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Stand: 30.07.2026

Mimikama entlarvt manipuliertes CSD-Banner mit dem Gesicht des Tatverdächtigen

Falsch

Link Beschreibung

Mimikama veröffentlichte den Faktencheck am 29. Juli 2026: Nach dem Anschlag auf den Berliner Christopher Street Day kursieren auf Instagram und weiteren Plattformen Fotos eines großen pinkfarbenen Banners mit dem Slogan "Wir wählen, damit Berlin weltoffen bleibt", auf dem scheinbar der Tatverdächtige Abdul B. zu sehen ist. Ein Instagram-Beitrag beschreibt die vermeintliche Aktion als "ein klares Zeichen für Zusammenhalt, Mut und Solidarität" der Stadt nach der Tat. Als Beleg werden pauschal n-tv und WELT genannt, deren tatsächliche Berichte die angebliche Plakataktion aber nicht belegen.

Faktenfackel Bewertung

Einordnung

Das Bannerfoto ist eine Fälschung. Recherchen von Mimikama und AFP Faktencheck: Kursierendes Plakat des Vereins Berliner CSD wurde manipuliert (28. Juli 2026) zeigen, dass das echte Banner zur offiziellen Kampagne "Haltung ist hot" des CSD Berlin gehört, mit der der Verein zur Teilnahme an der Berliner Abgeordnetenhauswahl am 20. September 2026 aufruft (csd-berlin.de/kampagne, archiviert). Auf dem originalen Kampagnenfoto (archiviert) ist ein langhaariges Model in einem lilafarbenen Oberteil mit grünen Ärmeln zu sehen. Pose, Kleidung und Gestaltung stimmen mit dem real aufgestellten Banner überein, ausgetauscht wurde ausschließlich der Kopf.

Vorstandsmitglied Thomas Hoffmann bestätigte den Gesichtstausch gegenüber AFP: "Auf dem Banner wurde das Gesicht der abgebildeten Person mit dem Gesicht des Täters getauscht." Laut dem Verein stand das echte Banner am 24. und 25. Juli im Bereich der Abschlusskundgebung auf der Straße des 17. Juni, wurde am 26. Juli abgebaut und war bereits mehrere Tage vor dem Anschlag produziert, also bevor das Gesicht des Tatverdächtigen öffentlich bekannt war. Damit ist auch die Erzählung widerlegt, das Banner sei eine spontane Reaktion der Stadt auf die Tat gewesen.

Ein Verifikationswerkzeug von OpenAI erkannte im kursierenden Bild ein SynthID-Wasserzeichen und stufte es als "Erstellt mit OpenAI-Tools" ein, ein C2PA-Herkunftsnachweis fehlte dagegen. Dieser Befund zeigt lediglich, dass die Datei wahrscheinlich mit einem OpenAI-Werkzeug entstanden ist, er sagt nicht aus, welcher Bildteil verändert wurde. Andere KI-Detektoren meldeten keine Manipulation. Tragfähig ist die Widerlegung deshalb vor allem durch den Abgleich mit dem archivierten Originalmotiv, die Bestätigung des CSD Berlin gegenüber AFP und das Produktionsdatum vor der Tat, nicht durch den KI-Befund.

In der linken unteren Ecke der Instagram-Version steht zudem klein und senkrecht der Hinweis "Foto: KI Symbolbild", obwohl Begleittext und Aufmachung durchgehend den Eindruck erwecken, es handle sich um ein reales Banner und eine reale Aktion. Ein kaum sichtbarer Hinweis korrigiert diesen irreführenden Gesamteindruck nicht. Es kursieren außerdem Versionen ohne diesen Hinweis sowie mindestens zwei unterschiedliche Perspektiven der Fälschung; wer sie erstellt und zuerst veröffentlicht hat, ließ sich laut Mimikama nicht feststellen.

Der Anschlag selbst ist unabhängig von der Bildfälschung dokumentiert. Am Abend des 25. Juli 2026 fuhr ein Fahrzeug am Rande des Berliner CSD in eine Menschenmenge. Eine 65-jährige Frau starb, rund 30 Menschen wurden verletzt. Der 21-jährige Tatverdächtige Abdul B. wurde am Folgetag bei einem Polizeieinsatz in Berlin-Spandau erschossen. Die Bundesanwaltschaft hat die Ermittlungen übernommen, Bundeskanzler Friedrich Merz und Bundesinnenminister Alexander Dobrindt stuften die Tat laut ZEIT ONLINE als islamistischen Terroranschlag ein. Einen konkreten Beleg für den islamistischen Tathintergrund lieferte die Bundesanwaltschaft am 28. Juli 2026 nach: Laut dem bereits erwähnten AFP Faktencheck: Kursierendes Plakat des Vereins Berliner CSD wurde manipuliert (28. Juli 2026) fand die Behörde auf einem im Tatfahrzeug entdeckten Handy des Verdächtigen ein Bekennervideo, in dem ein Vermummter, bei dem es sich mutmaßlich um Abdul B. handelt, einen Treueschwur auf die Terrormiliz "Islamischer Staat" leistet.

Fazit

Die Behauptung ist falsch. Das virale Bild zeigt kein von der Stadt Berlin nach dem Anschlag aufgestelltes Solidaritätsbanner mit dem Foto des Tatverdächtigen, sondern ein digital manipuliertes Foto der echten CSD-Wahlkampagne "Haltung ist hot", bei dem lediglich das Gesicht ausgetauscht wurde. Das Original entstand vor der Tat, der Berliner CSD hat die Fälschung gegenüber AFP bestätigt.