Die Heimat
Rechtsextreme Kleinpartei, seit Juni 2023 umbenannte Nachfolgepartei der NPD. Vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft, seit Januar 2024 per Bundesverfassungsgericht-Urteil sechs Jahre von staatlicher Parteienfinanzierung ausgeschlossen.

Über die Quelle
Die Heimat ist die seit Juni 2023 gültige Bezeichnung der ehemaligen Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NPD), gegründet am 28. November 1964 in Hannover. Sie ging wesentlich aus der Deutschen Reichspartei hervor. Auf einem außerordentlichen Bundesparteitag am 3. Juni 2023 in Riesa (Sachsen) stimmten 77 Prozent der Delegierten für die Umbenennung, die sofort in Kraft trat. Ein Teil der Mitglieder, der den alten Namen bevorzugte, gründete daraufhin eine konkurrierende Splitterpartei.
Die Umbenennung war ein Versuch eines Neustarts nach zwei gescheiterten Verbotsverfahren, internen Konflikten und dem kontinuierlichen Rückgang auf heute rund 2.500 Mitglieder bundesweit - verglichen mit 28.000 bis 50.000 in der Hochphase Ende der 1960er Jahre. Trotz nomineller Präsenz in allen 16 Bundesländern ist Die Heimat heute eine politisch bedeutungslose Kleinpartei ohne parlamentarische Vertretung auf Bundes- oder Landesebene.
Verfassungsschutz-Einstufung
Das Bundesamt für Verfassungsschutz sowie alle 16 Landesämter stufen Die Heimat als gesichert rechtsextremistisch ein. Das ideologische Kernstück ist das Konzept einer ethnisch homogenen "Volksgemeinschaft", verbunden mit offen rassistischen und antisemitischen Positionen sowie dem Ziel, die freiheitlich-demokratische Grundordnung zu beseitigen. Das Bundesverfassungsgericht hat 2017 zwar den damaligen Verbotsantrag gegen die NPD abgewiesen - stellte aber gleichzeitig fest, die Partei sei "eindeutig verfassungsfeindlich" und zeige "Wesensverwandtschaft zum Nationalsozialismus". Ein Verbot scheiterte nur daran, dass die Partei aufgrund ihres geringen politischen Einflusses ihre Ziele nicht verwirklichen könne.
Bundesverfassungsgericht-Urteil 2024
Am 23. Januar 2024 schloss das Bundesverfassungsgericht Die Heimat einstimmig für sechs Jahre von der staatlichen Parteienfinanzierung aus (Az. 2 BvB 1/19). Antragsteller waren Bundestag, Bundesrat und Bundesregierung gemeinsam. Das Gericht stützte den Beschluss auf Art. 21 Abs. 3 Satz 1 Grundgesetz und benannte drei verfassungsfeindliche Schwerpunkte: erstens die Ablehnung elementarer Rechtsgleichheit durch das Volksgemeinschaftskonzept, zweitens den Ausschluss ethnisch Nichtdeutscher vom demokratischen Prozess, drittens "deutliche Parallelen zum Nationalsozialismus". Mit dem Ausschluss entfallen auch sämtliche steuerlichen Vergünstigungen auf Parteispenden. Es ist das erste Mal überhaupt, dass das Gericht einen Finanzierungsausschluss nach der 2017 neu eingeführten Verfassungsregelung anwendete.
Führung und Struktur
Seit November 2024 leitet Peter Schreiber die Partei als Bundesvorsitzender. Der 1973 geborene Diplom-Finanzwirt und Chefredakteur der "Deutschen Stimme" wurde auf dem Parteitag in Riesa mit 88,4 Prozent der Delegiertenstimmen gewählt - als einziger Kandidat. Dem Bundesvorstand gehören außerdem Thorsten Heise als stellvertretender Vorsitzender sowie Philipp Neumann (Künstlername Phil von Flak) als weiterer Stellvertreter an.
In NRW führt Claus Cremer den Landesverband mit rund 400 Mitgliedern. Die NRW-Zentrale residiert seit dem Verlust des früheren Domizils in Bochum-Wattenscheid in einer ehemaligen Tischlerei in der Marienstraße 66a im Essener Arbeiterstadtteil Kray - von der Partei arrogant als "Nationale Zone" bezeichnet.
