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Stand: 04.08.2026

Tichys Einblick überträgt eine Madrider Altersprüfungsquote auf die Ankommenden in Ceuta

Irreführend

Link Beschreibung

Tichys Einblick berichtete am 1. August 2026 unter dem Titel "Ceuta: Etwa 7.000 angeblich Minderjährige sollen aufs Festland", die spanische Regierung wolle bis zu 7.000 in Ceuta als minderjährig erfasste Personen auf die Regionen verteilen. Um Zweifel an dieser Einstufung zu begründen, führt der Text Zahlen aus Madrid an: Von 848 im Jahr 2024 eingeleiteten Altersfeststellungsverfahren seien 470 eingestellt worden, weil die Betroffenen verschwanden; von den verbliebenen 378 Untersuchten seien nur 112 minderjährig gewesen und 266 volljährig. Daraus wird der Satz "Sieben von zehn geprüften angeblichen Minderjährigen waren Erwachsene" und die Schlussfolgerung, Minderjährigkeit werde "massenhaft als Eintrittskarte missbraucht".

Faktenfackel Bewertung

Einordnung

Die Madrider Zahlen sind korrekt wiedergegeben. Der Fehler liegt darin, welche Zahl ausgewählt und worauf sie übertragen wird.

Der weggelassene Landesdurchschnitt. Madrid ist bei dieser Quote der Ausreißer nach oben, und die Quelle, aus der die Zahlen stammen, sagt das ausdrücklich. Landesweit lag der Anteil 2024 bei 39 Prozent, ermittelt in 6.282 abgeschlossenen Verfahren mit 2.457 Volljährigen. Auf den Kanarischen Inseln, wo die meisten Verfahren dieser Art anfallen, waren es 28 Prozent bei 538 Verfahren (Euronews). Der Text nennt den höchsten regionalen Wert und lässt die beiden Vergleichswerte weg, obwohl er selbst darauf hinweist, dass die angewandte Verteilungsregelung ursprünglich für die Kanaren geschaffen wurde. Genau die dafür einschlägige Quote, 28 Prozent, kommt nicht vor.

Die Vorauswahl. Eine Altersfeststellung wird nicht bei allen Ankommenden durchgeführt, sondern dann eingeleitet, wenn die zuständige Stelle das angegebene Alter bezweifelt. Die Quote beschreibt also den Anteil der Volljährigen unter den bereits Verdächtigten, nicht unter allen, die sich als minderjährig ausgeben. Aus "sieben von zehn Geprüften" wird im Text jedoch eine Aussage über die Verlässlichkeit der Einstufung insgesamt. Dass in Madrid ein struktureller Engpass hinzukommt, alle Handwurzelröntgenaufnahmen laufen über ein einziges Krankenhaus, mit Wartezeiten bis zu acht Monaten, verstärkt diese Vorauswahl zusätzlich.

Der Ortswechsel und der Zeitsprung. Die Zahlen stammen aus Verfahren des Jahres 2024 in der Autonomen Gemeinschaft Madrid. Sie werden ohne Zwischenschritt zum Maßstab für Menschen gemacht, die Ende Juli 2026 in Ceuta ankamen, also anderes Jahr, anderer Ort, andere Herkunfts- und Altersstruktur. Ein Beleg dafür, dass die Quote übertragbar wäre, wird nicht angeführt.

Was tatsächlich aus den 7.000 wurde. Die Zahl selbst ist keine Erfindung von Tichys Einblick, sondern stammt aus dem Appell von Ministerpräsident Pedro Sánchez an die Regionen vom 31. Juli (El Español). Sie war zu hoch, allerdings aus einem anderen Grund als dem im Text vermuteten: Am 3. August meldete die Stadtverwaltung von Ceuta 862 tatsächlich in Obhut genommene unbegleitete Minderjährige und rechnete damit, dass die Zahl im Zuge der Identifizierung über tausend steigen könnte (Euronews). Der Rückgang von 7.000 auf gut 800 erklärt sich vor allem daraus, dass die große Mehrheit aller Angekommenen freiwillig nach Marokko zurückkehrte, nicht durch aufgedeckten Altersbetrug. Das Misstrauen gegenüber der Zahl war im Ergebnis berechtigt, die dafür gegebene Begründung trägt es nicht.

Am Rand bemerkenswert ist die Wortwahl. Der Text spricht von "Invasoren" und "Eingedrungenen" und endet mit dem Satz, auch einer Weiterreise nach Deutschland stehe damit nichts mehr im Weg, obwohl die EU-Kommission zwei Tage zuvor bestätigt hatte, dass niemand das europäische Festland erreicht hat.

Fazit

Die Behauptung ist irreführend. Die Madrider Zahlen von 2024 sind korrekt zitiert, taugen aber nicht als Maßstab für Ceuta 2026: Sie stammen aus einer Vorauswahl bereits bezweifelter Fälle, sie sind der bundesweit höchste Regionalwert, und der landesweite Durchschnitt von 39 Prozent wie auch der kanarische Wert von 28 Prozent bleiben unerwähnt, obwohl gerade die kanarische Regelung hier angewandt wird. Die Zahl von 7.000 erwies sich tatsächlich als zu hoch, in Obhut waren am 3. August 862 Minderjährige. Der Grund dafür ist jedoch die freiwillige Rückkehr der meisten Angekommenen, nicht der behauptete massenhafte Altersbetrug.

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