Link Beschreibung
Volksverpetzer (Thomas Laschyk) dokumentiert, wie Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche in der Bundespressekonferenz am 22. April 2026 eine belegbar falsche Aussage über ihr früheres Unternehmen machte und die Tagesschau diese ungeprüft weitergab.
Die Behauptung
Auf die Frage des Journalisten Tilo Jung, ob sie zuvor in der Gaslobby tätig gewesen sei, antwortete Reiche in der Bundespressekonferenz zur Frühjahrsprojektion 2026 (ab 1:10:33): "Ich war nie in der Gaslobby tätig. Ich habe für ein Unternehmen gearbeitet, das Stromleitungen gebaut und an der Energiewende gearbeitet hat. Das Geschäftsfeld der Westenergie umfasst kein Gasgeschäft."
Reiche war von Oktober 2020 bis April 2025 Vorstandsvorsitzende der Westenergie AG, einer hundertprozentigen E.ON-Tochter.
Was Westenergie tatsächlich betreibt
Die Westenergie AG beschreibt sich in ihrer Gründungspressemitteilung selbst als Betreiberin von "180.000 km Strom-, 24.000 km Gas-, 5.000 km Wasser- und 10.000 km Breitbandnetzen". Die Tochtergesellschaft Westnetz GmbH bezeichnet sich auf ihrer Website ausdrücklich als "Strom- und Gasverteilnetzbetreiber". Im Jahr 2022 flossen laut t-online 64 Milliarden Kilowattstunden Gas durch das Netz der Westenergie-Gruppe; das Unternehmen versorgt rund 1,5 Millionen Haushalte mit Erdgas. Die Behauptung ist schlicht falsch.
LobbyControl kritisiert Reiches einseitige Nähe zur Gaslobby und bezeichnet ihre fossile Agenda als demokratieschädlich. Bereits bei ihrer Ernennung zur Wirtschaftsministerin hatte die Organisation auf den Interessenkonflikt hingewiesen: Reiche wechselte direkt von der Spitze eines der größten Gasnetzbetreiber ins Ministerium.
Das Tagesschau-Versagen
Die Tagesschau übernahm Reiches Aussage in einem Artikel unter dem Titel "Reiche fordert Reformen und weist Kritik zurück" ohne Überprüfung oder Einordnung. Die Falschaussage stand mehrere Tage unkorrigiert online.
Erst Übermedien (Boris Rosenkranz, 28. April 2026) fragte beim zuständigen Wirtschaftsredakteur nach. Dieser räumte ein, Reiches Aussage "nicht ausreichend überprüft" zu haben: "Der Fehler lag hier eindeutig bei mir." Am Montagabend nach der Anfrage ergänzte die Tagesschau einen Korrekturhinweis, die Überschrift blieb unverändert. t-online hatte die Falschaussage bereits am 24. April 2026 eingeordnet; eine Antwort des Wirtschaftsministeriums auf die Anfrage blieb bis zur Veröffentlichung aus.
Bewertung
Die Behauptung ist widerlegt. Westenergie betreibt nachweislich eines der größten Gasverteilnetze Deutschlands mit rund 24.000 km Gasnetz, und Reiche stand als CEO fünf Jahre an der Spitze dieses Unternehmens. Ihre Aussage, das Geschäftsfeld der Westenergie umfasse "kein Gasgeschäft", ist durch die eigenen Unternehmensangaben klar falsifiziert.
Das Tagesschau-Versagen ist dabei ein eigener Befund: Die öffentlich-rechtliche Redaktion übernahm eine Ministeraussage, die in wenigen Minuten mit der Unternehmenswebsite zu widerlegen gewesen wäre, ungeprüft und korrigierte erst nach externem Druck.
