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Stand: 29.07.2026

EIKE behauptet Rekordtiefs bei der verbrannten Fläche und bestreitet den Klimabezug der Waldbrände

Irreführend

Link Beschreibung

Europäisches Institut für Klima und Energie (EIKE) veröffentlichte am 27. Juli 2026 eine von Christian Freuer angefertigte Übersetzung eines Textes von Anthony Watts (Climate Change Dispatch) unter dem Titel "Waldbrände sind ein ernstes Problem, den Klimawandel dafür verantwortlich zu machen ist jedoch abwegig". Der Beitrag beruft sich auf das Global Wildfire Information System der EU-Kommission und behauptet, 2026 verzeichneten Afrika, Amerika und Europa Rekordtiefs bei der verbrannten Fläche. Er erscheint während der laufenden Waldbrandsaison in Spanien und Frankreich.

Faktenfackel Bewertung

Einordnung

Die zentrale, unmittelbar überprüfbare Behauptung des Textes, Europa verzeichne 2026 ein Rekordtief bei der verbrannten Fläche, widerspricht den zeitgleichen Zahlen der EU-eigenen Waldbrandüberwachung. Das Europäische Waldbrandinformationssystem EFFIS registrierte bis zum 22. Juli 2026 EU-weit bereits 254.388 Hektar verbrannter Fläche, fast so viel wie im bisherigen Rekordjahr 2025 im selben Zeitraum (270.449 Hektar), und mit 1.254 erfassten Bränden mehr als doppelt so viele Feuer wie im Zwanzigjahresschnitt von 569 ingenieur.de: Über 254.000 ha verbrannt, Europas Waldbrand-Abwehr unter Druck (27. Juli 2026). Auch länderspezifisch zeigt sich das Gegenteil eines Tiefstands: In Spanien waren nach Angaben von Ministerpräsident Pedro Sánchez bis Ende Juli mehr als 150.000 Hektar verbrannt, das Sechsfache der Fläche im Vergleichszeitraum des Vorjahres, und Frankreich erreichte mit über 100.000 Hektar seit Jahresbeginn einen historischen Rekordwert, der den bisherigen Höchstwert von 72.000 Hektar aus dem Jahr 2022 übertrifft Time: Europe Is Heading for a Historic Wildfire Season (28. Juli 2026), L'essentiel: Warum die Brände in Frankreich und Spanien Rekorde brechen. Der Beitrag erschien am 27. Juli 2026, also mitten in dieser Entwicklung, unabhängig davon, welchen genauen Datenstand die im Text zitierte GWIS-Grafik zugrunde legt. Eine verwandte Argumentationsfigur, die aus einem eng gewählten Datenausschnitt einen fehlenden langfristigen Trend ableitet, nutzt zur gleichen Zeit auch ein Beitrag des Portals tkp.at zu Mittelmeer-Waldbränden.

Auch die parallele Behauptung, "ganz Amerika" habe die geringste Brandfläche seit einem Jahrzehnt, hält der Gegenprüfung nicht stand: Allein in Kanada wuchs die verbrannte Fläche Mitte Juli 2026 binnen weniger Tage sprunghaft auf rund 2,78 Millionen Hektar und lag damit bereits rund 300.000 Hektar über dem Zehnjahresschnitt der kanadischen Regierungsstatistik National Wildland Fire Summary Wildfire Today: Canada wildfire totals explode to historic highs (17. Juli 2026).

Der im Text behauptete langfristige weltweite Rückgang der insgesamt verbrannten Fläche ist dagegen real. Die 2017 in "Science" veröffentlichte Studie von Niels Andela und Kollegen zeigt einen globalen Rückgang der verbrannten Fläche um rund 24 Prozent innerhalb von 18 Jahren, mit dem stärksten Effekt in den Savannen und Graslandschaften Afrikas, Südamerikas und der eurasischen Steppe, wo Ausweitung und Intensivierung der Landwirtschaft das Feuerregime verändert haben. Im selben Zeitraum nahm die verbrannte Fläche in geschlossenen Wäldern dagegen eher zu Andela et al.: A human-driven decline in global burned area, Science 356 (2017). Der Text vermengt diesen globalen Savannen-Trend mit der Frage, wie sich die Waldbrandintensität in feuergefährdeten Regionen wie Südwesteuropa oder dem Westen Nordamerikas entwickelt, obwohl es sich um unterschiedliche Flächentypen und Feuerarten handelt. Für den Mittelmeerraum stellt der IPCC im Sechsten Sachstandsbericht mit hoher Sicherheit eine Zunahme der brandbegünstigenden Wetterbedingungen fest, wobei sich diese hohe Sicherheit auf die projizierte Entwicklung bezieht; die bereits seit etwa 1980 beobachtete Zunahme stuft der Bericht wegen dünner Datenlage nur mit geringer Sicherheit ein IPCC AR6 WG1, Kapitel 12: Climate Change Information for Regional Impact and for Risk Assessment.

Die Berufung auf eine Royal-Society-Studie zu über 800 Brandnarben-Standorten im Westen Nordamerikas ist im Kern korrekt: Die 2016 in "Philosophical Transactions of the Royal Society B" erschienene Arbeit von Thomas Swetnam und Kollegen zeigt anhand von Jahresring-Feuerchroniken, dass großflächige Brände vor rund 1900 häufiger auftraten als in den folgenden Jahrzehnten systematischer Brandunterdrückung, veränderter Landnutzung und Weidewirtschaft Swetnam et al.: Multiscale perspectives of fire, climate and humans in western North America and the Jemez Mountains, USA, Phil. Trans. R. Soc. B 371 (2016). Diese historische Einordnung wird durch eine 2025 in "Nature Communications" veröffentlichte Auswertung von 1.851 Feuerchronik-Standorten in den USA und Kanada ergänzt: Trotz eines bis heute fortbestehenden "Feuerdefizits" gegenüber der vorindustriellen Zeit hat die verbrannte Fläche in Nordamerika in den vergangenen Jahrzehnten deutlich zugenommen, und selbst als "Rekordjahr" geltende Jahre wie 2020 liegen im mehrhundertjährigen Vergleich im historischen Mittel Parks et al.: A fire deficit persists across diverse North American forests despite recent increases in area burned, Nature Communications 16 (2025). Der historische Befund widerlegt also nicht, dass die Brandfläche aktuell zunimmt, sondern ordnet sie lediglich in einen sehr langen Referenzzeitraum ein.

Fazit

Der Beitrag ist irreführend. Er stützt sich auf reale, korrekt wiedergegebene Einzelbefunde (den globalen Rückgang der Savannenbrandfläche und die historisch hohe Feuerhäufigkeit im vorindustriellen Nordamerika), verknüpft sie aber zu einer Gesamtaussage, die der zentralen, konkret überprüfbaren Behauptung widerspricht: Für Europa meldeten EFFIS und mehrere unabhängige Medien zum Zeitpunkt der Veröffentlichung kein Rekordtief, sondern eine der schlimmsten Waldbrandsaisons der vergangenen zwei Jahrzehnte.

Verwendungen

Weitere Quellenlinks