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Stand: 16.04.2026

Atom-Zwist in der CSU: Söder droht mit Rücktritt

Link Beschreibung

Im Streit zwischen CSU und FDP um den Atomausstieg in Bayern drohte Markus Söder (CSU) als Umweltminister mit Rücktritt, falls sich der Freistaat auf einen späteren Zeitpunkt als 2022 für den Atomausstieg festlegt. Söder hatte am Dienstag, dem 24. Mai 2011 im Ministerrat erklärt, wenn das Datum überschritten werde, habe "dies tiefgreifende Konsequenzen" für das Kabinett wie auch für ihn "ganz persönlich". Der Artikel basiert auf einer Meldung der Nachrichtenagentur dapd.

Faktenfackel Bewertung

Einordnung

Der Artikel dokumentiert einen Koalitionsstreit in der damaligen bayerischen CSU/FDP-Regierung, der sich unmittelbar nach der Atomkatastrophe von Fukushima (März 2011) entzündete. Kern des Konflikts war das Abschaltzeitpunkt für das Kernkraftwerk Isar 2: Die CSU bestand auf 2022, die FDP plädierte für 2025. Söder, damals Umwelt- und Gesundheitsminister, nahm eine auffällig scharfe Pro-Atomausstieg-Position ein und trieb die Auseinandersetzung mit seiner Rücktrittsdrohung auf die Spitze.

Der dapd-Bericht wird durch weitere zeitgenössische Quellen gestützt. Ein Deutschlandfunk-Feature vom 14. Juli 2011 zeichnet ausführlich nach, wie Söder nach Fukushima "schneller als irgendeiner seiner Kollegen" ein Atom-Ausstiegs-Konzept präsentierte und zur Symbolfigur des "Spektralwandels der CSU" wurde. Söder selbst erklärte im DLF-Interview, er habe "für mich das Restrisiko völlig neu bewertet", als er die Bilder aus Fukushima sah.

Die Drohung fiel in einen breiteren Kontext: Die CSU wollte nach dem für sie desaströsen Ergebnis der Landtagswahl in Baden-Württemberg im März 2011 (historische Niederlage der CDU nach Fukushima) ihre grüne Flanke absichern. Hubert Aiwanger (Freie Wähler) kommentierte die Rücktrittsdrohung mit den Worten: "Der schwarz-gelbe Kittel brennt und Söder will nicht mit schuld sein an einer Wahlniederlage 2013 in Land und Bund."

Bemerkenswert ist der spätere Meinungswandel Söders: Als Ministerpräsident ist er seit den 2020er Jahren einer der lautstärksten Befürworter einer Rückkehr zur Kernenergie und wirft anderen Parteien vor, mit dem Atomausstieg Fehler gemacht zu haben. Söder verbreitet dabei teils falsche Behauptungen über den Stand der Kerntechnologie. Das steht im direkten Widerspruch zu seiner Haltung von 2011.

Fazit

Der Artikel belegt zuverlässig, dass Söder 2011 als bayerischer Umweltminister mit Rücktritt drohte, falls Bayern nicht bis 2022 aus der Kernkraft aussteigen würde. Das Dokument ist ein wichtiger Beleg für Söders damalige Positionierung und seinen späteren Meinungswandel in der Energiepolitik.