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Stand: 11.05.2026

75 % wollen KEINEN AfD-Kanzler: Wie die WELT für die AfD lügt

Irreführend

Link Beschreibung

Volksverpetzer analysiert eine INSA-Umfrage vom 30. April bis 4. Mai 2026 zur Frage "Welche Partei soll den Bundeskanzler stellen?". Ergebnis: AfD 25 %, Union 19 %, SPD 13 %, Grüne 12 %, Sonstige 12 %. Die Welt titelte daraus, die "Mehrheit" der Deutschen wünsche sich einen AfD-Kanzler. Das Wort "relativ" erschien nur im Kleingedruckten der Onlineversion und fehlte auf X sowie in den Google-Suchergebnissen vollständig. Tatsächlich wollen 75 % der Befragten keinen AfD-Kanzler. Der Faktencheck zeigt, wie eine relative Mehrheit (Platz 1 unter vielen Parteien) zur suggestiven "Mehrheit" umgedeutet wird, und ordnet das strukturelle Muster dahinter ein.

Faktenfackel Bewertung

Einordnung

Die Behauptung der WELT beruht auf einer insa -Umfrage im Auftrag der BILD, erhoben vom 30. April bis 4. Mai 2026. Bei der Frage "Welche Partei soll den Bundeskanzler stellen?" entschied sich ein Viertel (25 %) für die AfD, vor Union (19 %), SPD (13 %) und Grünen (12 %). Eine relative Mehrheit ist nach dem Duden definiert als "weniger als die Hälfte, aber der größere Teil der Stimmen", entspricht also keiner absoluten Mehrheit. Der Kanzler wird nach Artikel 63 Grundgesetz mit absoluter Mehrheit des Bundestages gewählt, nicht durch eine Direktwahl oder eine Parlamentspluralität.

Volksverpetzer weist auf einen weiteren rechnerischen Widerspruch hin: Die AfD stand in der INSA-Sonntagsfrage derselben Periode bei 27-28 % Stimmanteil, in der Kanzlerfrage aber nur bei 25 %. Das ist mathematisch nur möglich, wenn ein Teil der AfD-Wähler selbst keinen AfD-Kanzler will.

Hinzu kommt eine methodische Schwäche der Umfragestellung: Die Frage nach dem Wunschkanzler misst im Wesentlichen die allgemeinen Parteipräferenzen, keine eigenständige Kanzlerunterstützung. Dass Anhänger einer Partei auch deren Kanzler bevorzugen, ist wenig überraschend.

Andere Umfragen zeichnen ein deutlich klareres Bild: Im ZDF-Politbarometer April 2026 ist Alice Weidel mit einem Skalometer-Wert von -2,4 das absolute Schlusslicht unter allen bewerteten Politikern. Das ZDF-Politbarometer September II 2025 zeigte zudem, dass 60 % der Deutschen damit rechnen, die Politik würde schlechter, wenn die AfD an einer Regierung beteiligt wäre. 65 % der Deutschen befürworten laut Politbarometer Dezember 2025 ausdrücklich die Brandmauer der CDU gegen die AfD, bei CDU/CSU-Anhängern sogar 79 %.

Das Muster dieser Berichterstattung ist kein Einzelfall. Der Deutsche Presserat rügte die WELT im Dezember 2025 wegen schwerer Verletzung der journalistischen Sorgfaltspflicht. Anlass war eine Serie von Berichten über angebliche staatliche Finanzierung von Demos gegen die CDU-AfD-Migrationsabstimmung, für die keine ausreichenden Belege vorlagen, wie Übermedien dokumentiert. Dem INSA-Institut werden seinerseits Sympathien und inhaltliche Nähe zur AfD attestiert.

Volksverpetzer erklärt den Schaden dieser Berichterstattung mit dem Bandwagon-Effekt: Wer glaubt, "alle anderen wollen das", senkt die eigene Hemmschwelle. Die Darstellung einer 25-%-Minderheit als "Mehrheit" normalisiert eine Position, die in Wirklichkeit von drei Vierteln der Bevölkerung abgelehnt wird.

Fazit

Die Behauptung der WELT ist sachlich falsch: 25 % sind keine Mehrheit, nicht einmal eine relative Mehrheit im umgangssprachlichen Sinne. Volksverpetzers Faktencheck ist methodisch nachvollziehbar und durch mehrere unabhängige Umfragen gestützt. Das Urteil "irreführend" trifft zu.