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Stand: 03.07.2026

SPIEGEL: Grüne kritisieren Unionsangaben zu Biomethan für Gasheizungen als Irreführung

Irreführend

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Laut SPIEGEL (Autor Markus Becker, 3. Juli 2026) behaupten zwei führende Unionspolitiker gegenüber ihrer Fraktion, für neue Gasheizungen werde es künftig reichlich Biomethan geben. Hintergrund ist die geplante Ablösung der 65-Prozent-Regel im Gebäudeenergiegesetz durch eine "Grüngasquote" (Biomethan-Beimischung ab 2029). Die Grünen-Fraktionsvize Julia Verlinden wirft der Union Irreführung der eigenen Leute vor: Biomethan sei knapp und werde auch für Stromversorgung und als Treibstoff gebraucht. Der Artikel selbst ist hinter der SPIEGEL+-Paywall; die Namen der beiden Unionspolitiker sind nur im Bezahltext genannt.

Faktenfackel Bewertung

Einordnung

Die Zahlen zur Biomethan-Verfügbarkeit stützen die Kritik von Julia Verlinden. Nach Angaben des Fachverbands Biogas, zitiert im Bericht von klimareporter, erzeugen derzeit rund 275 Anlagen etwa 13 Terawattstunden (TWh) Biomethan pro Jahr, wovon nur rund 0,6 TWh überhaupt ins Gasnetz eingespeist werden. Der Rest fließt in Blockheizkraftwerke, Biokraftstoffe oder die Industrie. Bei einem jährlichen deutschen Gasverbrauch von rund 864 TWh entspricht die aktuelle Biomethanproduktion nur gut einem Prozent des Bedarfs, wie die BUND-Studie "Heizen mit Biomethan: Teuer für Klima, Natur und Verbraucher*innen" vorrechnet. Direkt für Gasheizungen vermarktet wird laut BUND sogar nur etwa eine TWh.

Die geplante "Bio-Treppe" verlangt ab 2029 einen Anteil von mindestens zehn Prozent CO2-neutraler Brennstoffe in neuen Gasheizungen, steigend über weitere Stufen bis 2040. Woher diese Mengen kommen sollen, ist laut klimareporter offen: Die Biogasbranche gibt an, potenziell bis zu 160 TWh Biogas und Biomethan pro Jahr erzeugen zu können. Der BUND hält solche Brancheneinschätzungen für unabhängig ungeprüft und verweist auf eine Studie von Agora Agrar, die nur ein technisches Potenzial von 109 TWh (real wirtschaftlich nutzbar rund 42 TWh) bis 2045 sieht, weil ein Großteil des Rohstoffs (Mais, Energiepflanzen) aus Klima- und Naturschutzgründen problematisch ist.

Zur Fairness: Die Bioenergiebranche widerspricht der Knappheitsdiagnose. In einem Bericht von energiezukunft.eu erklärte Sandra Rostek vom Hauptstadtbüro Bioenergie, die ersten Stufen der Bio-Treppe bräuchten bis 2029 nur zusätzlich 1,5 bis 2,4 TWh Biomethan jährlich, "das ist mit links zu schaffen". Ausbaupotenzial sieht die Branche unter anderem in der Umrüstung bestehender, aktuell verstromender Biogasanlagen (bis zu 60 Prozent von rund 80 TWh Anlagenleistung) sowie in bislang ungenutzten Reststoffen, Gülle und Zwischenfrüchten. Zusammen mit synthetischem Methan aus Elektrolyse beziffert die Branche das nationale Biomethanpotenzial auf rund 150 TWh, was rund 17 Prozent des heutigen Gasverbrauchs entspräche. Allerdings räumt auch die Branche ein, dass die Ausschöpfung dieses Potenzials von ungeklärten Rahmenbedingungen abhängt, unter anderem einem fehlenden deutschen Biomethan-Aktionsplan und einem laut Rostek "katastrophalen" Netzpaket, das Betreibern keine verlässliche Perspektive für die Einspeisung gibt. Rund 300 fertig geplante Biomethan-Anlagen würden deshalb derzeit nicht gebaut.

Die Behauptung, es werde "reichlich" Biomethan geben, blendet damit sowohl die aktuelle Knappheit (rund ein Prozent Bedarfsdeckung) als auch die erhebliche Unsicherheit über den künftigen Ausbau aus. Selbst die Biogasbranche selbst stützt sich auf ein theoretisches Potenzial, dessen Realisierung von ungelösten regulatorischen Problemen abhängt, während der BUND das Potenzial noch deutlich niedriger ansetzt. Hinzu kommt: Auch wenn genug Biomethan produzierbar wäre, konkurriert es laut BUND mit Bedarf aus Stromerzeugung, Verkehr und Industrie, ein Punkt, den auch Verlinden anspricht.

Fazit

Die Aussage "reichlich Biomethan" ist irreführend, weil sie eine gesicherte Verfügbarkeit suggeriert, die weder der aktuelle Stand (rund ein Prozent Bedarfsdeckung) noch die umstrittenen Ausbauprognosen hergeben. Selbst die Biogasbranche stützt ihre optimistischeren Zahlen auf ungelöste regulatorische Voraussetzungen, während unabhängigere Einschätzungen wie die des BUND deutlich vorsichtiger sind.

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