Link Beschreibung
Artikel von klimareporter vom 11. Oktober 2022 über die Folgen des sogenannten "Altmaier-Knicks", der Kürzung der EEG-Förderung für Solarstrom unter dem damaligen Umweltminister Peter Altmaier (CDU), und eine Folgeuntersuchung des Thinktanks Energy Brainpool für den Solarunternehmer GP Joule.
Faktenfackel Bewertung
Zentrale Befunde
- Ausbauverluste: Nach dem Altmaier-Knick fiel der jährliche Photovoltaik-Ausbau von über 8.000 MW auf unter 2.000 MW. Ein ähnlicher "Knick" folgte 2017 unter Sigmar Gabriel (SPD) bei der Windkraft an Land, beide Effekte zusammen: bei "knickfreiem" Ausbau wären 2022 rund 30.000 MW mehr Wind- und 20.000 MW mehr Solar-Kapazität am Netz gewesen.
- Strompreis-Effekt: Laut Energy-Brainpool-Kurzstudie hätte der Spotmarkt-Strompreis im August 2022 um mehr als 8 Cent/kWh niedriger liegen können. Für einen 3.000-kWh-Haushalt netto 111 Euro Einsparpotenzial pro Jahr.
- CO₂-Effekt: Rund 33 Mio. Tonnen CO₂ weniger in 2021, ca. 13 % der CO₂-Emissionen des deutschen Stromsektors.
- Gas-Substitution: Laut CREA-Studie hätte Deutschland bei fortgesetztem Windausbau 2022 ein Gasvolumen im Wert von 23 Mrd. Euro einsparen können.
Einordnung
Der Artikel stützt sich auf zwei parallel veröffentlichte Studien: Energy Brainpool (im Auftrag des Solarunternehmens GP Joule) und das Centre for Research on Energy and Clean Air (CREA, Helsinki). Beide Studien sind thematisch anschlussfähig, beruhen auf unterschiedlichen methodischen Ansätzen und kommen zu konvergenten Schlüssen: Der Rückgang des EE-Ausbaus nach 2012 hatte messbare ökonomische und klimapolitische Kosten.
Einzuordnen ist, dass GP Joule als Auftraggeber der Energy-Brainpool-Studie wirtschaftliches Eigeninteresse am Solarausbau hat. Die konkrete Methodik der Studie (Kontrafaktische Modellierung auf Basis von historischen Ausbauraten) ist jedoch etabliert; die Zahlen sind durch CREA zusätzlich unterfüttert.
Fazit
Belastbarer Artikel mit zwei solide dokumentierten Kontrafaktik-Studien. Eignet sich als Primärquelle für die konkreten Kostenschätzungen (8 ct/kWh Einsparpotenzial, 111 Euro Haushaltsersparnis, 30.000 MW Wind- + 20.000 MW Solar-Nachholbedarf).
