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Stand: 24.08.2026

Tichys Einblick: Täglich 767 Muslime nach Deutschland

Falsch

Link Beschreibung

Beitrag von Richard Schmitt bei Tichys Einblick vom 23. August 2026 unter der Überschrift "Zahl der Muslime in Deutschland auf sieben Millionen verdoppelt". Grundlage ist der BAMF-Forschungsbericht 55 von Anja Stichs. Der Text macht aus dem Vergleich zweier Hochrechnungen eine tägliche Zuwanderungszahl.

Faktenfackel Bewertung

Was der Bericht sagt

Der Forschungsbericht 55 des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge ist eine Hochrechnung, keine Zählung. Sein Ergebnis: "Im Jahr 2025 lebten zwischen 6,6 Millionen (Mio.) und 7,0 Mio. muslimische Religionsangehörige mit Migrationshintergrund aus den berücksichtigten islamisch geprägten Herkunftsländern in Deutschland." Das sind 8,0 bis 8,5 Prozent der 82,7 Millionen Einwohner. Datengrundlage sind die Erstergebnisse des Mikrozensus 2025 und die Studie "Muslimisches Leben in Deutschland 2020".

Gezählt wird also eine eng umrissene Gruppe: Menschen mit Migrationshintergrund aus 23 berücksichtigten Herkunftsländern, denen über die Studie von 2020 ein Anteil muslimischer Religionszugehörigkeit zugeschrieben wird. Wer ohne Migrationshintergrund zum Islam konvertiert ist oder aus einem nicht berücksichtigten Land stammt, taucht in der Zahl nicht auf. Der Bericht sagt das ausdrücklich.

Der Satz, den der Text übergeht

Zur Veränderung über die Zeit trifft der Bericht eine ausdrückliche Einschränkung. Der Anteil an der Bevölkerung sei zwischen 2019 und 2025 um 1,6 bis 1,8 Prozentpunkte gestiegen, heißt es dort, und dann wörtlich:

Aussagen über die Entwicklung der absoluten Zahl der muslimischen Religionsangehörigen im Zeitverlauf können demgegenüber nicht sinnvoll getroffen werden.

Begründet wird das mit der Fortschreibung der amtlichen Bevölkerungszahlen zwischen zwei Zensuserhebungen: Sowohl der Zensus 2011 als auch der Zensus 2022 ergaben rückblickend, dass die ausländische Bevölkerung in der Zwischenzeit deutlich überschätzt worden war.

Genau diese Aussage macht der Text trotzdem, und zwar dreimal. Zuerst rechnet er den Anteilsanstieg in Köpfe um:

Innerhalb von nur fünf Jahren ist der Anteil also um 1,8 Prozentpunkte gewachsen, das sind 1,4 Millionen Muslime mehr

Zur Veranschaulichung folgt der Vergleich mit der Einwohnerzahl Münchens.

Dann spricht er von einer "Verdopplung der muslimischen Bevölkerung innerhalb von gut zwei Jahrzehnten". Und schließlich wird aus dem Zuwachs eine Bewegung: "Im Tagesdurchschnitt kamen somit 767 Muslime nach Deutschland." Alle drei Angaben sind Aussagen über die absolute Zahl im Zeitverlauf, also über das, wozu die zitierte Quelle keine Auskunft geben will.

Wie die 767 entstehen

Die Rechnung dahinter ist leicht zu rekonstruieren. Die Hochrechnung für 2019 ergab 5,3 bis 5,6 Millionen, die für 2025 nun 6,6 bis 7,0 Millionen. Der Text nimmt an beiden Enden den oberen Rand, 5,6 und 7,0, bildet die Differenz von 1,4 Millionen und teilt sie durch fünf Jahre und 365 Tage. Das ergibt 767.

Damit häufen sich drei Fehler übereinander. Erstens werden zwei Konfidenzintervalle wie Punktwerte behandelt; am unteren Rand gerechnet wären es 1,0 Millionen statt 1,4. Zweitens wird der Abstand zwischen zwei Schätzungen zu einer Zuwanderung erklärt. Der Migrationshintergrund umfasst aber ausdrücklich auch die in Deutschland geborenen Nachkommen Zugewanderter; wer hier zur Welt kommt, ist nicht eingewandert. Sterbefälle und Fortzüge fehlen in der Rechnung ebenfalls. Drittens liegen zwischen den beiden Hochrechnungen sechs Jahre, nicht fünf.

Der Bericht selbst nennt sogar einen Grund, die Zahl eher für zu hoch zu halten: Bei Menschen mit irakischem Migrationshintergrund lägen "starke empirische Belege" dafür vor, dass die Zahl der muslimischen Religionsangehörigen in der aktuellen Hochrechnung überschätzt werde.

Was zutreffend wiedergegeben ist

Die Einzelwerte sind nicht erfunden. Sieben Millionen und 8,5 Prozent stehen im Bericht, ebenso 82,7 Millionen Einwohner und der Anstieg um 1,8 Prozentpunkte seit 2019. Auch der Befund selbst ist unstrittig: Der muslimische Bevölkerungsanteil ist deutlich gestiegen, vor allem durch Fluchtzuwanderung aus Syrien und dem Irak. Der Bericht beschreibt das über den Wandel der Herkunftsgruppen, der Anteil Türkeistämmiger sank von 64,4 Prozent im Jahr 2008 auf 39,4 Prozent 2025.

Dass der Text durchgehend den oberen Rand der Spannen als feste Zahl setzt, ist für sich genommen noch Zuspitzung. Zur Falschaussage wird es erst dort, wo aus den Rändern eine Differenz und aus der Differenz eine tägliche Einwanderungsrate wird.

Fazit

Die Behauptung ist falsch. Es gibt keine Grundlage für die Aussage, es seien täglich 767 Muslime nach Deutschland gekommen. Die Zahl entsteht, indem der Abstand zwischen den oberen Rändern zweier Hochrechnungen durch Tage geteilt und das Ergebnis als Zuwanderung ausgegeben wird. Der Bericht, auf den sich der Text beruft, schließt Aussagen über die Entwicklung der absoluten Zahl ausdrücklich aus und begründet das mit der bekannten Überschätzung der ausländischen Bevölkerung zwischen zwei Zensuserhebungen. Belastbar ist allein die Veränderung des Anteils: 1,6 bis 1,8 Prozentpunkte seit 2019.