Link Beschreibung
Artikel, in dem die selbsterklärte Vulkangruppe sich zum Anschlag auf das Stromnetz in Berlin Anfang Januar bekennt.
Bei dem Anschlag wurden Starkstromkabel durch einen Brandanschlag so stark beschädigt, dass tausende Berliner über Tage keinen Strom hatten.
Faktenfackel Bewertung
Das Schreiben wurde auf Indymedia veröffentlicht, damit sind potenziell alle Informationen mit Argwohn zu betrachten.
Die Vulkangruppe
Unter dem Namen Vulkangruppe wurden in der Vergangenheit vereinzelt zwischen 2011 und (anscheinend) 2026 verübt. Es gibt Bekennerschreiben zu einer Handvoll Brandanschlägen auf Infrastruktur, überwiegend auf Stromleitungen der Bahn oder auf die Gigafactory bei Berlin.
Da die Gruppe nie gefasst wurde, ist nicht klar, was ihnen wirklich zugeschrieben werden kann, oder ob nicht auch Nachahmer für einzelne Anschläge verantwortlich sind.
Wikipedia hat eine Auflistung der aktuell zugeordneten Anschläge.
Wenige Tage nach dem angeblichen Bekennerschreiben gab es ein weiteres Schreiben von einer Vulkangruppe, die sich von dem Anschlag distanziert. Ob eines oder beide Schreiben echt sind, ist unklar.
Anschlag auf das Heizkraftwerk Lichterfelde
Am 03. Januar 2026 wurden Kabel auf einer Brücke in Brand gesetzt und zusätzlich mit einer Stahlstange kurzgeschlossen. Der daraus entstandene Schaden führte zum Heizungs- und Stromausfall für 45 000 Haushalte, Krankenhäuser, Altenheime und 2200 Unternehmen.
Politische Zuordnung
Die Medien und weite Teile der Politik haben die Tat sehr schnell als linksextreme Tat akzeptiert und nutzen sie, um schnell härtere Maßnahmen gegen Linksextremismus zu fordern. Hier ist noch einmal einzuordnen, dass je nach Straftat,
Insb. die AfD und CDU nutzen wie immer bei Anschlägen die Gelegenheit, um eine Vollüberwachung zu fordern und alle linken Gruppen zu kriminalisieren und in die linksextreme Ecke zu schieben.
Bedenken zur Echtheit des Schreibens
Bereits kurz nach Veröffentlichung des Schreibens meldeten sich erste Personen und meldeten Bedenken an, ob das Schreiben wirklich von der Vulkangruppe oder überhaupt einer linken gewaltbereiten Gruppe stammt.
Andrea Schlüters Analyse
Andrea Schlüter, eine KI-Expertin hat das Schreiben analysiert und diverse Ungereimtheiten gefunden, die in den alten Schreiben so nicht aufgetreten sind.
Auf Bluesky kann man den Verlauf vom 04.01.2006 lesen.
Habe das angebliche Bekennerschreiben zum Stromausfall gründlich gelesen. Als jemand, der seit vielen Jahren mit Sprache arbeitet & seit Jahren mit Übersetzungstools, bin ich mir bei einigen Formulierungen ziemlich sicher, dass sie NICHT originär im Deutschen verfasst wurden.
Ungewöhnliche Formulierungen, z. B.:
Welche Formulierungen finde ich untypisch für deutsche Muttersprachler:innen? z.B. „füttern wir mit jedem Post das Feuer, das uns einkreist“, „Nur der Schreck darüber, wo wir als Menschheit gelandet sind. Wenn die Frage auf uns zurückfällt, …“, „Die Bedenken gehen gegen Null, wenn …“
"Switch off für die Gier nach Energie...", "die Villen, die Yachten, die Spaceships und die Golfplätze", "Deshalb haben wir die Aktion auf das Gaskraftwerk in Lichterfelde gemacht.","Die deutsche Wirtschaftsministerin Katharina Reiche", "Wir füttern mit unseren Daten die „wolkig“ genannten „Clouds“,
Allgemein sind die Formulierungen und Satzkompositionen so, dass sie nicht aus einem Guss sind und einfach nicht so geschrieben sind, wie ein Muttersprachler es schreiben würde.
Bestimmte Schreibfehler, wie Giffey und JD Vance, deren Namen falsch geschrieben wurden "Giffay" und "Vans". Das könnte zwar ein zufälliger Fehler sein, aber wenn man die Namen aus der russischen Schreibweise übersetzt, kommen diese Schreibweisen dabei raus. Ebenso wirken manche Stellen, wie wenn sie aus dem englischen Wort für Wort übersetzt worden wären.
Daher ist da der Konsens, dass das Schreiben mit einer nicht-kleinen-Wahrscheinlichkeit von Personen verfasst wurde, die nicht Deutsch als Muttersprache haben. Wenn das wirklich die Vulkangruppe wäre, die 2011 schon in Deutschland aktiv war und daher vermutlich sich auch da schon länger in Deutschland aufgehalten haben wird, ist es nicht plausibel, dass nach 15 Jahren in Deutschland noch solche Fehler in Texten gemacht worden wären. Und auch dann ist die Verortung im linksextremen Spektrum schwierig.
