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Stand: 22.07.2026

Weidel greift Kullmanns Aussage auf: Energiewende habe 1.000 Milliarden gekostet und nichts gebracht

Irreführend

Link Beschreibung

Die Die "Alternative für Deutschland" greift in einer Pressemitteilung vom 21. Juli 2026 eine Aussage des Evonik-Vorstandsvorsitzenden Christian Kullmann auf, der die Kosten der deutschen Energiewende in einem Interview mit der Rheinischen Post auf rund 1.000 Milliarden Euro beziffert und ihr bescheinigt hatte, sie habe "nichts" gebracht. Alice Weidel verschärft das zu der Aussage, die Ausgaben hätten "weder Versorgungssicherheit gewährleistet noch einen messbaren Effekt auf das Weltklima erzielt", und verweist auf den deutschen Anteil von rund 1,6 Prozent an den globalen CO2-Emissionen.

Faktenfackel Bewertung

Einordnung

Zwei Teile dieser Aussage muss man getrennt betrachten, weil sie unterschiedlich belegbar sind.

Die Kostenzahl selbst lässt sich anhand der vorliegenden Belege weder bestätigen noch widerlegen. Sie stammt aus einem Interview, und weder Kullmann noch die Pressemitteilung legen offen, was in die 1.000 Milliarden Euro eingerechnet wurde: EEG-Umlage, Netzausbau, Zuschüsse, und über welchen Zeitraum. Ohne diese Angaben ist die Zahl nicht überprüfbar. Wer sie bestreitet, indem er eine andere Zahl dagegenstellt, kommt nicht weiter.

Überprüfbar ist dagegen die Behauptung, das Geld habe nichts gebracht, und sie hält nicht stand. Im ersten Halbjahr 2026 deckten erneuerbare Energien 58 Prozent des deutschen Stromverbrauchs, ein Rekordwert, der 153 Terawattstunden entspricht. Der Anteil Russlands an den fossilen Energieimporten fiel von 35 Prozent des Importwerts im Jahr 2021 auf 0,1 Prozent im Jahr 2024. Die durchschnittliche Versorgungsunterbrechung lag 2024 bei 11,7 Minuten je Kunde und Jahr, ein im internationalen Vergleich sehr niedriger Wert. Ausgerechnet die Versorgungssicherheit, die Weidel als nicht gewährleistet bezeichnet, ist damit einer der am besten belegten Punkte gegen ihre Aussage. Die Einordnung dieser Zahlen findet sich bei cleanthinking.

Bei der Kostenseite fehlt zudem der Vergleichsmaßstab. Deutschland gibt jährlich rund 81 Milliarden Euro für Öl-, Gas- und Kohleimporte aus. Über 25 Jahre gerechnet ist das etwa das Doppelte der von Kullmann genannten Summe, und dieses Geld verlässt das Land dauerhaft, statt in eine Infrastruktur zu fließen, die im Land bleibt. Eine Bilanz, die nur die eine Seite ausweist, ist keine Bilanz.

Das Argument mit dem deutschen Anteil von 1,6 Prozent an den globalen Emissionen ist kein Sachargument gegen die Energiewende, sondern eine Verhältnisfrage, die sich gegen jedes einzelne Land richten lässt. Kein Staat außer China und den USA kommt auf einen zweistelligen Anteil.

Bemerkenswert ist die Verwertungskette. Die Aussage fiel am 17. Juli 2026 in einem Zeitungsinterview, wurde von der AfD-Bundespartei am 21. Juli 2026 aufgegriffen und lief parallel über Epoch Times, nius, exxpress und Freie Welt. Eine Interview-Äußerung eines Wirtschaftsvertreters wird so binnen weniger Tage zur belegartig zitierten Zahl.

Fazit

Die Behauptung ist irreführend. Die Kostenzahl von 1.000 Milliarden Euro ist mangels offengelegter Berechnung nicht überprüfbar und wird hier weder bestätigt noch bestritten. Der zweite Teil der Aussage, die Energiewende habe nichts gebracht und insbesondere keine Versorgungssicherheit, ist dagegen falsch: 58 Prozent Erneuerbaren-Anteil im ersten Halbjahr 2026, ein Rückgang des russischen Anteils an den fossilen Importen von 35 auf 0,1 Prozent und 11,7 Minuten Stromausfall pro Kunde und Jahr sprechen dagegen. Eine Kostenangabe ohne die Nutzenseite ergibt keine Bilanz.