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Stand: 21.05.2026

t-online: "Nius" rutscht tiefer in die roten Zahlen

Link Beschreibung

t-online wertet die neu veröffentlichten Bilanzdaten des rechtspopulistischen Portals Nius (Julian Reichelt) aus. Demnach verbuchte die Muttergesellschaft Vius 2024 einen Verlust von rund 16,2 Millionen Euro, nach 3 Millionen (2022) und 13,8 Millionen (2023), zusammen rund 33 Millionen Euro in drei Jahren. Der Multimillionär und CompuGroup-Gründer Frank Gotthardt hatte bis Ende 2024 insgesamt 37,4 Millionen Euro zugeschossen. Die Abo-Erlöse sind vergleichsweise gering, die Reichweite zuletzt auf einem Rekordtief.

Faktenfackel Bewertung

Einordnung

Die Zahlen stammen direkt aus dem im Unternehmensregister hinterlegten Jahresabschluss der Vius SE & Co. KGaA für das Geschäftsjahr 2024. t-online-Redakteur Lars Wienand hat die Rohdaten selbst ausgewertet; die Kernergebnisse wurden von turi2 und weiteren Medien aufgegriffen und bestätigt.

Die Verlustentwicklung ist deutlich: 3 Millionen Euro im Rumpfjahr 2022, 13,8 Millionen Euro 2023, 16,2 Millionen Euro 2024, macht kumuliert rund 33 Millionen Euro Verlust in drei Jahren. Die Kapitalrücklage, die Gotthardt bis Ende 2024 auf insgesamt 37,4 Millionen Euro aufgestockt hat, hält das Unternehmen bilanziell über Wasser - es ist formal nicht überschuldet, weil die Verluste durch frisches Investorengeld gedeckt werden.

Noch aussagekräftiger sind die Abo-Zahlen: Wienand leitet aus den passiven Rechnungsabgrenzungsposten ab, dass Nius 2024 weniger als 1.000 Jahresabonnements hatte und unter 100.000 Euro Aboerlöse erzielte. Ein geleakter interner Datensatz, dessen Echtheit Julian Reichelt gegenüber Correctiv bestätigte, zeigt für den Zeitraum Juli 2023 bis Juni 2025 Gesamteinnahmen durch Abonnements von rund 350.000 Euro, laut Correctiv darunter auch Abos von Mitarbeitenden und Brigitte Gotthardt, der Ehefrau des Hauptfinanziers. Im gleichen Zeitraum hat Vius laut Correctiv mindestens 1,4 Millionen Euro für politische Online-Werbung ausgegeben, also mehr als das Vierfache der gesamten Aboerlöse.

Die Reichweitenzahlen verstärken das Bild: Laut meedia.de (auf Basis von Similarweb) verzeichnete nius.de im April 2026 nur noch 3,5 Millionen Visits - weniger als im Juli 2023, als das Portal gerade online ging, und weit unter dem Rekordwert von 9,54 Millionen Visits im August 2024. Nius liegt damit auf Platz 171 unter den deutschen Online-Medien.

Zum Hintergrund von Finanzier Frank Gotthardt: Er ist Gründer der CompuGroup Medical, eines der größten Anbieter von IT-Software für Arztpraxen und Kliniken. Sein Vermögen ist laut Handelsblatt auf geschätzt über 500 Millionen Euro (Stand 2024) gesunken - frühere Schätzungen (2020) beliefen sich laut Medienberichten noch auf rund 1,4 Milliarden Euro. Gotthardt hält 87 Prozent an Vius und hat sich im Gesellschaftsvertrag abgesichert: Ein eventueller künftiger Gewinn fließt so lange ausschließlich zu ihm, bis seine Einlagen zuzüglich sechs Prozent Zinsen ausgeglichen sind. Personen aus seinem Umfeld bezifferten gegenüber der Zeit bereits 2024 das Gesamtbudget für Nius auf bis zu 50 Millionen Euro.

Nius ist zudem 2024 mit 75 Prozent in das österreichische Pendant Exxpress eingestiegen, das laut derstandard.at 2024 selbst 6,92 Millionen Euro Verlust machte. Die Beteiligung erscheint in der Vius-Bilanz als Finanzanlage und belastet die Mutterbilanz nicht direkt, doch t-online schätzt, dass Gotthardt auch für Exxpress nachschießen musste.

Das Gesamtbild: Nius ist kein Medienunternehmen, das sich über Reichweite, Werbung oder Abos trägt. Es ist ein dauerhaft defizitäres Projekt, das ausschließlich durch das persönliche Vermögen eines Investors am Leben gehalten wird. Die inhaltliche Ausrichtung - rechtspopulistisch, mit nachgewiesenen Falschbehauptungen - ist kein Betriebsunfall, sondern nach eigenen Angaben der Macher politisches Programm: Gotthardt erklärte in einem Interview mit kress, er handle aus "staatsbürgerlicher Verantwortung", die "Übermacht der eher linken Medien" erfordere ein Gegengewicht im konservativen Bereich. Die Zeit berichtete, Reichelt beschreibe Nius als "Bewegung", nicht als kommerzielles Medium.

Fazit

Die Finanzzahlen aus dem Unternehmensregister sind valide und mehrfach unabhängig bestätigt. Der t-online-Artikel liefert eine solide Auswertung der Primärquelle, ergänzt durch Kontext zur Reichweite und zum Finanzierungsmodell. Nius ist kein wirtschaftliches Medienunternehmen, sondern ein mäzenatisch finanziertes politisches Projekt - mit steigenden Verlusten, schwindender Reichweite und einem Investor, der nach eigener Darstellung auf eine politische Wirkung abzielt, nicht auf Rendite.

Verwendungen

Lagerfeuer