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Stand: 20.04.2026

Rechte Gewalt in Brandenburg: Neonazis dringen bei Cottbusser Pfarrer ein

Link Beschreibung

taz-Bericht vom 20. April 2026 über einen Übergriff mutmaßlicher Neonazis auf den Cottbusser Pfarrer Lukas Pellio am 16. April 2026. Zwei Angreifer drangen in das Wohnhaus ein, traten die Haustür ein und randalierten vor der Wohnung. Pellio engagiert sich seit Jahren gegen Rechtsextremismus und ist Sprecher der Initiative Sichere Orte Südbrandenburg. Bischof Stäblein der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz zeigte sich "schwer schockiert". Laut Opferperspektive e.V. hinterließen die Täter rechte Aufkleber am Briefkasten, darunter einen Sticker mit der Aufschrift "Piss dich nach Berlin", der zuvor bereits bei einer rechtsextremen Hetzkampagne gegen Lehrerinnen und Lehrer in Burg im Spreewald eingesetzt worden war. Gleichzeitig und in derselben Straße wurde eine antifaschistisch aktive Person von einem jugendlichen Neonazi auf dem Fahrrad bedrängt und ihr ein Antifa-Button gestohlen. Der Staatsschutz hat in beiden Fällen die Ermittlungen übernommen, ermittelt wird wegen Hausfriedensbruch, illegalem Plakatieren, Nötigung und Diebstahl.

Faktenfackel Bewertung

Einordnung

Der Vorfall fügt sich in ein dokumentiertes Muster rechter Gewalt in der Region ein. Die Opferperspektive veröffentlichte für 2025 einen Jahresbericht mit einem neuen Höchststand rechter Gewalttaten in Brandenburg: 290 rechte, rassistische, antisemitische und queerfeindliche Angriffe, ein Anstieg gegenüber 273 im Vorjahr. Cottbus verzeichnete mit 38 Angriffen die zweithöchste Anzahl aller Städte und Landkreise in Brandenburg. Bereits wenige Wochen vor dem Angriff auf Pellio hatte die taz über diesen Höchststand berichtet.

Der Angriff auf Pellio ist in seiner Symbolik gezielt: Als Sprecher der Initiative Sichere Orte Südbrandenburg ist er ein öffentliches Gesicht des zivilgesellschaftlichen Widerstands. Die Initiative vernetzt rund 15 soziale, politische und subkulturelle Orte in Südbrandenburg, die sich gegen rechtsextreme Übergriffe zusammengeschlossen haben. Dass die Täter bis ins Wohnumfeld des Pfarrers vordringen und rechte Sticker hinterlassen, zeigt die Bereitschaft, Einschüchterung in den privaten Raum zu tragen.

Bischof Christian Stäblein erklärte laut taz: "Der Angriff auf die Wohnung, und damit auf unseren Pfarrer in Cottbus, hat mich schwer schockiert." Der Superintendent Georg Thimme schrieb auf Instagram: "Dass ein Pfarrer, der sich klar positioniert und Verantwortung in unserer Gesellschaft übernimmt, bedroht wird, ist ein Angriff auf uns alle." Die Polizei Brandenburg bestätigte der taz, dass der Staatsschutz die Ermittlungen übernommen hat.

Ricarda Budke von der Initiative Sichere Orte Südbrandenburg warnte, die extreme Rechte versuche weiterhin, ihren Dominanzanspruch in Cottbus zu demonstrieren und Menschen einzuschüchtern, die sich für den Erhalt der Demokratie engagieren. Dorina Feldmann von der Opferperspektive sprach von einer "traurigen Realität, die niemals hingenommen werden darf."

Fazit

Der taz-Bericht ist journalistisch belegt: Die Kirche bestätigte den Vorfall, die Polizei Brandenburg bestätigte die Übernahme durch den Staatsschutz, die Opferperspektive war als Beratungsstelle unmittelbar eingebunden. Der Angriff ist Teil eines belegten Musters eskalierender rechter Gewalt in Cottbus und Brandenburg.