Reaktionen
Auch der CDU Außenpolitiker Kiesewetter hat aufgrund der russischen Formulierungen die Glaubhaftigkeit in Zweifel gezogen.
Der frühere CDU-Generalsekretär Ruprecht Polenz wurde sehr kreativ und schrieb laut Zeit.de auf X (Beitrag konnte von uns noch nicht gefunden werden):
Mich würde interessieren, ob die gewalttätige, linksextremistische "Vulkangruppe" Kontakte zum russischen Geheimdienst hat. Er könnte sich bei solchen Sabotageakten von solchen Gruppen helfen lassen.
Auf X gab es weitere Reaktionen (1, 2, uvm.), die von einer False-Flag Operation ausgehen, um Linksextreme zu diskreditieren.
Für ZDF Heute hat am 06.01. Jan Schneider in einem Beitrag einige Erkenntnisse zusammengefasst, die Redaktion sieht aber keine Verbindungen zu Russland. Faktenfackel hat nach den Gründen gefragt und die Redaktion hat die Dokumente mit alten Bekennerschreiben verglichen und mit russischsprachigen Kolleg*innen verifiziert, dass es auch genug Formulierungen gibt, die nicht direkt aus dem russischen direkt übersetzt sind. Die Redaktion hat die russische Herkunft daher als unwahrscheinlich eingestuft.
Die bekannten Faktencheckportale, wie mimikama, volksverpetzer oder correctiv haben noch keine Analysen zu dem Bekennerschreiben veröffentlicht.
Polizeiliche-Erkenntnisse
Die Polizei hat den Anschlag ziemlich schnell dem linksextremen Spektrum zugeordnet und das Schreiben wurde binnen weniger Stunden als authentisch von der Polizei Berlin eingestuft. Ob und wie sorgfältig da eine überhaupt Untersuchung möglich war, ist unklar.
Der Generalbundesstaatsanwalt Jens Rommel hat am 06.01. die Ermittlungen mit dem BKA übernommen. Ob Herr Rommel gezielt in Richtung der weiterhin anonymen Vulkangruppe ermittelt oder auch internationale Einflussnahme untersucht ist aktuell nicht bekannt.
Die ermittelnden Behörden gehen davon aus, dass das Schreiben "echt" ist, weil dort eindeutiges Täterwissen enthalten ist. Dabei bleibt aber offen, ob die Polizei auch davon ausgeht, dass es von der Vulkangruppe ist, oder ob die Täter es unter dem Namen veröffentlicht haben.
Zusammenfassung
Die Behörden glauben anscheinend aktuell an die Echtheit des Schreibens und haben kein Interesse daran zu klären, ob nicht ein ausländischer Akteur den Angriff vorgenommen hat, um das eigene Interesse an Destabilisierung in Deutschland zu verfolgen.
Es gibt keine öffentlichen Aussagen, warum die Diskrepanzen nicht zu einer Ausweitung der Ermittlungen geführt haben. Es drängt sich der Gedanke auf, dass die Behörden die internationalen Verwicklungen scheuen und sich daher auf das einfache Ziel konzentrieren.
Es gibt noch eine kleine Chance, dass die Behörden in diese Richtung ermitteln, aber aus taktischen Gründen das nicht an die Öffentlichkeit kommen lassen. Das ist insofern schade, als so die öffentliche Meinung weiter in Richtung "Angst vor Linksextremismus" getrieben wird.
Reaktionen aus dem linken Spektrum
Nach dem Anschlag auf das Stromnetz gab es keine öffentlichen positiven Reaktionen aus dem linken Spektrum, die den Anschlag begrüßt hätten. Auch in linken Medien und Foren gab es keine Zustimmung zu der Tat.
Ganz im Gegenteil, so gab es zahlreiche Verurteilungen der Tat:
- Jan van Aken verurteilt den Anschlag in der Zeit
- Linkspartei vor Ort: "Mit links hat das nichts zu tun"
- Artikel der Taz zu Reaktionen der linken Szene, interessant sind auch die Kommentare weiter unten
Es ist für linke Kreise sehr unüblich kaum zu reagieren, bei Taten oder Aktionen gibt es eigentlich immer einen Teil der Szene, der sich dann auch mindestens rechtfertigend äußerte, die z. B. bei den stark in der Kritik stehenden G20 Protesten.
Selbiges blieb hier anscheinend aus. Ein weiteres Indiz dafür, dass eine solche Aktion nicht der linken Szene angelastet werden sollte.
Fazit
Wir sind nicht von der Echtheit überzeugt, es gibt zu viele Hinweise auf eine False Flag Operation, die nicht entkräftet werden. Es gibt keine Zeugenaussagen oder gefasste Täter, die die Echtheit des Schreibens und die Zuordnung zur Gruppe und dem politischen Spektrum bestätigen können.
Es ist natürlich möglich, dass das Schreiben echt ist, aber da es auch keinen Zuspruch aus der "lauten linksextremen Ecke" gibt, erscheint eine Verortung im linken Spektrum eher unwahrscheinlich.
