Link Beschreibung
EIKE veröffentlichte am 2. August 2026 die deutsche Übersetzung eines Beitrags von H. Sterling Burnett vom Heartland Institute, erschienen auf climaterealism.com. Der Text greift einen Artikel des US-Fachmagazins "Governing" an, der extreme Hitze auf den Klimawandel zurückführt. Kernaussage: "Der Klimawandel verursacht nicht mehr Tage mit extremer Hitze", der Anstieg der Durchschnittstemperaturen gehe auf städtische Wärmeinseln zurück. Der Übersetzer stellt dem Text ausdrücklich die aktuelle deutsche Hitzewelle voran: "Vieles, was dazu zu sagen ist, schreibt das Heartland Institute bereits zu einer Hitzewelle in Teilen der USA."
Faktenfackel Bewertung
Einordnung
Der Text stützt sich auf drei Belegstränge. Zwei davon sind für sich genommen zutreffend, tragen die Schlussfolgerung aber nicht, der dritte ist widerlegt. Hinzu kommt, dass die Übertragung auf Deutschland durch nichts gedeckt ist.
Die 1930er Jahre. Dass US-Hitzewellen in den 1930er Jahren schwerer waren als heute, ist korrekt und steht so auch im Hitzewellen-Index der US-Umweltbehörde EPA. Verschwiegen wird der Grund: Die Extremwerte gehen auf die Dust-Bowl-Dürre zurück, bei der ausgelaugte Böden und fehlende Bodenfeuchte die Verdunstungskühlung ausschalteten. Verschwiegen wird außerdem die zweite Hälfte derselben Kurve. Dieselbe EPA-Auswertung hält fest, dass Häufigkeit und Saisonlänge von Hitzewellen seit den 1960er Jahren zugenommen haben (Our World in Data zum US-Hitzewellen-Index). Aus einem Ausreißer der 1930er wird so ein vermeintlicher Beweis, dass sich nichts ändert.
Die Wärmeinsel-Erklärung. Die Behauptung, der gemessene Anstieg gehe auf wachsende Städte zurück, ist empirisch geprüft und widerlegt. Zeke Hausfather und Kollegen verglichen 2016 die Stationen des älteren USHCN-Netzes mit den benachbarten Stationen des USCRN, das gerade deshalb existiert, weil seine Messpunkte bewusst in unbebautem Gelände liegen und für Jahrzehnte unbebaut bleiben sollen. Ergebnis: Die Trends stimmen überein, und die korrigierten USHCN-Werte unterschätzen den Anstieg der Höchsttemperaturen gegenüber dem wärmeinselfreien Referenznetz eher noch (Hausfather, Cowtan, Menne und Williams, Geophysical Research Letters 2016). Der Artikel beruft sich an anderer Stelle selbst auf das USCRN als "genaueste" Datenquelle, zieht aber nicht die Konsequenz daraus.
Kälte tötet mehr als Hitze. Auch das stimmt in absoluten Zahlen und geht auf eine breit angelegte Studie von Antonio Gasparrini zurück. Der Einwand geht am Thema vorbei, weil er einen Bestand beschreibt, aber keine Entwicklung. Genau diese Entwicklung hat dieselbe Forschungsgruppe inzwischen untersucht: Für 854 europäische Städte bis 2099 kommen Pierre Masselot und Gasparrini zu dem Ergebnis, dass die Zunahme der Hitzetoten den Rückgang der Kältetoten deutlich überwiegt, mit über 2,3 Millionen zusätzlichen temperaturbedingten Todesfällen ohne Gegenmaßnahmen. Die Studie widerspricht ausdrücklich der These, der Klimawandel bringe unterm Strich gesundheitliche Vorteile (Nature Medicine 2025, Zusammenfassung). Der Autor, auf dessen Zahlen sich das Kälte-Argument stützt, hat es damit selbst entkräftet.
Der Sprung nach Deutschland. Sämtliche Daten des Textes stammen aus den USA, einem Land, das rund zwei Prozent der Erdoberfläche ausmacht. Die Vorbemerkung des Übersetzers überträgt die Schlussfolgerung dennoch ohne jede Einschränkung auf die deutsche Hitzewelle. Für Deutschland liegt eine direkte Antwort vor: Der Deutsche Wetterdienst veröffentlichte im Juli 2026 eine Attributionsstudie zum Hitzeereignis im Juni 2026 und kommt zu dem Ergebnis, dass die Temperaturen in einem um 1,3 Grad kälteren Klima statistisch nicht möglich gewesen wären. Der heißeste Tag lag bundesweit 3,0 Grad über einem vorindustriellen Klima, über eine ganze Woche gemittelt 3,2 Grad, und vielerorts wurden für ein so frühsommerliches Ereignis Wiederkehrintervalle von 100 Jahren überschritten. Dieselbe Auswertung hält fest, dass das Robert-Koch-Institut für den Zeitraum vom 25. Juni bis 5. Juli 2026 6.020 hitzebedingte Todesfälle ermittelt hat (DWD).
Bemerkenswert ist, dass der Text die praktischen Empfehlungen des angegriffenen Artikels ausdrücklich lobt: Klimaanlagen, Kühlzentren, Trinkwasser, Schutz für Obdachlose und Pflegebedürftige. Bestritten wird nicht, dass Hitze tötet, sondern allein die Ursachenzuschreibung. Das ist das übliche Muster: Die Folgen werden anerkannt, die Ursache wird bestritten, und damit fällt jede Begründung für Klimaschutz weg.
Fazit
Die Behauptung ist falsch. Richtig ist, dass die schwersten US-Hitzewellen aus den 1930er Jahren stammen und dass Kälte in absoluten Zahlen mehr Menschen tötet als Hitze. Beides trägt die Schlussfolgerung nicht: Die 1930er sind ein durch die Dust-Bowl-Dürre erklärter Ausreißer, während dieselbe EPA-Statistik seit den 1960er Jahren steigende Hitzewellen-Häufigkeit zeigt; die Wärmeinsel-Erklärung ist am wärmeinselfreien Referenznetz geprüft und gescheitert; und der Kälte-Einwand beschreibt einen Bestand, während die Forschungsgruppe hinter diesen Zahlen für Europa eine deutliche Netto-Zunahme der temperaturbedingten Sterblichkeit vorhersagt. Für die deutsche Hitzewelle, auf die der Text gemünzt ist, existiert mit der DWD-Attributionsstudie ein direkter Gegenbefund.
