Link Beschreibung
EIKE veröffentlichte am 4. August 2026 die deutsche Übersetzung eines Beitrags von Samuel Furfari, erschienen bei Climate Change Dispatch unter dem Titel "Europe's Green Energy Transition Is A Delusion, Global Data Shows". Übersetzer ist Andreas Demmig. Der Text stützt sich auf die 75. Ausgabe des "Statistical Review of World Energy" des Energy Institute und behauptet, 86 Prozent des weltweiten Primärenergieverbrauchs stammten aus fossilen Brennstoffen, Solar und Wind zusammen nur 3 Prozent. Daraus folgert er, die Welt erlebe "einen Energiezuwachs, keinen Energiewandel", und Europas Klimapolitik sei eine teure Selbsttäuschung.
Faktenfackel Bewertung
Einordnung
Der Text rechnet nicht falsch. Er beantwortet eine andere Frage als die, für die er seine Zahl benutzt.
Zwei Nenner, zwei Zahlen. Der 3-Prozent-Wert bezieht sich auf den weltweiten Primärenergieverbrauch. Dieser Nenner umfasst alles: Strom, aber auch Verkehr, Industriewärme und Gebäudeheizung, also genau die Bereiche, die bislang kaum elektrifiziert sind und in denen Wind- und Solaranlagen deshalb naturgemäß wenig beitragen können. Misst man dort, wo Wind und Solar tatsächlich einspeisen, ergibt sich ein anderes Bild. Nach dem Global Electricity Review 2026 von Ember lag der Anteil von Wind und Solar an der globalen Stromerzeugung 2025 bei 17,3 Prozent, gegenüber 4,5 Prozent im Jahr 2015, also nahezu eine Vervierfachung in zehn Jahren. Alle erneuerbaren Quellen zusammen kamen auf 33,8 Prozent und lagen damit erstmals vor der Kohle, deren Anteil im selben Zeitraum von 38,7 auf 33,0 Prozent fiel (Ember, Global Electricity Review 2026).
Beide Zahlen sind richtig. Nur trägt die eine nicht die Aussage, für die sie eingesetzt wird. Wer die Wirksamkeit des Ausbaus von Wind und Solar bewerten will, muss dort messen, wo sie liefern, und getrennt davon fragen, wie weit Verkehr und Wärme elektrifiziert sind. Der Text verschmilzt beides zu einer einzigen Zahl und liest sie als Beleg für Wirkungslosigkeit.
Die "immer größer werdende Kluft". Furfari schreibt, die Realität sei in absoluten Zahlen eine wachsende Kluft zwischen erneuerbaren Technologien und fossilen Brennstoffen. Für den Stromsektor ist das für 2025 nicht haltbar. Wind und Solar wuchsen im selben Jahr um 841 Terawattstunden und deckten damit 99 Prozent des weltweiten Zuwachses der Stromnachfrage. Zusammen mit Kernkraft und weiteren emissionsarmen Quellen überstieg das Wachstum der sauberen Erzeugung den Anstieg der Nachfrage, sodass die fossile Stromerzeugung leicht zurückging, um 38 Terawattstunden. Die Kluft im Stromsektor hat sich 2025 also nicht geöffnet, sondern geschlossen.
Die Emissionsrechnung. Dass die EU ihre Emissionen um 554 Millionen Tonnen gesenkt hat, während sie anderswo um 3 Milliarden Tonnen stiegen, beschreibt ein reales Problem. Als Argument gegen europäische Klimapolitik taugt es trotzdem nicht, weil es die Struktur des Arguments umkehrt: Aus "andere tun zu wenig" folgt nicht "unsere Reduktion war nutzlos", sondern lediglich, dass sie nicht ausreicht. In dieser Form ist es eine Variante des Trittbrettfahrer-Arguments, das sich gegen jede Einzelmaßnahme jedes Landes richten lässt.
Die Wachstumsbehauptung. Der Text stellt das schwache europäische Wachstum 2025 den 2 Prozent der USA "unter der fossile freundlichen Trump-Regierung" gegenüber und legt einen Ursachenzusammenhang nahe. Belegt wird er nicht. Bemerkenswert ist der eingeräumte Gegenbefund: Furfari verweist selbst darauf, dass der Draghi-Bericht zur Wettbewerbsfähigkeit nicht die Klimapolitik verantwortlich macht, sondern die hohen Energiepreise, und nennt diese Unterscheidung einen "Taschenspielertrick". Damit erklärt er die einzige von ihm angeführte Autorität für befangen, weil sie zu einem anderen Ergebnis kommt als er.
Die Quellenkritik als Bumerang. Auffällig ist, wie der Text mit dem Umstand umgeht, dass der zitierte Bericht erneuerbare Energien positiver bewertet als frühere Ausgaben. Statt das inhaltlich zu prüfen, wird es mit der Zusammenarbeit des Energy Institute mit dem Thinktank Ember erklärt, also mit unterstellter Voreingenommenheit. Es ist derselbe Datenanbieter, dessen Stromzahlen die eigene Kernaussage entkräften.
Fazit
Die Behauptung ist irreführend. Der 3-Prozent-Wert ist keine Erfindung, sondern der Anteil von Wind und Solar am gesamten Primärenergieverbrauch, in dem Verkehr und Wärme mitzählen. Am Strom gemessen, wo diese Anlagen liefern, lag ihr Anteil 2025 bei 17,3 Prozent, fast viermal so viel wie zehn Jahre zuvor. Auch die behauptete wachsende Kluft ist für 2025 nicht belegt: Wind und Solar deckten 99 Prozent des Nachfragewachstums, die fossile Stromerzeugung ging leicht zurück. Richtig bleibt der Kern hinter der falschen Zahl, dass Verkehr und Wärme bislang kaum elektrifiziert sind und der globale Energiebedarf weiter steigt. Das ist ein Argument für schnelleren Umbau, nicht für dessen Sinnlosigkeit.
