Link Beschreibung
Faktencheck von Mimikama vom 27. Oktober 2026 zu einem fotografierten Aushang. Der behauptet, die RKI-Protokolle belegten, dass es keine echte Coronapandemie gegeben habe, die meisten positiven Coronatests falsch gewesen seien und die Bevölkerung weltweit belogen worden sei. Mimikama prüft die zitierten Protokollstellen und kommt zu einem anderen Ergebnis. Wer den Aushang aufgehängt hat und wo, geht aus dem Faktencheck nicht hervor.
Faktenfackel Bewertung
Einordnung
Der Aushang nennt die Protokolle als Quelle, aber keine einzige Seitenzahl. Laut Mimikama: RKI-Protokolle, Nein, sie belegen keine erfundene Pandemie (27. Oktober 2026) fehlen konkrete Fundstellen für die weitreichenden Behauptungen. Das Robert Koch-Institut hat die Krisenstabsprotokolle 2024 in zwei Teilen veröffentlicht, das Vorwort von Teil 1 trägt den Stand 30. Mai 2024, das von Teil 2 den Stand 18. Dezember 2024. Neu ist die Veröffentlichung also nicht. Schon im März 2024 ordnete Volksverpetzer die ersten Protokolle ein und kam zum Schluss, dass darin kaum Neues oder Skandalöses stehe (28. März 2024).
Die Pandemie war real. Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass in den Jahren 2020 und 2021 rund 14,9 Millionen Todesfälle direkt oder indirekt mit der Pandemie zusammenhingen, bei einer Spanne von 13,3 bis 16,6 Millionen (WHO: 14.9 million excess deaths associated with the COVID-19 pandemic in 2020 and 2021 (5. Mai 2022)). Diese Zahl entstand unabhängig von den Sitzungsprotokollen. Aus Protokollen eines Krisenstabs lässt sich ohnehin nicht ableiten, dass etwas nicht stattgefunden hat.
Die Aussage zu den falschen Tests. Auf Seite 9 des Protokolls vom 29. April 2020 (PDF-Seiten 753 und 754 von Teil 1) steht tatsächlich ein "relativ hoher Anteil von falsch-positiven Ergebnissen" bei einer Zwischenauswertung. Gemeint ist ein Ringversuch des Anbieters INSTAND, bei dem Labore mit vorbereiteten Proben ihre Genauigkeit prüfen. Im selben Absatz heißt es, man könne "aufgrund dieses Wertes keine Hochrechnungen machen" und müsse den Abschluss des Ringversuchs abwarten. Außerdem wird festgehalten, dass alle Tests falsch-positive Ergebnisse zeigen und bei Symptomlosen ein weiterer Bestätigungstest zu erwägen sei. Das ist eine Laborqualitätsdebatte und kein Befund, dass die meisten Tests falsch waren.
Die zweite Stelle vom 10. März 2021 (PDF-Seiten 2308 und 2309 von Teil 1) wird in Mimikamas Darstellung etwas ungenau wiedergegeben. In der Präsentation zur Testkommunikation steht der Satz "Sehr viele der Positiven sind falsch Positiv" unter der Überschrift "Häufig genannte Einwände". Das RKI hält ihm in derselben Zeile entgegen: "ja, aber die meisten sind richtig negativ". Es ist also ein Einwand, den man entkräften wollte, und keine Feststellung des Krisenstabs. An dem Urteil ändert das nichts, es spricht eher noch deutlicher gegen die Behauptung des Aushangs.
Politische Einflussnahme ist belegt, eine Täuschung der Welt nicht. Im Protokoll vom 10. September 2021 (PDF-Seite 437 von Teil 2) hält das RKI fest, dass vor Veröffentlichung eines Papiers zur Kontaktnachverfolgung eine ministerielle Weisung zur Ergänzung erging. Das Papier sollte die Freitestung mit Antigentest schon nach fünf Tagen berücksichtigen. Das RKI ergänzte eine serielle Testung, "damit das Sicherheitsniveau erreicht wird". Eine solche Einflussnahme sei "ungewöhnlich", die wissenschaftliche Unabhängigkeit des RKI von der Politik "insofern eingeschränkt". Am 5. November 2021 (PDF-Seiten 580 und 581 von Teil 2) wird der Begriff "Pandemie der Ungeimpften" als aus fachlicher Sicht nicht korrekt bezeichnet, weil die Gesamtbevölkerung zum Geschehen beitrage. Das ist berechtigte Kritik an politischer Kommunikation. Es steht dort aber nirgends, dass die Pandemie erfunden oder weltweit eine Lüge verbreitet worden sei.
Das Vorwort zu den Protokollen warnt selbst davor, sie ohne Zusammenhang zu lesen: Einzelne Äußerungen in solchen Diskussionen stellten "nicht zwangsläufig eine abgestimmte Position des RKI" dar. Genau das passiert auf dem Aushang. Aus einzelnen Wortmeldungen wird eine pauschale Enthüllung.
Fazit
Die Behauptung ist falsch. Die Protokolle belegen weder eine erfundene Pandemie noch, dass die meisten positiven Tests falsch waren. Belegt sind politische Eingriffe in RKI-Papiere und Kritik an Formulierungen von Politikern, aber keine weltweite Täuschung.