Jugendorganisation
Die Jungen Nationalisten (JN) sind die 1969 gegründete Jugendorganisation der Partei (bis 2018 unter dem Namen Junge Nationaldemokraten). Sie zählen bundesweit rund 280 Mitglieder (Stand 2022) und gelten damit als größte gesichert rechtsextremistische Jugendorganisation Deutschlands. Der Gründungskongress der JN in ihrer aktuellen Form fand im Dezember 2024 in der Essener Kray-Zentrale statt. Vorsitzender ist Sebastian Weigler.
Wahlergebnisse
Bei der Europawahl 2024 erhielt Die Heimat bundesweit 41.006 Stimmen (0,1 Prozent) - kein Mandat. 2014 hatte die NPD noch 1,0 Prozent und einen Sitz im Europaparlament (Udo Voigt) errungen. Bei der Bundestagswahl 2021 lag sie je nach Bundesland zwischen 0,1 und 0,3 Prozent. Keine Landtagssitze bestehen.
Programmatik und Strategie
Die Partei fordert den Austritt aus EU und NATO, die Wiedereinführung der D-Mark, die ersatzlose Streichung des Asylrechts und "Remigration" auf Grundlage eines Abstammungsprinzips für die Staatsbürgerschaft. Die früheren "Vier-Säulen-Strategie" (Kampf um die Parlamente, die Straße, die Köpfe, die Organisierung) setzt Die Heimat laut Bundesverfassungsgericht weiterhin fort, auch wenn die äußere Erscheinung durch die Umbenennung modernisiert wurde.
Auf europäischer Ebene ist Die Heimat Mitglied der Allianz für Frieden und Freiheit (APF), einem rechtsextremen Zusammenschluss europäischer Parteien. Einzelne Funktionäre pflegen darüber hinaus Kontakte zur ungarischen Neonazi-Organisation Légió Hungária: Claus Cremer bestätigte, am 11. April 2026 an einem Gedenkmarsch der Légió Hungária im ungarischen Győr teilgenommen zu haben.
Links
- Offizielle Website: die-heimat.de
- Wikipedia: Die Heimat
- BVerfG-Pressemitteilung: Finanzierungsausschluss (23. Januar 2024)
- Bundeszentrale für politische Bildung: Die Heimat zur Europawahl 2024
- Verfassungsschutz Baden-Württemberg: Profil Die Heimat
- NRW-Verfassungsschutzbericht 2023 (PDF): Die Heimat
- Endstation Rechts: NPD-NRW im Hinterhof (Essen-Kray)
- Wahlrecht.de: Europawahl 2024 - Ergebnisse Deutschland
Faktenfackel Bewertung
Die Heimat ist keine journalistische oder wissenschaftliche Quelle, sondern eine vom Verfassungsschutz auf Bundes- und Landesebene als gesichert rechtsextremistisch eingestufte politische Partei. Eigendarstellungen, Pressemitteilungen und das Parteiorgan "Deutsche Stimme" sind als Propaganda einzuordnen und taugen nicht als Beleg für Tatsachenbehauptungen. Die Partei transportiert systematisch rassistische, antisemitische und revisionistische Frames - unter anderem die Verharmlosung des Nationalsozialismus und die Gleichsetzung von Migration mit "Überfremdung".
Das BVerfG-Urteil von 2024 ist die bisher schwerste rechtliche Konsequenz, die eine Partei in der Bundesrepublik ohne vollständiges Verbot erfahren hat. Die Umbenennung von NPD in Die Heimat ist eine reine Marketingmaßnahme ohne inhaltliche Kurskorrektur.
Fazit
Die Heimat ist eine politisch marginalisierte, aber ideologisch konsequent neonazistische Partei. Ihre Aussagen und Verlautbarungen dienen ausschließlich der Eigenmobilisierung und Propaganda; belastbare Fakten über die Partei sind ausschließlich aus unabhängigen Quellen (Verfassungsschutzberichte, Gerichtsurteile, Recherchejournalismus) zu beziehen.