Link Beschreibung
Die IG Metall argumentiert in diesem Artikel gegen eine Erhöhung des Renteneintrittsalters und stützt sich dabei auf eine Umfrage des Kantar-Instituts im Auftrag der IG Metall. Zentrale Befunde: 55 Prozent der Beschäftigten glauben, ihren Job nicht bis 67 ausüben zu können; bei körperlich belastenden Berufen steigt dieser Anteil auf 90 Prozent. Fast die Hälfte der Arbeitslosen über 55 ist langzeitarbeitslos, und die Zahl der arbeitslosen 60- bis 64-Jährigen hat sich zwischen 2009 und dem Erhebungszeitpunkt von rund 92.000 auf rund 269.000 fast verdreifacht. 86 Prozent der Befragten lehnen eine weitere Erhöhung des Rentenalters ab.
Faktenfackel Bewertung
Einordnung
Die IG Metall ist als Gewerkschaft eine klar interessengeleitete Quelle in der Rentendebatte. Das muss bei der Einordnung berücksichtigt werden: Der Artikel argumentiert für die Interessen ihrer Mitglieder, nicht aus einer neutralen rentenpolitischen Perspektive. Die zitierten Umfragedaten stammen aus einer von der IG Metall selbst beauftragten Erhebung (Kantar), was die Auswahl der Fragen und die Kommunikation der Ergebnisse beeinflusst haben kann.
Gleichwohl sind die grundlegenden Argumente in der Sache nicht falsch: Dass viele Beschäftigte in körperlich belastenden Berufen die aktuelle Altersgrenze von 67 Jahren nicht erreichen können, ohne massive Abschläge in Kauf zu nehmen, ist durch unabhängige Forschung gut belegt. Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung und Forschungsinstitute wie das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) bestätigen, dass die Erwerbsminderungsrisiken ungleich verteilt sind und körperlich belastende Berufe stärker betroffen sind.
Die Forderung nach einem höheren Renteneintrittsalter wird hauptsächlich mit demografischen und fiskalischen Argumenten begründet (steigende Lebenserwartung, sinkende Erwerbsquote). Die IG Metall setzt dem die Verteilungsfrage entgegen: Wer profitiert, und wer trägt die Kosten? Das ist eine legitime politische Position, aber eben keine wertneutrale Analyse.
Fazit
Nützliche Quelle für die Arbeitnehmer-Perspektive auf die Rentenalter-Debatte und für konkrete Umfragedaten zur Arbeitsfähigkeit im Alter. Als gewerkschaftliche Interessenvertretung ist die IG Metall bei diesem Thema keine neutrale Instanz. Umfragedaten aus eigener Beauftragung sollten durch unabhängige Studien ergänzt werden.
