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Stand: 30.07.2026

Reichardt: Violence Prevention Network steckt im antideutschen Sumpf

Irreführend

Link Beschreibung

Martin Reichardt (AfD-Bundestagsfraktion) fordert Familienministerin Karin Prien auf, ihre angekündigten Mehrausgaben für Extremismusprävention zu stoppen, nachdem "zwangsgebührenfreie Medien" enthüllt hätten, wie tief die vom Ministerium geförderte Organisation Violence Prevention Network "im antideutschen Sumpf" stecke. Grundlage ist eine Nius-Recherche vom selben Tag über personelle und finanzielle Verflechtungen der Organisation, die den späteren CSD-Attentäter Abdul Ballout beraten hatte.

Faktenfackel Bewertung

Einordnung

Grundlage der Pressemitteilung ist eine NIUS-Recherche vom 30. Juli 2026 über personelle und finanzielle Verflechtungen von Violence Prevention Network (VPN). Ein Teil der dort zusammengetragenen Fakten lässt sich unabhängig bestätigen: Laut Impressum des Beratungskompass Verschwörungsdenken wird das Angebot von einem Trägerverbund aus VPN (Koordination), der Amadeu Antonio Stiftung und dem Zentrum für angewandte Deradikalisierungsforschung modus|zad betrieben, laut NIUS verweist es in seinen Lernmaterialien zudem auf ein Tool von Correctiv. Weitere von NIUS berichtete, von uns nicht unabhängig geprüfte Punkte: Geschäftsführerin Judy Korn habe gegenüber dem Tagesspiegel früheres Engagement in einer Antifa-Gruppe eingeräumt, und Mitgeschäftsführer Thomas Mücke sitze im Vorstand von Gangway e.V., dessen Weddinger Ortsgruppe 2023 provokante Bildmontagen wie "Deutschland, aber Helal" geteilt habe.

Die daraus abgeleitete Etikettierung als "antideutscher Sumpf" trägt jedoch nicht. Der Begriff "antideutsch" bezeichnet eine spezifische, staats- und nationalstaatskritische linksradikale Strömung; Reichardts Formulierung suggeriert, VPN selbst sei ideologisch in diesem Milieu verwurzelt. Dagegen spricht die enge, offiziell dokumentierte Einbindung der Organisation in staatliche Sicherheitsstrukturen: Laut Bundeszentrale für politische Bildung ist die "PREVENT Beratungsstelle Berlin" von Violence Prevention Network fester Bestandteil des von der Berliner Senatsverwaltung für Inneres und Sport koordinierten Deradikalisierungsnetzwerks DeRadNet, in dem gemeinsam mit Landeskriminalamt, Landesamt für Verfassungsschutz und der Senatsverwaltung für Justiz sicherheitsrelevante Fälle bearbeitet werden. Nach eigener Darstellung und laut Wikipedia arbeitet VPN seit ihrer Gründung 2004 (Pilotprojekte bereits ab 2001) ausdrücklich sowohl mit rechtsextremistisch als auch mit islamistisch radikalisierten Personen, nicht nur mit einer politischen Seite. Genau in dieser staatlich eingebundenen Rolle hatte die Organisation, wenige Wochen vor dem Anschlag, auch zwei Gespräche mit dem späteren CSD-Attentäter Abdul Ballout geführt. Ballout war zu diesem Zeitpunkt vom Jugendschöffengericht am Amtsgericht Tiergarten zu einer Jugendfreiheitsstrafe verurteilt worden, wobei das Gericht die Entscheidung über eine Vorbewährung zunächst zurückgestellt hatte; rechtskräftig wurde dieser Beschluss laut NIUS nie, weil die Generalstaatsanwaltschaft Berufung einlegte. Warum sich Ballout dennoch an VPN wandte, ist nach NIUS-Angaben auch dem Gericht selbst nicht bekannt. Reichardt beruft sich auf diese Gespräche, ohne die Rolle der Organisation im staatlichen Präventionssystem zu erwähnen.

Fördersumme und institutionelle Nähe zur Amadeu Antonio Stiftung sind reale Kritikpunkte, die eine Debatte über Auswahlkriterien und Qualitätskontrolle bei Präventionsprojekten rechtfertigen. Sie belegen aber keine ideologische Schlagseite der gesamten Organisation, wie sie Reichardts Formulierung nahelegt.

Fazit

Die Behauptung ist irreführend. Selbst wenn die von NIUS recherchierten Einzelfakten zu Geschäftsführung und Kooperationspartnern von Violence Prevention Network zutreffen, tragen sie die pauschale Zuschreibung "antideutscher Sumpf" nicht: Die Organisation ist offiziell in staatliche Sicherheitsstrukturen eingebunden und arbeitet nachweislich sowohl gegen Rechtsextremismus als auch gegen Islamismus.