Widersetzen
Bundesweites antifaschistisches Aktionsbündnis, das Massenblockaden gegen AfD-Parteitage koordiniert.

Über die Quelle
Widersetzen ist ein bundesweites Aktionsbündnis, das sich zivilen Ungehorsam und Massenblockaden gegen Parteitage der Die "Alternative für Deutschland" und rechtsextreme Aufmärsche auf die Fahnen geschrieben hat. Nach eigenen Angaben trägt sich das Bündnis aus rund 90 lokalen Ortsgruppen quer durch Deutschland, dazu kommen Gewerkschafter, Klimaaktivisten, queere und antirassistische Gruppen, kirchliche Initiativen sowie Nachbarschafts- und Elterngruppen.
Formaler Träger ist die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA), deren Bundesgeschäftsführer Thomas Willms von evangelisch.de als "Gründer des bundesweiten Bündnis 'widersetzen'" bezeichnet wird; auch Apollo News benennt die VVN-BdA als organisatorische Basis. Über das Spendenkonto der VVN-BdA wickelt das Bündnis auch seine Finanzen ab.
Widersetzen ist als loses Bündnis ohne eigene Rechtsform organisiert. Die operative Arbeit läuft über eine Bundeskoordination, Arbeitsgruppen und die lokalen Ortsgruppen, die eigenständig über E-Mail, Signal, Telegram und Instagram kommunizieren.
Vorgeschichte und Aktionen
- Riesa, 11. Januar 2025: Erste bundesweit koordinierte Großaktion beim AfD-Bundesparteitag in Riesa. Nach Angaben des Bündnisses beteiligten sich rund 15.000 Menschen an den Blockaden; die Polizei hatte im Vorfeld rund 10.000 Demonstrierende erwartet (Wikipedia: Bundesparteitag der AfD 2025). Laut evangelisch.de reisten Demonstrierende in mehr als 100 Reisebussen aus etwa 70 Städten an; die taz nennt sogar mehr als 200 gebuchte Busse. Der Parteitag begann mit mehr als zwei Stunden Verspätung.
- Erfurt, 4.-6. Juli 2026: Blockaden gegen den 17. AfD-Bundesparteitag. Nach Angaben von Widersetzen 50.000 Teilnehmer an Demonstrationen, davon rund 17.000 an Blockaden; Polizei zählte 31.000 Demonstrierende und rund 10.000 an Blockaden. Der Parteitag konnte trotz Verzögerungen stattfinden, weil ein Teil der Delegierten vorab im Messehotel übernachtete (ZDFheute-Liveblog).
- Zwischen und nach diesen Großmobilisierungen: Kampagnen gegen die AfD im Vorfeld der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt.
Links
- Offizielle Webseite: widersetzen.com
- Instagram: @widersetzen
- taz-Debattenbeitrag der Organisatoren: Ziviler Ungehorsam gegen die AfD gehört zur Demokratie
Faktenfackel Bewertung
Einordnung
Widersetzen versteht sich selbst als Bündnis für zivilen Ungehorsam. Die Organisatoren argumentieren in einem taz-Debattenbeitrag, Blockaden gegen die AfD seien "Illegalität im Namen der Legitimität" und Ausdruck von Verfassungstreue. Rechtlich sind Sitzblockaden gegen genehmigte Parteiveranstaltungen umstritten. Der Verfassungsblog hat die Verhinderungsblockaden gegen Parteiveranstaltungen ausführlich juristisch eingeordnet - kein Freibrief, aber auch keine pauschale Verurteilung der Legalität.
Die Zusammensetzung des Bündnisses ist breit, reicht aber vom bürgerlich-kirchlichen Spektrum bis in linksradikale Strömungen. Dem formalen Träger VVN-BdA wurde 2019 vom bayerischen Finanzamt zeitweise die Gemeinnützigkeit aberkannt, weil das bayerische Landesamt für Verfassungsschutz die Organisation als linksextrem beeinflusst einstufte; die Entscheidung wurde später wieder revidiert. In anderen Bundesländern ist die VVN-BdA gemeinnützig anerkannt.
Umgang mit Journalisten: Nach dem Erfurter Parteitag geriet Widersetzen wegen einer Aussage der Sprecherin Noa Sander in die Kritik. Auf die Frage eines Deutschlandfunk-Journalisten nach Angriffen auf Reporter von Apollo News und Junge Freiheit antwortete sie: "Faschist*innen mit einem Presseausweis sind immer noch Faschist*innen. Sie sind auf unseren Aktionen nicht willkommen." Belegt bei t-online und Apollo News. Die Aussage ist journalistisch und rechtlich problematisch: Pressefreiheit gilt in Deutschland auch für Medien, die politisch weit rechts stehen; körperliche Angriffe auf akkreditierte Journalisten sind unabhängig von deren Ausrichtung Straftaten. Kritik kam auch aus Medien jenseits des rechten Spektrums: Die taz hielt fest, dass Widersetzen sich "nicht von dem Angriff distanzierte".
Kritik von rechts: Konservative und rechte Medien (Junge Freiheit, Apollo News, Tichys Einblick, Weltwoche, exxpress) framen Widersetzen durchgehend als "linksextrem" und stellen die Gemeinnützigkeit der VVN-BdA in Frage. Diese Zuschreibungen sind Teil einer politischen Auseinandersetzung, nicht eine behördliche Einstufung. Uns ist keine Einstufung von Widersetzen als Beobachtungsobjekt durch den Verfassungsschutz bekannt.
Fazit
Widersetzen ist ein reales, organisatorisch belegtes Bündnis mit erheblicher Mobilisierungskraft und einer klaren antifaschistischen Selbstpositionierung. Bei Teilnehmerzahlen liegen die eigenen Angaben regelmäßig über den Polizeischätzungen; bei Bewertungen Dritter (etwa der Zulässigkeit von Angriffen auf Journalisten) ist die Perspektive erkennbar Partei.