,9 Prozentpunkten ist damit der maximal mögliche Cannabis-Effekt. Über 80 Prozent des Rückgangs sind nicht durch die Teillegalisierung erklärbar, sondern durch breitflächige Rückgänge in Diebstahl, Wohnungseinbruch, Straßenkriminalität und nicht-deutschen Tatverdächtigen.
Damit ist die rechte Verschiebungs-These rechnerisch widerlegt, und gleichzeitig wird der Faktencheck nicht zum Cannabis-Loblied: Anstiege bei Vergewaltigungen (+8,5 %) und Mord/Totschlag (+6,5 %) bleiben benannt. Methodisch sauber, ohne politische Schlagseite in eine andere Richtung.
Fazit
Die Faktenfackel teilt das Urteil falsch. Direkte Gegenreferenz zur am 21. April im Bestand angelegten Hess-Pressemitteilung der AfD-Bundestagsfraktion und ergänzende Quelle für die Dobrindt-PKS-Akte vom 20. April. CORRECTIV liefert mit der separaten Cannabis-Berechnung die belastbare Zahl, die in der bisherigen Auseinandersetzung um die PKS 2025 fehlte.
