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Stand: 18.05.2026

Montagsdemos: Wie das Parlament zum Feindbild wird

Link Beschreibung

Alex Funke analysiert auf Belltower.News (18. Mai 2026) die seit Monaten laufenden "Montagsdemos" in Thüringen. Redner stellen Parlamentarier pauschal als "Globalisten-Marionetten" dar und Regierungswechsel als bloße Fassadenwechsel. Funke zeigt, wie die "Blackrock-Merz"-Rhetorik klassische antisemitische Muster reproduziert, indem sie Jüdinnen und Juden mit Finanzkapital assoziiert. Der Artikel ordnet diese Verschwörungsideologie als Brückenmilieu zwischen ehemaliger Querdenken-Szene, Reichsbürgern und AfD-affinem Umfeld ein.

Faktenfackel Bewertung

Einordnung

Der Artikel dokumentiert Reden bei Montagsdemos in Zeulenroda, Sondershausen und Pößneck zwischen April 2025 und März 2026. Hauptorganisator in Zeulenroda und Pößneck ist Frank Haußner, Kopf des rechtsextremen Netzwerks Freies Thüringen, der dort laut Funke regelmäßig als Redner auftritt und von Verbindungen zum Reichsbürger-Milieu bis ins AfD-Vorfeld reicht.

Der Kern des Artikels ist die Analyse des "Blackrock-Merz"-Narrativs als Vehikel für antisemitische Verschwörungsideologie. Funke arbeitet die ideologische Struktur heraus: Parlamentarismus wird als Schein abgelehnt, weil das eigentliche Machtzentrum unsichtbar und jenseits der Volksvertretung liege. Die Frage, wer die Fäden ziehe, beantwortet die Verschwörungsideologie antisemitisch, auch wenn der Begriff "Juden" selbst nicht fällt. Die Bundeszentrale für politische Bildung erläutert "Umwegkommunikation" als Strategie, antisemitische Inhalte durch Begriffe wie "Globalisten" oder "Marionetten" weiterzugeben, ohne das Tabu der offenen Benennung zu brechen.

Björn Höcke und das AfD-Vorfeld verwendeten "Blackrock-Merz" laut dem Artikel verstärkt ab dem Landtagswahlkampf 2024. Funkes Analyse zeigt, wie das Narrativ das NS-Konzept vom "raffenden, jüdischen Kapital" (im Gegensatz zum "schaffenden, deutschen Kapital") aktualisiert: Merz erscheint als Handlanger einer finanzkapitalistischen, antisemitisch aufgeladenen Weltverschwörung. Die Heinrich-Böll-Stiftung hat dieses Muster in der AfD umfassend dokumentiert: Die Partei nutze "Hochfinanz", "Finanzeliten" und ähnliche Chiffren als verschlüsselte Anspielungen auf eine vermeintlich jüdische Weltelite. Die Amadeu Antonio Stiftung analysiert, wie diese Sprache antisemitische Narrative normalisiert, ohne formal antisemitisch zu klingen.

Funke belegt am Beispiel einer Rednerin in Sondershausen auch die direkte Verbindung zu christlich-antijudaistischen Stereotypen: Sie bediene sich der modernisierten "Ritualmordlegende", in der Jüdinnen und Juden als Täter einer Vernichtung der Bevölkerung imaginiert werden. Daneben zeigt der Artikel, wie seit dem 7. Oktober 2023 auch die "Staatsraison"-Debatte in das Verschwörungsrepertoire integriert wird: In Zeulenroda wurde am 2. März 2026 die Bundesregierung als "pro-israelische Marionette" bezeichnet.

Die BpB beschreibt, wie rechtsextreme Akteure Finanzkapital-Kritik als Vehikel nutzen: Begriffe wie "vagabundierendes transnationales Finanzkapital" oder Verweise auf "die Ostküste der USA" funktionieren als antisemitische Codierungen, in denen Jüdinnen und Juden als "Drahtzieher" hinter globalen Wirtschaftsprozessen markiert werden. Das Muster ist mit dem von Funke analysierten "Blackrock"-Narrativ strukturidentisch.

Fazit

Der Belltower.News-Artikel analysiert die ideologische Struktur antiparlamentarischer Verschwörungsrhetorik in Thüringen sorgfältig und gut belegt. Die These, dass "Blackrock-Merz" ein codiertes antisemitisches Narrativ reproduziert, ist durch den Artikelinhalt und unabhängige wissenschaftliche Einordnungen gut belegt. Die Bewertung von Belltower.News als journalistischem Arm der Amadeu Antonio Stiftung mit transparenter antiextremistischer Haltung ist bekannt und mindert die inhaltliche Verlässlichkeit nicht.