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eldiario.es

Spanisches Online-Nachrichtenportal mit Schwerpunkt auf Politik und investigativer Recherche

Bildquelle: ©eldiario.es
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Über die Quelle

eldiario.es ist ein spanisches Online-Nachrichtenportal mit Sitz in Madrid. Es wurde am 18. September 2012 von dem Journalisten Ignacio Escolar und einer Gruppe früherer Mitarbeiter der Zeitung "Público" gegründet, nachdem Escolar deren Chefredaktion 2009 verlassen hatte. Escolar ist bis heute Direktor und Chefredakteur des Portals (elDiario.es: Autorenseite Ignacio Escolar; ElDiario.es, Wikipedia (englisch)). Herausgeberin ist die Gesellschaft Diario de Prensa Digital, S.L.

Eigentumsstruktur und Finanzierung: Nach eigenen Angaben gehören mehr als 70 Prozent des Unternehmens Menschen, die selbst in der Redaktion arbeiten, der Rest verteilt sich auf Angehörige und weitere Journalisten. Es gibt laut eldiario.es keine Bank, keine politische Gefälligkeit und keine große Verlagsgruppe im Hintergrund (elDiario.es: Preguntas y respuestas). Finanziert wird das Portal über ein Doppelmodell aus Werbung und zahlenden Mitgliedern ("socios"). Laut dem Ende 2025 veröffentlichten Jahresabschluss erzielte eldiario.es 2025 einen Umsatz von 17,35 Millionen Euro (plus 11,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr) bei einem Überschuss von 1,48 Millionen Euro. Werbung trug mit 8,77 Millionen Euro rund die Hälfte der Einnahmen, die Mitgliedsbeiträge mit 7,31 Millionen Euro (plus 21,5 Prozent) gut 42 Prozent. Das Medium ist schuldenfrei (Merca2: elDiario.es cierra 2025 con 17,35 millones de ingresos y un superávit de 1,48 millones). Ende 2025 zählte das Portal 115.277 Mitglieder.

Reichweite: Laut dem Digital News Report 2026 des Reuters Institute (Universität Oxford, spanisches Kapitel koordiniert von der Universidad de Navarra) erreichte eldiario.es 2026 wöchentlich 14 Prozent der befragten Onlinenutzer in Spanien und ist damit das zweitreichweitenstärkste digitale Nachrichtenportal des Landes, knapp hinter El País (15 Prozent) und vor allen anderen genuin digitalen Medien (elDiario.es: elDiario.es, el segundo medio en internet con mayor alcance en España, según el Instituto Reuters y Oxford).

Politische Einordnung: Media Bias/Fact Check stuft eldiario.es als "Left-Center" (linke Mitte) mit einem Bias-Score von minus 4,6 sowie einer hohen Verlässlichkeit in der Faktentreue ("High" factual reporting, Score 1,5) ein und verweist auf einen bislang sauberen Fact-Check-Rekord ohne dokumentierte gescheiterte Faktenchecks (Media Bias/Fact Check: elDiario.es - Bias and Credibility). Das Portal selbst positioniert sich unter dem Motto "Periodismo a pesar de todo" (Journalismus trotz allem) klar links-liberal bis progressiv, mit inhaltlichen Schwerpunkten wie Gleichstellung, Klimakrise, Menschenrechten und historischem Gedächtnis. Diese Ausrichtung ist offen benannt und keine verdeckte Schlagseite, sollte aber bei der Einordnung von Berichten mitgedacht werden.

Journalistische Verlässlichkeit: eldiario.es betreibt eigene investigative Recherche und wurde dafür mehrfach ausgezeichnet. Ignacio Escolar erhielt 2015 den Ischia-Preis als internationaler Journalist des Jahres und 2018 den Premio Gabriel García Márquez für journalistische Exzellenz, einen der bedeutendsten Preise des spanischsprachigen Journalismus. Eine gemeinsame Recherche von eldiario.es und Univision Noticias über Vorwürfe sexueller Übergriffe gegen Julio Iglesias wurde 2026 für die Fundación-Gabo-Preise nominiert (elDiario.es: La Fundación Gabo nomina la investigación de elDiario.es sobre Julio Iglesias a sus prestigiosos premios de periodismo). Julio Iglesias reichte wegen dieser Recherche im Sommer 2026 seinerseits eine Strafanzeige gegen eldiario.es, Escolar und beteiligte Journalisten wegen Verleumdung ein; über den Ausgang dieses Verfahrens ist nichts bekannt, es handelt sich also um einen Vorwurf, keine gerichtliche Feststellung.

Es gibt auch dokumentierte Fälle, in denen eldiario.es selbst falsch lag: Das Erstinstanzgericht Madrid Nr. 58 verurteilte eldiario.es und Escolar am 27. März 2025 dazu, eine Richtigstellung ohne Kommentare mindestens 30 Stunden lang auf der Startseite zu veröffentlichen. Anlass war ein Artikel vom 1. Dezember 2024, in dem eldiario.es eine Meldung des Portals "The Objective" zu Aktienbesitz von David Sánchez, dem Bruder des spanischen Regierungschefs, als "bulo" (Falschmeldung) bezeichnet hatte. The Objective hatte am 17. April lediglich Zahlen aus der offiziellen Vermögenserklärung Sánchez' wiedergegeben; der Fehler lag laut Guardia Civil bei Sánchez selbst, der Nominal- und Marktwert verwechselt hatte, nicht bei The Objective (The Objective: Condenan a eldiario.es por tildar de "bulo" una noticia de THE OBJECTIVE).

Faktenfackel Bewertung

eldiario.es ist ein etabliertes, reichweitenstarkes spanisches Nachrichtenportal mit transparenter Eigentums- und Finanzierungsstruktur (mehrheitlich Redaktionseigentum, kein Bankkredit, keine externe Verlagsgruppe) und eigener investigativer Recherche, die auch international ausgezeichnet wurde. Media Bias/Fact Check bewertet die Faktentreue als hoch, ordnet die politische Schlagseite aber klar in der linken Mitte ein. Das deckt sich mit der Selbstpositionierung des Portals als links-liberal bis progressiv. Der Fall um die Richtigstellung gegenüber "The Objective" zeigt, dass auch eldiario.es Fehler unterlaufen und Gerichte das durchsetzen mussten. Die Strafanzeige von Julio Iglesias ist bislang nur ein Vorwurf ohne bekannte gerichtliche Entscheidung.

Fazit

eldiario.es ist als reichweitenstarkes, wirtschaftlich unabhängiges Medium mit belegter investigativer Arbeit grundsätzlich als seriöse Quelle einzustufen, deren links-liberale bis progressive Ausrichtung offen bekannt ist und bei jeder Einzelmeldung mitbedacht werden sollte. Politisch steht das Portal dem linken bis linksliberalen Spektrum näher als der aktuellen spanischen Rechten, in dem auch die Regierung unter Pedro Sánchez verortet wird. Berichtet eldiario.es dennoch kritisch über Vorgänge innerhalb dieser Regierung, etwa über personelle Konsequenzen für eigene Kommunikationsverantwortliche, spricht das eher für als gegen die Verlässlichkeit einer solchen Meldung, weil ein politisch nahestehendes Medium hier keinen Anreiz hatte, die Regierung bloßzustellen.