Zur Quelle "Apollo News" springen
Stand: 05.11.2026

Frankfurter Tatverdächtige: Drei Viertel ausländisch?

Irreführend

Link Beschreibung

Exklusiv-Artikel von Apollo News vom 4. November 2026. Laut einer eigenen Anfrage bei der Frankfurter Polizei hätten "rund drei Viertel" der 55 Tatverdächtigen nach den Gen-Z-Krawallen eine ausländische Staatsangehörigkeit. Die Überschrift vermittelt den Eindruck, die meisten Verdächtigen seien keine Deutschen.

Faktenfackel Bewertung

Einordnung

Apollo liefert die entscheidende Einschränkung selbst, versteckt sie aber im Fließtext: Etwa die Hälfte der Tatverdächtigen besitzt die deutsche Staatsangehörigkeit. Etwa die Hälfte dieser deutschen Staatsbürger hat zusätzlich eine weitere Staatsangehörigkeit. Apollo zählt diese Doppelstaatler als "ausländisch" und kommt so auf die Dreiviertel-Zahl.

Bei der Pressekonferenz am 1. November sagte Hessens Innenminister roman-poseck (CDU), die Festgenommenen besäßen "überwiegend die deutsche Staatsangehörigkeit". Die hessenschau berichtete, die Festgenommenen seien "mehrheitlich deutsche Staatsangehörige". Das passt zu Apollos Angabe, etwa die Hälfte habe die deutsche Staatsangehörigkeit, widerspricht aber der Überschrift.

Der Widerspruch liegt in der Zählweise: Wer einen deutschen und einen türkischen Pass hat, ist für Apollo "ausländisch", für Polizei und Innenminister "deutsch". Juristisch ist ein Doppelstaatler vollwertiger deutscher Staatsbürger. Die Überschrift "Drei Viertel ... ausländische Staatsangehörigkeit" suggeriert einen Befund, der mit Apollos eigenen Zahlen nicht übereinstimmt, wenn man die Doppelstaatler korrekt als Deutsche mitzählt.

Poseck schätzte gegenüber der FAZ, "80 bis 90 Prozent" der Tatverdächtigen hätten einen Migrationshintergrund. Migrationshintergrund ist eine breitere Kategorie als Staatsangehörigkeit und umfasst auch in Deutschland geborene Kinder von Einwanderern. Poseck stützte sich dabei auf seinen visuellen Eindruck ("Ich habe in die Gesichter von Menschen mit Molotowcocktails geschaut"), nicht auf ausgewertete Polizeidaten. In der Bundestags-Debatte vom 5. November wies Lamya Kaddor (Grüne) darauf hin, dass in Frankfurt 58 Prozent der Bevölkerung einen Migrationshintergrund haben.

Die Zahlen im Überblick: 55 Tatverdächtige insgesamt; etwa die Hälfte mit deutscher Staatsangehörigkeit; etwa ein Viertel der Deutschen zusätzlich mit einer weiteren Staatsangehörigkeit; 54 Festnahmen; 87 Strafanzeigen; über 100 verletzte Polizeibeamte; ein 18-jähriger syrischer Staatsangehöriger in Untersuchungshaft wegen Waffendiebstahls.