Im Frühjahr 2020 traf sich Christian Lüth, damals noch Pressesprecher der AfD-Bundestagsfraktion, in einer Bar mit der rechten Aktivistin Lisa Licentia. Das Gespräch wurde heimlich für eine ProSieben-Dokumentation ("Rechts. Deutsch. Radikal.") mitgeschnitten. Der Ton des Auftretenden wird dabei nicht direkt zu sehen sein, die Passage wurde aus einem Gedächtnisprotokoll nachgesprochen. Auf die Frage, ob er möchte, dass noch mehr Migranten nach Deutschland kommen, antwortete er laut der Dokumentation:
Ja. Weil dann geht es der AfD besser. Wir können die nachher immer noch alle erschießen. Das ist überhaupt kein Thema. Oder vergasen, oder wie du willst. Mir egal!
Der Tagesspiegel berichtete am 30. September 2020 über die Äußerungen, die zur fristlosen Entlassung Lüths führten. Der AfD-Fraktionsvorstand beschloss die Kündigung einstimmig. Fraktionschef Alexander Gauland erklärte die Äußerungen für "völlig inakzeptabel".
Faktenfackel Bewertung
Das Zitat ist durch den Tagesspiegel-Bericht sowie den Wikipedia-Artikel zu Christian Lüth mit identischem Wortlaut dokumentiert. Lüth hat die Äußerungen nicht bestritten, sondern als "ironisch und übertrieben" bezeichnet.
Die Formulierung ist kein rhetorischer Zufall: Lüth nennt erst Erschießen, dann Vergasen. Das Wort "vergasen" ist im deutschen Sprachraum untrennbar mit den Morden der NS-Zeit verbunden. Wer es auf Migranten anwendet, auch vermeintlich ironisch, normalisiert den Gedanken der industriellen Massenvernichtung und wendet ihn auf eine lebende Bevölkerungsgruppe an.
Dass ein Pressesprecher einer im Bundestag vertretenen Partei derartige Sätze in einem vermeintlich privaten Gespräch sagt, ist politisch bedeutsam: Es zeigt, was hinter der offiziellen Kommunikation gedacht wird.