Link Beschreibung
Evergreen-Artikel des Mediendienstes Integration mit Langzeitbefund: Seit 2005 ist die Zahl der Ausländer in Deutschland um über 70 % gestiegen, die Kriminalitätsrate im gleichen Zeitraum dagegen um rund 14 % gesunken (2005: 7.621 Straftaten pro 100.000 EW, 2024: 6.555). Auch die Gewaltkriminalität blieb nahezu unverändert (2005: 258 Fälle/100.000 EW, 2024: 256). Widerlegt damit den populären Zusammenhang "mehr Migration = mehr Kriminalität".
Faktenfackel Bewertung
Einordnung
Der Mediendienst Integration stellt eine zentrale Frage der öffentlichen Debatte auf Basis der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) des BKA - und beantwortet sie mit Daten. Der Langzeitbefund ist eindeutig: Während die ausländische Bevölkerung in Deutschland zwischen 2005 und 2024 um über 70 % gewachsen ist, sank die allgemeine Kriminalitätsrate im selben Zeitraum um rund 14 %. Die Gewaltkriminalität blieb nahezu unverändert.
Besonders aussagekräftig ist der Vergleich bis 2019, also vor der Corona-Pandemie: Zwischen 2005 und 2019 sank die Zahl der Straftaten (ohne ausländerrechtliche Verstöße) um 16 %, während die Zahl der Ausländer um 39 % stieg. Laut BMI-Bericht PKS 2024 lagen die Straftaten 2024 noch immer 11,7 % unter dem Niveau von 2005.
Die Befunde des Mediendienstes werden durch unabhängige Forschung bestätigt. Ein Aufsatz von Joop Adema und Jean-Victor Alipour vom ifo Institut ("Steigert Migration die Kriminalität? Ein datenbasierter Blick", ifo Schnelldienst Digital 3/2025) analysierte PKS-Daten auf Kreisebene für 2018-2023 und kommt zum gleichen Ergebnis: Im untersuchten Zeitraum lässt sich kein Zusammenhang zwischen Veränderungen im regionalen Ausländeranteil und der lokalen Kriminalitätsrate nachweisen, weder für Straftaten insgesamt noch für die meisten Deliktgruppen. Die Überrepräsentation von Ausländern in der PKS erklärt sich laut der Studie vor allem dadurch, dass Ausländer häufiger in Ballungsräumen mit strukturell höherer Kriminalitätsdichte leben, nicht durch ihre Herkunft an sich.
CORRECTIV hat in einem Faktencheck zur PKS 2025 fünf verbreitete Fehlinterpretationen der Statistik analysiert und kommt zu einem komplementären Befund: Die Tatverdächtigenbelastungszahl sank von 2009 bis 2024 um 11,3 %, obwohl die absoluten Zahlen der Tatverdächtigen ähnlich blieben. Absolute Zahlen steigen schlicht mit dem Bevölkerungswachstum. Zudem erfasst die PKS nur Tatverdächtige, keine Täter: Rund 60 % der Ermittlungsverfahren werden eingestellt.
Der Mediendienst selbst weist auf wichtige Nuancen hin: Nach der Corona-Pandemie sind Straf- und Gewalttaten wieder gestiegen. Die Forschungslage zum Zusammenhang von Migration und Kriminalität ist nicht eindeutig, insbesondere bei Teilgruppen und bestimmten Delikten. Einzelne Studien finden kleinere, statistisch signifikante Effekte bei bestimmten Straftaten oder Personengruppen. Der Langzeittrend zeigt jedoch klar: Die pauschale Behauptung "mehr Migration führt zu mehr Kriminalität" wird durch die Daten nicht gestützt.
Fazit
Der Artikel des Mediendienstes Integration ist korrekt und gut belegt. Die PKS-Daten widerlegen die populäre Kausalbehauptung "mehr Migration = mehr Kriminalität" klar, werden durch das ifo-Institut und CORRECTIV unabhängig bestätigt, und der Mediendienst ordnet die Befunde mit angemessener wissenschaftlicher Differenziertheit ein.
