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Stand: 16.04.2026

Volksverpetzer: Orbán steckte hinter der Flüchtlingskrise 2015, nicht Merkel

Link Beschreibung

Anlass des Reels ist die Abwahl von Viktor Orbán in Ungarn. Der Volksverpetzer erinnert daran, dass die rechte Erzählung einer "Grenzöffnung Merkels 2015" historisch falsch ist. Tatsächlich habe Ungarn unter Orbán die EU-Asylregeln ausgesetzt, ab Herbst 2015 keine Asylanträge mehr bearbeitet und Schutzsuchende organisiert nach Österreich und Deutschland weiterbefördert. Merkel habe nur einmalig zugestimmt, die am Budapester Bahnhof gestrandeten Menschen aufzunehmen, ein legaler Vorgang, der gerichtlich bestätigt wurde. Das Reel ordnet ein, warum die AfD Orbán dennoch als Vorbild feiert.

Faktenfackel Bewertung

Einordnung

Die Kernaussagen des Reels sind durch wissenschaftliche und juristische Quellen gut belegt.

1. Keine "Grenzöffnung" durch Merkel 2015. Das Bundesverfassungsgericht hat im Beschluss 2 BvR 1838/15 (BVerfG, September 2015) klargestellt, dass die deutschen Grenzen rechtlich offen geblieben sind, weil die Dublin-Verordnung explizit Selbsteintritte erlaubt. Auch Constantin Hruschka: Die Aufnahme der Geflüchteten 2015, eine rechtliche Einordnung (Verfassungsblog 2018) widerlegt das Narrativ einer Rechtsbrechung sauber.

2. Ungarn unter Orbán hat das Dublin-System ausgehebelt. Die Europäische Kommission hat Ungarn im Dezember 2015 wegen Verstößen gegen die Asylverfahrens- und Aufnahmerichtlinie verklagt (Vertragsverletzungsverfahren, Pressemitteilung der EU-Kommission). Der EuGH hat 2020 in der Rechtssache C-808/18 (EuGH, 17.12.2020) festgestellt, dass Ungarn mit dem Festhalten von Asylsuchenden in Transitzonen und der Pushback-Praxis EU-Recht systematisch verletzt hat.

3. Orbáns Bus-Aktion zum österreichischen Grenzübergang. Die Süddeutsche Zeitung: Wie Orbán die Flüchtlinge nach Österreich schickte (4. September 2015) und Spiegel: Orbáns Bus-Befehl (5. September 2015) belegen den Bustransport von rund 4.000 Menschen vom Budapester Keleti-Bahnhof zur österreichischen Grenze in der Nacht zum 5. September 2015. Erst danach erfolgte die viel zitierte Telefonkonferenz Merkel/Faymann, in der die einmalige Aufnahme zugestimmt wurde.

4. AfD-Stratege Christian Lüth. Die zitierte Aussage "schlechter geht's Deutschland, desto besser für die AfD" stammt aus ZDF Frontal 21: AfD-Sprecher Lüth verglich Migranten mit Messerangriff (April 2020), in einem heimlich aufgenommenen Gespräch. Lüth wurde nach Bekanntwerden formell von der AfD getrennt, arbeitete aber weiter im Umfeld der Partei. Die Aussage ist wörtlich belegt.

5. AfD-Bewunderung für das Orbán-System. Belege für die strategische Anlehnung der AfD an Orbáns "illiberale Demokratie" liefern u. a. SWR: AfD und Orbán-Verbindungen (2024) sowie das Strategiepapier der "Neuen Rechten" um die DESK-Stiftung. Beatrix von Storch, Alice Weidel und Maximilian Krah haben Orbáns Politik wiederholt als Vorbild benannt.

Die rhetorische Schärfe des Reels (Orbán als "Architekt der Flüchtlingskrise", "Deutschland-Hasser") überspitzt eine Position, die in der Sache aber durch die genannten Quellen gestützt ist. Die zentralen Faktenbehauptungen sind belegt.

Fazit

Volksverpetzer fasst eine historisch und juristisch belegte Korrektur zusammen: Die "Grenzöffnung 2015 durch Merkel" ist ein rechtes Geschichtsnarrativ, faktisch hat Ungarn unter Orbán das EU-Asylsystem unilateral ausgehebelt. Die zitierten Aussagen Lüths und die AfD-Bezüge zu Orbán sind belegbar.