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Stand: 09.03.2026

Generalstreik in Venezuela

Irreführend

Link Beschreibung

"Meanwhile in Venezuela...", Reel über den angeblichen Generalstreik in Venezuela, gepostet am 10. Januar 2026, sieben Tage nach dem US-Militärschlag auf Caracas (3. Januar 2026).

Kontext: Der US-Militärschlag vom 3. Januar 2026

In der Nacht vom 3. Januar 2026 führten US-Streitkräfte die Operation "Absolute Resolve" durch: Bombardierung militärischer Infrastruktur rund um Caracas, gefolgt von der Gefangennahme von Präsident Nicolás Maduro und seiner Frau Cilia Flores. Maduro wurde nach New York überführt und am 5. Januar vor einem Bundesgericht angeklagt. Delcy Rodríguez übernahm als amtierende Präsidentin. Die Operation wird von Völkerrechtlern, der UN und zahlreichen Staaten als klarer Verstoss gegen die UN-Charta bewertet (Amnesty International, WOLA).

Der "Generalstreik", was stimmt, was ist irreführend?

Maduros Vorabankündigung

Maduro hatte bereits Monate vor dem Angriff, laut Globovisión und NTN24, angekündigt, dass im Fall einer Intervention eine "huelga general insurreccional revolucionaria" ausgerufen werde. Dies war eine politische Drohgebärde des Regimes, kein spontaner Arbeiterstreik.

Was tatsächlich geschah

Das venezuelanische Bürgerrechtsportal Alerta Venezuela dokumentiert, dass der Aufruf zur "bewaffneten Mobilisierung" von der Bevölkerung "offen ignoriert" wurde: "el llamado oficialista a 'la lucha armada' fue abiertamente desoído por la ciudadanía, que ni durante la ofensiva ni al término de la misma salió a la calle a manifestarse en defensa del régimen." (Übersetzung: "Der regierungsnahe Aufruf zum 'bewaffneten Kampf' wurde von der Bevölkerung offen ignoriert, weder während noch nach der Offensive ging jemand auf die Straße, um das Regime zu verteidigen.") (Alerta Venezuela)

Das Observatorio Venezolano de Conflictividad Social (OVCS) dokumentierte im Januar 2026 insgesamt 622 Proteste (53 % mehr als im Vorjahr), davon aber nur 51 arbeitsbezogene Aktionen. Diese bezogen sich hauptsächlich auf Lohnforderungen von Lehrern, Gesundheitsarbeitern und Ölarbeitern, und nicht auf einen politischen Generalstreik gegen oder für das Regime. Dominierend (88 %) waren politische Forderungen nach Freilassung politischer Gefangener.

Internationale Gewerkschaftsreaktion

Die Weltföderation der Gewerkschaften (WFTU), eine ideologisch links positionierte Dachorganisation, rief für den 22. Januar 2026 zu einem internationalen Solidaritätstag mit Venezuela auf. Die Forderungen lauteten: "US-Imperialismus, Hände weg von Venezuela" und "Freilassung von Präsident Maduro und Cilia Flores". Dies war keine venezolanische Arbeiterbewegung, sondern eine internationale Solidaritätsaktion.

Bewertung

Der Reel suggeriert, in Venezuela habe ein nennenswerter Generalstreik der Arbeiterschaft stattgefunden. Die verfügbaren Belege zeigen ein anderes Bild:

  • Der "Generalstreik" war primär eine Vorabankündigung des Maduro-Regimes als Drohkulisse (Globovisión, NTN24).
  • Die Bevölkerung mobilisierte sich nicht im Sinne des Regimes (Alerta Venezuela).
  • Tatsächliche Arbeiterproteste im Januar 2026 richteten sich gegen Lohnausfälle und staatliche Willkür, also eher gegen das Regime als für es (OVCS-Bericht Januar 2026).
  • Die Framing-Entscheidung von "Democratic Socialism Now", diese Ereignisse als "Generalstreik" zu bezeichnen, folgt einer pro-Maduro-Perspektive und unterschlägt den Kontext weitgehend.

Die politische Positionierung der Seite (pro-sozialistisch, anti-US-Intervention) beeinflusst die Darstellung erkennbar. Die Ereignisse selbst sind real (US-Militärschlag, politische Krise), die Rahmung als "Generalstreik der Arbeiterklasse" ist jedoch irreführend.

Gegenquellen