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Bild-Zeitung

Größte deutsche Boulevardzeitung, erschienen im Axel-Springer-Verlag seit 1952

Bildquelle: ©Bild-Zeitung
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Über die Quelle

Geschichte und Hintergrund

Die Bild-Zeitung wurde am 24. Juni 1952 von dem Verleger Axel Springer gegründet, orientiert am Vorbild britischer Boulevardzeitungen wie dem Daily Mirror. Die erste Ausgabe wurde kostenlos verteilt, danach für 10 Pfennig verkauft. Mit einer Startauflage von 455.000 Exemplaren begann ein rasanter Aufstieg: Bereits ein Jahr nach Gründung überschritt die Auflage eine Million, in den 1960er-Jahren vier Millionen, in der Spitze der 1980er-Jahre sogar fünf Millionen Exemplare täglich. Damit war die Bild über Jahrzehnte die auflagenstärkste Tageszeitung Europas.

Die Printauflage ist seitdem drastisch gefallen. Im vierten Quartal 2025 lag die verkaufte Auflage bei rund 910.000 Exemplaren, ein Rückgang von über 80 Prozent seit 1998. Gleichzeitig hat Axel Springer die digitale Transformation vorangetrieben: bild.de zählt mit rund 25 Millionen monatlichen Nutzern zu den reichweitenstärksten Nachrichtenwebsites Deutschlands. Das kostenpflichtige Angebot BILDplus hatte 2023 über 675.000 Abonnenten.

Die Bild gehört zur Axel Springer SE, die seit 2020 mehrheitlich dem US-Finanzinvestor KKR gehört. Vorstandsvorsitzender ist Mathias Döpfner. 2023 kündigte Springer einen massiven Stellenabbau an, bei dem über 400 Stellen bei Bild und Welt abgebaut und durch Künstliche Intelligenz ersetzt werden sollten.

Redaktionelle Ausrichtung und Stil

Die Bild ist eine klassische Boulevardzeitung: große Schlagzeilen, emotionale Aufmachung, vereinfachte Darstellungen komplexer Sachverhalte und eine starke Personalisierung der Berichterstattung. Das internationale Bewertungsportal Media Bias/Fact Check stuft die Bild als "Right-Center" ein, mit einer Bewertung der Faktentreue als "Mixed" und einer insgesamt "mittleren Glaubwürdigkeit". Besonders bei den Themen Migration, innere Sicherheit und Sozialpolitik zeigt die Berichterstattung eine konservativ-populistische Tendenz.

Kontroversen und Kritik

Die Geschichte der Bild-Zeitung ist untrennbar mit Kontroversen verbunden:

Presserat-Rügen: Die Bild ist mit Abstand das am häufigsten gerügte Medium in Deutschland. Bis 2021 hatte sie über 230 Rügen vom Deutschen Presserat erhalten, was etwa 30 Prozent aller jemals ausgesprochenen Rügen entspricht. Der Zweitplatzierte (B.Z.) kommt auf lediglich 21 Rügen. Häufige Verstöße betreffen das Wahrhaftigkeitsgebot, den Persönlichkeitsschutz und den Opferschutz. Seit 2021 hat die Bild Presserat-Rügen zeitweise nicht mehr in der Printausgabe veröffentlicht, obwohl der Pressekodex dies vorsieht.

Kampagnenjournalismus: Die Bild ist wiederholt für gezielte Kampagnen gegen Einzelpersonen und Gruppen kritisiert worden. Beispiele umfassen die Stimmungsmache gegen Hartz-IV-Bezieher, nationalistische Kampagnen gegen Griechenland während der Euro-Krise und die Berichterstattung über Flüchtlinge, bei der laut BILDblog gezielt Ressentiments geschürt wurden. Die wissenschaftliche Studie "Strategie: Stimmungsmache" von Vasco Boenisch analysierte die Methoden des Kampagnenjournalismus der Bild detailliert.

