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Stand: 06.08.2026

EIKE: Der Rhein führte schon öfter mal viel weniger Wasser als heute

Irreführend

Link Beschreibung

Übersetzung eines Textes von Cap Allon (Electroverse/Climate Change Dispatch) durch Christian Freuer, veröffentlicht bei EIKE am 5. August 2026. Der Beitrag reagiert auf die Berichterstattung über den Rekordtiefstand des Rheinpegels bei Köln und wechselt dafür die Kennzahl: Statt der Pegelstände vergleicht er die Abflussmengen und listet historische Tiefstwerte auf (1853: 401 m³/s, 1864: 452 m³/s, 1929: 470 m³/s, 1947: 530 m³/s). Der aktuelle Tagesmittelwert von rund 636 bis 638 m³/s liege damit nicht unter den zehn niedrigsten Werten der Reihe. Der Text räumt selbst ein, dass Pegelstände wegen geänderter Messstandards, Sohlerosion und der Absenkung des Pegelnullpunkts im Jahr 1979 schlecht vergleichbar seien.

Faktenfackel Bewertung

Einordnung

Der methodische Kern des Textes ist nicht falsch: Für einen Vergleich über mehr als 170 Jahre ist die Abflussmenge in Kubikmetern pro Sekunde tatsächlich aussagekräftiger als der reine Pegelstand in Zentimetern, weil sich die Bezugshöhe eines Pegels über die Jahrzehnte verändert. Der Kölner Pegelnullpunkt wurde zuletzt am 1. November 1979 um rund einen Meter abgesenkt, 1982 und 2019 folgten weitere, kleinere Korrekturen (Wikipedia: Pegel Köln). Ein Pegelwert von vor 1979 lässt sich deshalb nicht ohne Umrechnung mit einem heutigen Wert vergleichen, wie der Text selbst einräumt.

Der Text nutzt diese berechtigte Einschränkung aber nur in eine Richtung. Die Zahlenbehauptung selbst stimmt: Die Informationsplattform Undine der Bundesanstalt für Gewässerkunde nennt für Köln 401 m³/s am 31. Dezember 1853 als niedrigsten je gemessenen Tagesabfluss, deutlich unter dem aktuellen Wert (Undine/BfG: Pegel Köln). Die aufgezählten historischen Vergleichswerte häufen sich aber auffällig im Winter: 1853 (31. Dezember), 1864 und 1929 fallen in die kalte Jahreszeit, in der niedrige Abflüsse historisch vor allem mit Eisbildung und geringerer Schneeschmelze zusammenhängen, nicht mit sommerlicher Verdunstung wie im aktuellen Fall. Nur der Wert von 1947 stammt aus einer Herbst-Dürre. Das Niedrigwasser vom August 2026 ist damit meteorologisch etwas anderes als die meisten der zum Vergleich herangezogenen historischen Ereignisse.

Der Pegelrekord, den der Text relativiert, ist zudem kein Kunstprodukt der Statistik: Der Kölner Pegel unterschritt am 1. August 2026 mit rund 66 bis 68 Zentimetern (je nach Quelle und Messzeitpunkt) den bisherigen, erst im Oktober 2018 aufgestellten Rekord von 69 Zentimetern (Wikipedia: Pegel Köln; Swissinfo: Rheinpegel erreicht bei Köln historischen Tiefstand). Diese Rekordkette (2003, Oktober 2018, August 2026) bezieht sich durchgehend auf den seit 1979 gültigen Nullpunkt und ist damit intern vergleichbar, anders als ein Vergleich mit Werten von vor 1979. Für die Binnenschifffahrt, für die der Pegelstand über die Fahrrinnentiefe direkt relevant ist, bleibt der Rekord deshalb aussagekräftig, auch wenn die Abflussmenge im historischen Vergleich unauffälliger ausfällt.

Die langfristige Einordnung der Internationalen Kommission zum Schutz des Rheins (IKSR) stützt zusätzlich eine differenziertere Sicht: Niedrigwasserextreme haben sich im 20. Jahrhundert vor allem im winterdominierten, nival geprägten südlichen Rheingebiet abgeschwächt, während diese Abmilderung in den sommer- und herbstbetonten Regionen des Rheins, wozu Köln zählt, ausbleibt. Für die zweite Hälfte des 21. Jahrhunderts erwarten die zugrundeliegenden Klimaprojektionen zudem einen deutlichen Rückgang der sommerlichen Niedrigwasserabflüsse (IKSR-Bericht Nr. 248: Bestandsaufnahme zu den Niedrigwasserverhältnissen am Rhein). Das spricht eher gegen als für die im Text nahegelegte Entwarnung.

Fazit

Die Zahlenbehauptung ist zutreffend: Der aktuelle Abfluss liegt tatsächlich über den zehn niedrigsten historischen Tagesmittelwerten am Pegel Köln. Als Beleg dafür, dass das aktuelle Niedrigwasser nichts Besonderes sei, trägt das Argument aber nicht: Es vergleicht überwiegend winterliches Eis-Niedrigwasser mit einem sommerlichen Dürre-Ereignis, wendet die selbst eingeräumte Nullpunkt-Problematik nur einseitig an und blendet aus, dass der parallel bestehende, methodisch saubere Pegelrekord für die Schifffahrt weiterhin gültig und relevant ist.