Zur Quelle "Volksverpetzer" springen
Dieser Inhalt wurde recherchiert, aber noch nicht final geprüft.
Stand: 09.07.2026

Studie belegt: Wie BILD mit dem erfundenen 'Heizungshammer' unsere Politik manipulierte

Wahr

Link Beschreibung

Thomas Laschyk fasst eine im Juli 2026 in Energy Research & Social Science erschienene Studie zusammen: Carmen Loschke (Öko-Institut e.V. Freiburg), Jan Rosenow (University of Oxford), Sibylle Braungardt und Friedhelm Keimeyer analysieren 333 Bild-Zeitung-Artikel von Januar 2023 bis März 2024 und zeigen empirisch, wie die BILD-Kampagne rund um das Wort "Heizungshammer" das Gebäudeenergiegesetz (GEG) delegitimierte. Kernzahlen: "Heizungshammer" taucht 228-mal in BILD auf und wurde in rund 1100 weiteren Presseartikeln übernommen, "Heizungsverbot" verbreitete sich auf etwa 800 Artikel, "Verunsicherung" auf über 2500. Robert Habeck wird 839-mal namentlich adressiert. Die Studie identifiziert drei Framing-Strategien: Personalisierung (Habeck als Feindbild), ökonomischer Alarmismus (Kosten-Übertreibungen ohne Förderung/Ausnahmen) und ideologische Verortung (Grüne/Ampel als "Umerziehung"). Volksverpetzer und klimareporter werden in der Studie als die einzigen deutschen Redaktionen benannt, die statt der Kampagne die tatsächliche Gesetzeslage in den Vordergrund stellten. Der Artikel verknüpft die Studie mit der GEG-Novelle vom 10. Juli 2026, in der Union und SPD die zentrale Ampel-Regelung (ab 2045 kein Heizen mit fossilen Brennstoffen) gestrichen haben.

Faktenfackel Bewertung

Einordnung

Die Studie existiert und ist real: Sie ist unter dem Titel "Heating up the headlines: How tabloid framing reshaped Germany's Buildings Energy Act" im Journal Energy Research & Social Science erschienen (Elsevier, Zugriff über ScienceDirect nur mit Abonnement möglich). Die dort genannten Autor:innen, Carmen Loschke, Jan Rosenow, Sibylle Braungardt und Friedhelm Keimeyer, decken sich mit denen im Volksverpetzer-Artikel.

Das Team hat bereits 2024 eine methodisch verwandte Vorstudie mit einem kleineren Korpus (245 statt 333 BILD-Artikel) auf den ECEEE Summer Study Proceedings veröffentlicht. Diese frei zugängliche Vorarbeit bestätigt unabhängig von Volksverpetzer den methodischen Ansatz (Auswertung der BILD-Suchfunktion nach den Begriffen "Heizhammer", "Heizgesetz"/"Heizungsgesetz", "Gebäudeenergiegesetz", quantitative Worthäufigkeitsanalyse plus qualitative Auswertung) sowie die Kernthese: Die BILD-Kampagne rund um den selbst geprägten Begriff "Heizungshammer" habe die Verwässerung der 65-Prozent-Erneuerbaren-Vorgabe im GEG sowie Rückzieher bei angrenzenden EU-Regelungen (Ökodesign-Anforderungen im Rahmen von RePowerEU) mitverursacht.

Auch unabhängig von Volksverpetzer und Öko-Institut selbst berichten weitere Medien über die 2026 erschienene Endfassung der Studie mit übereinstimmenden Eckdaten, etwa der Newsletter Wochendämmerung (333 analysierte BILD-Artikel, Verwässerung und "Abschaffung" des GEG 2026 als Folge der Kampagne). Die von Volksverpetzer genannten Zahlen zur Reichweite des Begriffs "Heizungshammer" (228 Nennungen in BILD, über 1100 Presseartikel außerhalb von BILD) decken sich mit unabhängig auffindbaren Zusammenfassungen des Studienabstracts, wonach der Begriff "Hammer" in seinen Varianten über 250-mal in BILD auftaucht und in über 1100 weiteren Artikeln übernommen wurde.

Die im Artikel behauptete Kernthese, dass BILD mit einem selbst erfundenen Kampfbegriff eine sachlich moderate Gesetzesnovelle skandalisierte, deckt sich mit der Berichterstattung anderer Medien zur Chronologie des GEG-Streits 2023, etwa dass die 65-Prozent-Vorgabe bereits im Koalitionsvertrag 2021 angelegt war und im Konzeptpapier der Ministerien technologieoffen ausgestaltet wurde.

Die Selbstlob-Passage, wonach Volksverpetzer und Klimareporter in der Studie als einzige sachlich berichtende deutsche Redaktionen genannt werden, konnte nicht direkt gegen den Volltext der Studie geprüft werden, da ScienceDirect den Zugriff ohne Abonnement blockiert. Sie ist plausibel angesichts der klar erkennbaren wissenschaftlichen Ausrichtung der Studie gegen Boulevard-Framing, bleibt aber eine unbestätigte Eigenaussage des Artikels.

Journalistisch ist die Aufbereitung erkennbar meinungsstark und stellenweise polemisch (etwa die Bezeichnung der BILD als "das vielleicht unseriöseste, skrupelloseste Blatt der Mainstream-Medien" oder die Verbindung zu Elon Musk über Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner). Diese Einordnungen sind als Kommentar erkennbar und vom faktischen Kern der Studie klar unterscheidbar, verändern aber nicht die überprüfbare Kernaussage zur Studie selbst.

Fazit

Die referierte Studie existiert, die genannten Autor:innen und Kernzahlen sind durch eine unabhängig auffindbare Vorstudie derselben Forschungsgruppe sowie durch weitere Medienberichte über die Endfassung bestätigt. Volksverpetzers Wiedergabe der Studieninhalte ist im Kern zutreffend, auch wenn der Artikel den wissenschaftlichen Befund mit deutlich pointierterer eigener Kommentierung anreichert.

Verwendungen

Lagerfeuer

Weitere Quellenlinks