Wallraff-Enthüllungen: 1977 arbeitete der Investigativjournalist Günter Wallraff vier Monate lang unter dem Pseudonym "Hans Esser" verdeckt in der Bild-Redaktion Hannover. Seine Erfahrungen veröffentlichte er in dem Buch "Der Aufmacher", das Fälschungen, erfundene Geschichten und manipulierte Zitate dokumentierte. Springer ging juristisch dagegen vor, doch der Bundesgerichtshof bestätigte 1981 die Rechtmäßigkeit von Wallraffs Methoden.

Wulff-Affäre: Im Dezember 2011 löste die Bild mit Recherchen zu einem Privatkredit die Wulff-Affäre aus, die zum Rücktritt von Bundespräsident Christian Wulff führte. Zuvor hatte Wulff versucht, die Berichterstattung durch einen Anruf bei Chefredakteur Kai Diekmann zu verhindern, was die Debatte über die Macht der Bild weiter anfachte.

Reichelt-Skandal: Im Oktober 2021 wurde Chefredakteur Julian Reichelt nach Berichten der New York Times endgültig freigestellt. Ihm wurde vorgeworfen, seine Machtposition für Beziehungen mit jüngeren Mitarbeiterinnen ausgenutzt zu haben. Eine interne Untersuchung durch die Kanzlei Freshfields hatte zuvor Fehler in der Amtsführung festgestellt. Der Fall offenbarte laut Tagesspiegel ein systemisches Problem der Unternehmenskultur bei Bild.

Gaza-Berichterstattung 2025: Im August 2025 verbreitete Bild Behauptungen über inszenierte Bilder aus Gaza, die von CORRECTIV und Snopes anhand von Metadaten und Mehrwinkelaufnahmen widerlegt wurden. Der Fall steht laut MBFC exemplarisch für ein Muster provokanter Unterstellungen ohne belastbare Belege.

BILDblog als Korrektiv

Seit 2004 dokumentiert das Medienblog BILDblog systematisch Fehler, Fälschungen und ethische Verstöße der Bild-Zeitung. Das Blog wurde 2005 mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet und zählte zeitweise zu den meistgelesenen Blogs Deutschlands. BILDblog hat sich mittlerweile auf allgemeine Medienkritik ausgeweitet, bleibt aber eine wichtige Quelle für die Dokumentation der Arbeitsweise der Bild.

Faktenfackel Bewertung

Die Bild-Zeitung ist als Quelle nur mit erheblichen Einschränkungen zu gebrauchen. Als Boulevardzeitung priorisiert sie Emotionalisierung, Vereinfachung und Skandalisierung gegenüber Genauigkeit und Differenzierung. Die über 230 Rügen des Deutschen Presserats, die Bewertung als "Mixed" bei der Faktentreue durch MBFC und die jahrzehntelange Kritik durch Medienwissenschaftler, den Presserat und Initiativen wie BILDblog dokumentieren ein systematisches Problem mit journalistischer Sorgfalt.

Besonders problematisch ist die Bild als Quelle in Bereichen, in denen sie nachweislich Kampagnenjournalismus betreibt: Migration, Sozialpolitik und innere Sicherheit. Hier werden Fakten regelmäßig verzerrt, Einzelfälle zu vermeintlichen Trends aufgebauscht und populistische Narrative bedient. Die konservativ-populistische Schlagseite der Berichterstattung zeigt sich besonders in der Themensetzung und Wortwahl.

Andererseits verfügt die Bild über eine große und gut ausgestattete Redaktion, die durchaus zu fundierter investigativer Arbeit fähig ist, wenn sie es denn will. Exklusivmeldungen der Bild, etwa aus der Politik, können Ausgangspunkte für weitere Recherchen sein, sollten aber immer anhand unabhängiger Quellen verifiziert werden.

Fazit

Die Bild-Zeitung ist Deutschlands einflussreichstes Boulevardmedium, aber keine zuverlässige Nachrichtenquelle. Ihre Berichterstattung ist regelmäßig von Verzerrungen, Kampagnenjournalismus und Verstößen gegen den Pressekodex geprägt. Informationen aus der Bild sollten grundsätzlich durch seriöse Quellen gegengeprüft werden, bevor sie als belastbar gelten.