Link Beschreibung

Faktencheck der DPA-Faktencheck, über GADMO am 27. September 2026 veröffentlicht (Stand der Recherche: 24. September), zu einem Sharepic, laut dem Deutschland China "jährlich 630 Millionen Entwicklungshilfe" zahle, während China 368 Kohlekraftwerke baue und weitere 803 plane. Eine Währung nennt das Sharepic nicht, dpa und CORRECTIV lesen die Zahl als Euro. Die Zahlen stammen aus 2017 bzw. 2015. Mimikama griff den Check am 28. September 2026 in einem eigenen Beitrag auf.
Faktenfackel Bewertung
Einordnung
Das Sharepic setzt zwei Zahlen nebeneinander: Deutschland zahle China "jährlich 630 Millionen Entwicklungshilfe", China baue "368 Kohlekraftwerke" und plane "weitere 803". Beides ist als Gegenwartsbeschreibung formuliert. Der dpa-Faktencheck auf GADMO bewertet das als "veraltete Zahlen und teils falsch".
Entwicklungshilfe. Die Zahl "630 Millionen" steht laut dpa und CORRECTIV in einem Welt-Artikel von 2019 (dort als Euro angegeben), der sich auf den Kompass 2019 von Welthungerhilfe und terre des hommes beruft und Zahlen für das Jahr 2017 nennt. Der Kompass 2019 selbst führt China mit 710,3 Millionen US-Dollar unter den Hauptempfängern deutscher Entwicklungsleistungen. Wie aus diesen 710,3 Millionen US-Dollar die 630 Millionen Euro des Welt-Artikels wurden, erklären weder dpa noch CORRECTIV. Das Entwicklungsministerium nannte diese Darstellung am 5. April 2019 irreführend: Die klassische bilaterale Entwicklungszusammenarbeit mit China sei seit Jahren beendet, 2018 seien nur fünf Millionen Euro für Rechtsstaatlichkeits-Projekte bereitgestellt worden. Bei den genannten Summen handle es sich um rückzahlbare Kredite verschiedener Ressorts, die unter anderem über die KfW vermittelt würden.
Auch nach heutigem Stand fließt kein Geld in der Größenordnung des Sharepics. Für laufende Einzelprojekte etwa zu Umweltschutz nennt das Transparenzportal des Entwicklungsministeriums laut dpa zugesagte rund 19 Millionen Euro, davon rund 10 Millionen bereits geleistet. Sie gehen an Nichtregierungsorganisationen, die GIZ und die KfW, nicht an den chinesischen Staat. Neue KfW-Förderkredite an China soll es dem dpa-Check zufolge ab 2026 nicht mehr geben. Der CORRECTIV-Faktencheck vom 23. April 2025 prüfte dasselbe Sharepic, kam zu einem ähnlichen Ergebnis und ergänzt: Kosten für chinesische Studierende in Deutschland können als Entwicklungszusammenarbeit verbucht werden, weshalb China in Statistiken auftaucht. Nach OECD-Definition liegt die Summe für 2023 je nach Angabe im CORRECTIV-Text bei über 446 bzw. gut 482 Millionen Euro und damit in beiden Fällen unter dem Sharepic-Wert.
Kohlekraftwerke. Die Zahlen 368 und 803 stammen aus einem Artikel der britischen Sunday Times vom 2. Dezember 2015. Sie stehen laut dpa und CORRECTIV nicht im dort zitierten Bericht des Climate Action Tracker, der für die Jahre nach 2014 insgesamt 1.171 geplante Kraftwerke mit 712 Gigawatt nennt. Als Gegenwartsangabe taugen sie also nicht. Die Richtung des Vorwurfs ist aber nicht aus der Luft gegriffen: Laut dpa begann China 2024 den Bau von Kohleprojekten mit etwa 94,5 Gigawatt, dem höchsten Wert seit 2015. Das Verzeichnis des Global Energy Monitor führt laut dpa derzeit 340 Kohlekraftwerke im Bau, 129 in der Genehmigungsphase und 359 in einer Vorphase oder als angekündigt.
Zum Gesamtbild gehört auch der Ausbau der Solarenergie. Nach Angaben der chinesischen Energiebehörde war Photovoltaik Ende Juli 2026 mit 1.286 Gigawatt die größte Erzeugungsart nach installierter Leistung, knapp vor Kohle mit 1.285 Gigawatt, wie das Handelsblatt berichtet. Bei der tatsächlich erzeugten Strommenge lag Kohle in der ersten Jahreshälfte mit 49,7 Prozent weiter vorn, Erneuerbare kamen auf 41,2 Prozent.
Die Schlussfolgerung des Sharepics, Deutsche müssten CO2-Steuern zahlen, während Deutschland China Geld überweise und China Kohlekraftwerke baue, beruht damit auf einer Entwicklungshilfe-Summe, die es so nicht gibt. Ob und wie viel deutsche Klimapolitik angesichts chinesischer Emissionen sinnvoll ist, ist eine politische Frage, die die Zahlen des Sharepics nicht entscheiden.
Fazit
Die Behauptung ist irreführend. Die 630 Millionen Entwicklungshilfe sind eine Zahl von 2017, die das Entwicklungsministerium schon 2019 als irreführend zurückwies. Heute zahlt Deutschland China keine Entwicklungshilfe in dieser Größenordnung. Die Angaben zu 368 Kohlekraftwerken im Bau und 803 geplanten sind zehn Jahre alt und stehen nicht in dem Bericht, auf den sich die Sunday Times damals berief. Der Ausbau der Kohle in China geht aber tatsächlich weiter.
