Link Beschreibung
Mimikama prüft eine Geschichte zu einem Video aus Paris: Eine Frau, die sich vor einem geplünderten Supermarkt gegen Plündernde stellt, sei eine bekannte linke Asylaktivistin, die ihren eigenen Laden gegen jene Migranten verteidige, für deren Einreise sie gekämpft habe. Laut Mimikama war die Frau eine Passantin, die politischen Zuschreibungen sind falsch.
Faktenfackel Bewertung
Einordnung
Die Plünderung selbst ist dokumentiert. Der Fotojournalist Frédéric Munsch hat die Szene am 17. Oktober 2026 gegen 17.30 Uhr nahe der Place de la République gefilmt. Er sagte der ungarischen Redaktion Lakmusz: "Ki ez a nő, akire a ledöbbent libsi szerepét osztotta az internet" (20. Oktober 2026), die Frau sei zufällig mit einem Freund vorbeigekommen. Es habe nichts darauf hingedeutet, dass sie etwas mit dem Geschäft zu tun habe. Lakmusz ordnet die Szene per Geolokalisierung einem Franprix-Supermarkt in der Rue du Faubourg-du-Temple zu, also einer Filiale einer Supermarktkette und keinem kleinen Privatladen.
Auch EFE Verifica: "La mujer que intentó parar el saqueo de una tienda en Francia no dijo que votó a favor de la llegada de inmigrantes" (20. Oktober 2026) kommt zu diesem Ergebnis. Die Leiterin der Filiale beschrieb die Frau demnach gegenüber der Daily Mail als gelegentliche Kundin, deren Namen sie nicht kenne, und nicht als Inhaberin. Den Daily-Mail-Bericht haben wir nicht selbst gelesen, die Angabe stammt aus dem EFE-Text.
Die Aussagen, die der Frau in den Posts in den Mund gelegt werden, kommen laut EFE Verifica im Original nicht vor. Sie ruft den Plündernden zu, das habe mit der "Sache" (französisch "la cause") der Proteste nichts zu tun. Dass sie links sei, für die Plündernden gestimmt oder deren Einreise befürwortet habe, sagt sie nach beiden Prüfungen nicht. Ebenso zeigt die ausgewertete Sequenz nicht, dass sie zu Boden geworfen oder niedergetrampelt wird. Dass sie eine linke Aktivistin sei, ist laut EFE Verifica durch nichts belegt. Auch die Herkunft der Plündernden ist laut Mimikama ungeklärt, ihr Aussehen beweist nichts.
Lakmusz stellt außerdem klar, dass in einem französischen Post und in zwei reichweitenstarken X-Beiträgen ein zweites Foto von einer Frau im "Feed Gaza"-Shirt als angeblicher Beweis herumgereicht wurde. Es zeigt laut Lakmusz eine andere Frau, nämlich ein britisches Model. Wer die Frau im Video tatsächlich ist, war zum Zeitpunkt der Prüfung unbekannt. Laut Lakmusz zeigte auch die BBC das Video, ohne die Frau zu benennen.
Verbreitet wurde die Geschichte unter anderem von dem X-Account "ALY EL MAGRABY" (@Aly_El_Maghraby), den Mimikama nennt. Einen Direktlink zu dem Beitrag gibt es dort nicht. Das Video selbst kursierte zudem mit anderer Rahmung, etwa als Beleg dafür, dass die Frau "sehe, wofür sie gestimmt habe". Laut Lakmusz teilte es auch der ungarische EU-Abgeordnete Balázs Orbán (Fidesz) mit dieser Deutung.
Fazit
Die Behauptung ist falsch. Die Plünderung ist belegt, die Geschichte über die Frau nicht: Sie war nach Aussage des Fotografen und der Filialleiterin eine Passantin bzw. gelegentliche Kundin, keine Ladenbesitzerin, und die ihr zugeschriebenen politischen Aussagen und Übergriffe sind durch das Video nicht gedeckt.
