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Lawrence H. Summers

US-amerikanischer Ökonom, Harvard-Professor, ehemaliger US-Finanzminister

Bildquelle: ©Lawrence H. Summers
Bildquelle: ©Lawrence H. Summers

Über die Quelle

Lawrence Henry Summers (* 1954 in New Haven, Connecticut) ist ein US-amerikanischer Ökonom und emeritierter Professor an der Harvard University, wo er von 2001 bis 2006 auch als Universitätspräsident amtierte. Er gilt als einer der einflussreichsten Makroökonomen der vergangenen drei Jahrzehnte und wurde unter anderem mit der John Bates Clark Medal (1993) ausgezeichnet, die an herausragende US-Ökonominnen und -Ökonomen unter 40 vergeben wird.

Summers hatte mehrere hochrangige wirtschaftspolitische Positionen inne: Unter Präsident Bill Clinton war er von 1999 bis 2001 US-Finanzminister (Secretary of the Treasury), zuvor Unterstaatssekretär für internationale Wirtschaftsfragen. Unter Präsident Barack Obama leitete er von 2009 bis 2010 den Nationalen Wirtschaftsrat (National Economic Council) und war maßgeblich an der Konzeption des US-Konjunkturpakets nach der Finanzkrise beteiligt. 2013 prägte er bei der 14. Forschungskonferenz des Internationaler Währungsfonds den Begriff "Secular Stagnation" neu, um das Phänomen anhaltend niedriger Wachstumsraten trotz niedriger Zinsen zu beschreiben, und löste damit eine breite makroökonomische Debatte aus. Summers ist außerdem Research Associate des National Bureau of Economic Research (NBER) und schreibt regelmäßig Kolumnen für die Washington Post und die Financial Times.

Faktenfackel Bewertung

Summers ist ein ausgewiesener Makroökonom, dessen wissenschaftliche Beiträge in Fachkreisen breit rezipiert werden. Seine Secular-Stagnation-These prägt seit 2013 die Debatte über strukturelle Nachfrageschwäche in entwickelten Volkswirtschaften und wird auch von Kritikern wie Olivier Blanchard (PIIE, 2023) in wesentlichen Punkten bestätigt.

Gleichzeitig ist Summers eine polarisierende Figur. Kritik kommt von links wegen seiner Rolle bei der Finanzmarkt-Deregulierung der späten 1990er Jahre (Aufhebung des Glass-Steagall Act 1999, Commodity Futures Modernization Act 2000), die von einigen Ökonomen als Mitursache der Finanzkrise von 2008 gesehen wird. Nach der Corona-Pandemie warnte er früh und öffentlich vor anhaltender Inflation als Folge der US-Konjunkturpakete. Diese Einschätzung wurde teils bestätigt, machte ihn in linken Kreisen aber dennoch zur Zielscheibe. Kritik von rechts bezieht sich dagegen auf seine Unterstützung keynesianischer Fiskalprogramme.

Seine öffentlichen Kommentare, Kolumnen und Interviews sind als Stimme eines einflussreichen, wirtschaftlich moderaten Demokraten in der US-Wirtschaftsdebatte zu lesen. Er vertritt Positionen, die für die US-Debatte als "zentristisch-neoliberal" gelten, für europäische Verhältnisse aber eher einem mainstream-sozialdemokratischen Wirtschaftsverständnis nahekommen. Meinungsbeiträge sollten entsprechend eingeordnet werden; peer-reviewte Fachbeiträge und gemeinsame Arbeiten mit Koautoren wie Łukasz Rachel (Brookings, 2019) sind methodisch belastbar.

Fazit

Ein hochrangiger Ökonom mit umfangreichem wirtschaftspolitischem Hintergrund; wissenschaftliche Beiträge sind belastbar und prägen die internationale Makro-Debatte, öffentliche Kommentare spiegeln eine gemäßigt-zentristische US-Wirtschaftsperspektive wider.